07. September 2017, 06:00 Uhr

Alte Post

Alte Post: Stadt will Shobeiri Rechnung schicken

Das Ultimatum an die Eigentümer der Alten Post ist nicht verlängert worden. Die Stadt bereitet die »Ersatzvornahme« der Fassadensicherung vor. Zieht Shobeiri nun vor Gericht?
07. September 2017, 06:00 Uhr
Das von der Stadt beauftragte Gutachten zur Alten Post. (Foto: mö)

Möglicherweise landet am heutigen Donnerstag auf dem Tisch des Gießener Verwaltungsgerichts ein Eilantrag der Eigentümer der Alten Post. Denn die Stadt hat ein Ultimatum, dass sie der Eigentümerfamilie Shobeiri Ende der vergangenen Woche gestellt hatte und das um Mitternacht endete, nicht verlängert. Wie Magistratssprecherin Claudia Boje am frühen Mittwochabend auf Anfrage mitteilte, habe die Stadt eine von den Eigentümern erbetene erneute Fristverlängerung abgelehnt und bereite nun eine »Ersatzvornahme« vor.

Das bedeutet, dass die Stadt nun die von ihr geforderten Maßnahmen zur Sicherung der Fassade selbst durchführen will und den Eigentümern die Kosten für diese Arbeiten in Rechnung stellt. Dagegen können die Eigentümer mit einem Eilantrag vorgehen, den sie beim Gießener Verwaltungsgericht einreichen müssten.

Gutachter sollten sich austauschen

Die Stadt hatte die Eigentümer aufgefordert, bis zum Mittwoch zu erklären, ob sie bereit sind, die Sicherungsmaßnahmen an der Fassade selbst durchzuführen. Stattdessen baten die Eigentümer um eine erneute Verlängerung dieser Frist, damit sich die von beiden Seiten beauftragten Gutachter austauschen können. Dies lehnte die Stadt ab.

 
Fotostrecke: 20 Jahre Verfall: Alte Post in Händen der Familie Shobeiri

Seit Mitte Juli war es im Ringen um den Erhalt der Alten Post zwischen Stadt und Eigentümern hin und her gegangen. Zunächst präsentierte der Magistrat sein Anfang des Jahres beauftragte Gutachten zum Zustand der Alten Post, definierte 15 einzelne Sanierungsmaßnahmen, um das Gebäude zu erhalten, und ordnete gleichzeitig den sofortigen Vollzug von Maßnahmen zur Sicherung der Fassade gegen herabstürzende Teile der Giebel im Falle eines orkanartigen Sturms an. Unter anderem geht es um ein Drahtgitter, das über die Fassade gespannt werden soll. Gegen diesen Sofortvollzug legten die Shobeiris Widerspruch ein baten zum Zeit, um ein eigenes Statikgutachten einzuholen. Die Stadt kam der Bitte nach – und der Statiker der Eigentümer zum Ergebnis, dass eine Fassadensicherung unnötig sei. Die Stadt ließ dieses Gutachten der Eigentümer daraufhin prüfen. Ergebnis: Die Fassade muss gesichert werden.

Fünf Millionen für Komplettsanierung

Die Gutachter der Stadt schätzen den Aufwand, um das 1863 errichtete Postgebäude wieder nutzbar zu machen, auf knapp fünf Millionen Euro. Davon entfallen auf die reinen Bauerhaltungskosten knapp zwei Millionen Euro. Den Shobeiris gehört das Gebäude seit dem Jahr 1998.

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