25. September 2012, 21:18 Uhr

Alin Coen Band und Naima Husseini im Rathaus

Die Alin Coen Band und Naima Husseini präsentierten im ausverkauften Konzertsaal des Rathauses für TV Noir Lieder wie Schäfchenwolken.
25. September 2012, 21:18 Uhr
Alin Coen: Charismatische Sängerin mit einer ganz besonderen Stimme.

Empfindsamkeit hat Einzug in die Pop-musik gehalten. Clueso, Philip Poisel und Tim Bendzko füllen mit ihren Konzerten voller mehr oder weniger poetischer Texte über ihre eigenen emotionalen Befindlichkeiten die Konzertsäle. Was die können, das werden wohl auch schon bald zwei Frauen schaffen, die zwar noch nicht das ganz große Publikum haben, aber durchaus das Potenzial dazu: Alin Coen mit ihrer gitarrenlastigen Band und Naima Husseini, die dank ihrer Sound-Wundermaschine auch als One-
Woman-Show wahre Klangwelten erzeugen kann. Die beiden gastierten am Montag im ausverkauften Konzertsaal des Rathauses, wohin der Berliner Musiksender TV Noir eingeladen hatte. Das Versprechen »das Wohnzimmer der Songwriter kommt zu Dir nach Hause« war dabei mit Sofa und Stehlampe auf der Bühne Programm.

Die 30-jährige Alin Coen, die mit Bassist Philipp Martin, Gitarrist Jan Frisch und Drummer Fabian Stevens spätestens seit ihrem Auftritt in der Fernsehsendung »Inas Nacht« bekannt geworden ist, hat eine Stimme mit enormem Wiedererkennungseffekt. Melodien, die man trotz Songbuch nur schwer nachsingen kann, Texte, die klug und sensibel sind, und eine Musik, die irgendwo zwischen Folk, Jazz und Pop pendelt, sind Markenzeichen der Musiker aus Weimar, die sich – höchst ungewöhnlich für Einsteiger im Musikgeschäft – über ihr eigenes Label »Pflanz einen Baum« vermarkten. »Wer bist Du?« heißt das 2011 erschienene Debütalbum und für 2013 verspricht Coen ein weiteres Album. »Hol mich ein« fordert sie, singt vom »Festhalten« und »den Kopf Formatieren« und weiß doch: »Einer will immer mehr«.

Dass der starke Hall im Konzertsaal die Lieder, die irgendwie klingen, als läge man auf einer Blumenwiese und würde den Schäfchenwolken nachblicken, in eine wahre Klangwoge verwandelt, scheint nur Coen zu stören, die ihre Gitarre immer wieder aufs Neue nachstimmt und auch schon mal merkwürdige Klappergeräusche aus ihrem Instrument wahrnimmt. Elektronisches Glockenspiel, Percussion, Akustik-gitarre – Coen und ihre Jungs nutzen die ganze Bandbreite. Und auch unplugged – nur mit ihrer Stimme und der Gitarre – kann die zierliche Frau den Saal mühelos füllen.

Multiinstrumental ist auch Naima Husseini aufgestellt, die der Pop-Musik eine ganz eigene Note gibt. Ein bisschen klingt ihre Musik wie die von Lykke Li oder Leslie Feist, aber düsterer und individueller. Wenn die 31-Jährige mit Gitarre, Live-Sampler und Doppelmikrofon spielt, dann entstehen kaleidoskopartige Klanglandschaften, die eine unwiderstehliche Verbindung mit den klugen Texten eingehen. Husseini singt »Au revoir Tristesse«, geht »Ohne Dich« zum Abtanzen in die Disco und ist irritiert, denn »Oben ist unten«. Wenigstens hat sie »ein positives Liebeslied« an diesem Abend mitgebracht und behauptet »Mir fehlt nichts«.

Husseini hat offenbar gut daran getan, sich von ihrer früheren Band Silvester zu lösen, die auf dem besten Weg war, als Pop-Band vermarktet zu werden, und hat – unterstützt von Juli-Stammproduzent Olaf Opal – ihren ganz eigenen Weg gesucht. Es ist »Ein Schritt vor«, wie sie singt, und ein echtes Erlebnis an diesem sympathisch kurzweiligen Abend, der nach fast zweieinhalb Stunden eher sanfterer Klänge als Zugabe mit einem völlig überraschenden Heavy-Metal-Urschrei aller Musiker endet. Es wird nicht das Letzte gewesen sein, was man von den fünf Musikern gehört hat. gl

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