15. April 2011, 10:05 Uhr

Anwohner-Protest aus Kleinlinden gegen Lindener Solarpark

Gießen (pd). Noch ist das Projekt in der Offenlegungsphase, gegen den von der Stadt Linden geplanten Solarpark regt sich allerdings bereits Widerstand.
15. April 2011, 10:05 Uhr
Auf dieser Fläche, die direkt an Kleinlinden (im Hintergrund sind die Häuser der Waldweide zu erkennen) angrenzt, soll der Solarpark entstehen. Landwirt Klaus Rinn präsentiert die Unterschriftenliste gegen das geplante Projekt. (Foto: Schepp)

Wie berichtet, plant die Gießener Nachbarkommune die Errichtung der Solaranlage auf einer Freifläche, die im nordwestlichen Lindener Zipfel von der Allendorfer und der Frankfurter Straße in Kleinlinden eingerahmt wird. »Man setzt uns das direkt vor die Nase«, beschwerte sich jetzt im Gespräch mit der Allgemeinen Klaus Rinn. Der Landwirt hat seinen Betrieb in direkter Nachbarschaft der geplanten Anlage. Anwohner - vor allem aus der Kleinlindener Waldweide - haben innerhalb von zwei Nachmittagen rund 50 Unterschriften gegen den Solarpark gesammelt und die Listen vor kurzem in der Lindener Stadtverwaltung abgegeben.

Dass der Protest gegen eine Solaranlage aufgrund der Ereignisse in Fukushima und der aktuellen Kernenergiediskussion von vielen nicht nachvollzogen werden kann, ist den Kritikern aus Kleinlinden bewusst. Es gehe ihnen nicht grundsätzlich um die Erzeugung und Nutzung von Solarstrom. Eine Unterzeichnerin der Unterschriftenliste betont, sie haben bereits vor vielen Jahren gegen Atomkraft demonstriert. Der Protest richte sich vielmehr gegen die »unzumutbare Nähe« zum Wohngebiet und den bewohnten Flächen im Außenbereich. Landwirt Rinn beispielsweise hat Stallungen und Halle seit etwa 25 Jahren direkt neben der Wiesenfläche, die an einen weiteren Bauern verpachtet ist und deren Ertrag dreimal jährlich für Silage genutzt wird. Vor kurzem hat Rinn auf seinem Anwesen an der Straße »Hinter dem Steinrücken« noch ein Haus gebaut. »Gegen die Technik ist überhaupt nichts einzuwenden«, stellt Rinn klar. Ihm geht es um die störende Blendwirkung der gut fünf Hektar großen Anlage und mögliche Lärmbelästigung durch Summgeräusche. Anwohner der Waldweide bringen eventuelle Gefahren durch Elektrosmog ins Spiel. Die Stadt Linden solle ihren Solarpark so anlegen, dass - wenn überhaupt - die eigenen Bewohner betroffen seien. »Wir fühlen uns als Bürger zweiter Klasse«, hieß es aus Kleinlinden.

In Großen-Linden sei vor zwei Jahren eine an der A 485 geplante Solaranlage wegen Bürgerprotesten zurückgezogen worden - nun wolle man das Ganze auf dem Rücken der Einwohner Kleinlindens durchziehen. Viele Bewohner des Gießener Stadtteils beschweren sich, dass es keine offizielle Information über die Pläne gegeben hat. Die Frist für ein Beteiligungsverfahren sei am 18. März abgelaufen. Bürger mit Vorbehalten gegen die geplante Anlage seien gezwungen, sich unter Zeitdruck selbst zu informieren.

Die Unterzeichner der Unterschriftenliste fordern ferner mehr Rücksichtnahme auf das Orts- und Erscheinungsbild Kleinlindens. Dass es kein Recht auf »freien Ausblick« gibt, hatte Stadtplaner Mathias Wolf im AZ-Artikel vom 5. April bekräftigt. »Den Bürgern der Stadt Linden soll ein entsprechender Anblick ja auch nicht zugemutet werden«, verweisen die Bewohner der Waldweide auf den Rückzug von der ursprünglichen Planung. Trotz des Walles an der Straße werde der Solarpark vor allem im Winter deutlich in Erscheinung treten. »Warum muss unserem Baugebiet dieser Solarpark dermaßen dicht aufgezwängt werden?«, fragen die Kritiker. Es habe den Anschein, als müssten sich die Kleinlindener Bürger den Fördergeldern zuliebe, »die Linden gerne noch mitnehmen möchte«, für die nächsten 25 Jahre mit dem Solarpark arrangieren.

Lindens Bürgermeister Dr. Ulrich Lenz bekräftigte auf Anfrage, er habe dem potenziellen Betreiber der Solaranlage empfohlen, sich mit den Bürgern in Kleinlinden in Verbindung zu setzen und sie über die geplanten Maßnahmen zu informieren.

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