30. August 2018, 13:42 Uhr

Ostschul-Jubiläum

Alles Gute, Ostschule Gießen!

Auf ihrem 50-jährigen Weg musste die Gießener Ostschule auch Dämpfer verkraften. Aus all diesen Krisen ist die GGO gestärkt hervorgegangen. Nun feiert sie Jubiläum.
30. August 2018, 13:42 Uhr
Die Gesamtschule Ost wird demnächst 50 Jahre alt und ist dringend sanierungsbedürftig. (Foto: Schepp)

Begonnen hat alles am 4. September 1968. Mit 42 Kindern in der Eingangsstufe und 171 Schülern in der Förderstufe nimmt die Mittelpunktschule Gießen-Ost ihre Arbeit auf. Vorbereitet worden war dieser Schritt von der Stadtverordnetenversammlung zwei Jahre zuvor. Im September 1966 hatte das Gießener Stadtparlament die Gründung eines Schulverbands für die geplante Mittelpunktschule beschlossen. Mittlerweile hat die Gesamtschule Gießen-Ost rund 1500 Schüler. Mit einem Festakt begeht sie am Freitag ihr 50-jähriges Bestehen. Der Blick zurück zeigt die wechselvolle Geschichte der einzigen integrierten Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe in Gießen. Und der Blick nach vorn gibt Hoffnung darauf, dass die dringend notwendige Sanierung des Schulgebäudes in nicht allzu ferner Zukunft beginnen wird.

 

Ostschule: Startschuss am 1. August 1968

Doch der Reihe nach: »Auf den Antrag des Schulverbandes Gießen-Ost stimme ich (...) der Errichtung einer Versuchsschule in der Form einer nach Schulformen nicht gegliederten Gesamtschule zunächst für die Klassen 1 bis 6 (...) mit Wirkung vom 1.8.1968 zu«, schreibt die damalige Staatssekretärin im Kultusministerium, Dr. Hildegard Hamm-Brücher. Damit war der Startschuss für die neue Schule im Osten der Stadt gefallen. Dem Schulverband gehörten auch die Gemeinden Albach, Annerod und Steinbach an. Nach dem Start als Mittelpunktschule geht es mit Beginn des Schuljahrs 1970/71 als integrierte Gesamtschule weiter, 1974 nimmt die gymnasiale Oberstufe mit 102 Schülern in der Jahrgangsstufe 11 ihre Arbeit auf und im Sommer 1977 legt der erste Abiturjahrgang seine mündliche Prüfung ab.

In der Beurteilung der pädagogischen Qualität des Schulgebäudes sind sich die Experten über die Jahrzehnte hinweg einig: »Die Schule war immer relativ voll und das Gebäude hatte überhaupt nichts pädagogisches«, erinnern sich der ehemalige Schulleiter Heribert Ohlig und Richard Breidert, der vor seiner Zeit als Chef der Ricarda Huch-Schule viele Jahre lang Lehrer an der GGO war. Diese Einschätzung hat vor Kurzem auch Christian Nasedy als Vorsitzender des Preisgerichts beim Architektenwettbewerb für die Neugestaltung des »total verbauten« Gebäudes am Alten Steinbacher Weg geäußert: »Modernes pädagogisches Arbeiten fällt schwer in diesem Haus.«

 

Ostschule: Proteste gegen Zusammenlegung

Und noch etwas mussten Kollegium und Schülerschaft im Laufe der Jahrzehnte lernen: Ihr Schulgebäude mit anderen Institutionen teilen. Abendschule, das Studienseminar für Gymnasien und Helmut-von-Bracken-Schule waren oder sind nach wie vor an unterschiedlichen Stellen des Schulzentrums untergebracht. »Wir mussten immer darum kämpfen, etwas für uns zu haben«, erinnert sich Ohlig. Kein Wunder, dass sich die Schülerzahlen in den 1980ern auf überschaubarem Niveau bewegten. In jene Zeit fielen auch Überlegungen in der Stadtpolitik, aus fünf gymnasialen Oberstufen in Gießen drei zu machen. Ein Gedankenspiel: Ricarda-Huch-Schule und Gesamtschule Ost sollten eine gemeinsame Oberstufe bilden. »Damals hatten wir mit 640 Jugendlichen unsere niedrigste Schülerzahl«, erinnert sich Breidert.

 

Ostschule: 1996 Feuer in der Bibliothek

Doch die Zusammenlegung wurde nach massiven Protesten abgewendet. Und an der integrierten Gesamtschule werden neue Ideen umgesetzt. Kleingruppenbetreuung im Team, Lehrerteams, die Schülerjahrgänge von der Förderstufe bis zur Klasse zehn durchgängig begleiten und erste Angebote der Ganztagsbetreuung werden an der GGO diskutiert und schließlich umgesetzt. »Das war ein harter Kampf auch innerhalb der Schule«, blickt Breidert zurück.

Doch der hat sich gelohnt. Anfang der 1990er Jahre wurde die GGO mit dem Segen der Stadt zur »Schule mit Ganztagsangeboten«. Was heutzutage selbstverständlich ist, war damals die große Ausnahme: Gemeinsames Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung und weitere Angebote waren neu – gerade an weiterführenden Schulen. Von den Eltern wurde die Entwicklung in Richtung Ganztag honoriert. Die Schülerzahlen stiegen. Das blieb auch so, als ein Brand 1996 die Bibliothek und weitere Teil der Schule zerstörte. »Das Feuer hätte zu einem Desaster für die Schule werden können, aber es hat die Schulgemeinde zusammengeschweißt«, sagt Ohlig. Trotz Schichtbetrieb, der Auslagerung von Klassen an die US-Middleschool und Unterricht im Freien bleibt die Nachfrage ungebrochen.

Daran hat sich bis heute nichts geändert. »Wir fördern die Schüler insgesamt«, betont Ohlig. Das wird auch von anderer Stelle honoriert. Die GGO ist Umweltschule, Schule mit dem Schwerpunkt Musik, MINT-Schule und sie trägt das Gütesiegel für Hochbegabte. Auch darauf darf die Schulgemeinde stolz sein, wenn sie am Freitag den 50. Geburtstag ihrer Schule begeht.

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