15. Juli 2011, 21:45 Uhr

Aids-Hilfe hat immer öfter mit Älteren zu tun

Gießen (si). Eine HIV-Infektion ist nicht mehr zwangsläufig ein Todesurteil. Zumindest in den Industrieländern können Betroffene heute, dank neuer Medikamente, über weite Strecken »ein ganz normales Leben« führen. In Deutschland etwa sind zwei Drittel der Infizierten erwerbstätig.
15. Juli 2011, 21:45 Uhr
Die Aids-Hilfe hat ihr Gießener Büro in der Diezstraße 8. (Foto: Schepp)

Es gibt denn auch immer mehr ältere Menschen mit HIV und Aids - und das wirft zwangsläufig neue Fragen etwa für die Betreuung auf. Bei der Aids-Hilfe Gießen gehören inzwischen zwei Drittel aller Klienten, zu denen enger Kontakt besteht, der Altersgruppe »40 bis 65« an. Das zeigt die am Freitag vorgelegte Bilanz für das Jahr 2010.

Betreuung, Beratung und Prävention: so beschreiben die Vorstandsmitglieder Cornelia Nette und Friederike Stibane sowie Mitarbeitervertreter Jürgen Weber die drei Hauptaufgaben der Aids-Hilfe. Sie sitzt in Gießen in der Diezstraße 8, darüber hinaus unterhält sie Beratungsstellen in Herborn und Friedberg. Regelmäßige Außenkontakte gibt es auch in die Justizvollzugsanstalt Butzbach und zur »Infektionsstation« am Gießener Uniklinikum, wo Aids-Patienten stationär betreut werden. 940 Ratsuchende weist die Statistik für das vergangene Jahr aus, jeder fünfte (187 Personen) kam erklärtermaßen mit HIV oder Aids. Das heißt, es informierten sich auch viele Nichtinfizierte, zur individuellen Vorsorge oder weil etwa ein Familienmitglied erkrankt ist.

Unverändert gilt, dass Aids und HIV jeden treffen kann. Klar ist aber auch, dass »Männer, die Sex mit Männern haben« (nicht alle bezeichnen sich selbst als homosexuell), besonders gefährdet sind. Präventive Arbeit betreibt die Aids-Hilfe deshalb auch »zielgruppenorientiert«. So bewegten sich die Mitarbeiter in einschlägigen Internet-Chats oder Szenelokalen. Keine Rolle spielt die sexuellen Orientierung in den Workshops, die sich an jungen Leute wenden, hier steht die altersgemäße Ansprache im Mittelpunkt (»Prävention fängt in jeder Generation neu an«). Es gab und gibt außerdem Info-Veranstaltungen für bestimmte Berufsgruppen oder die anonyme Telefonberatung, bei der sich jeder angesprochen fühlen kann.

Betreuung leistet die Aids Hilfe mit Selbsthilfe- oder Gruppenarbeit, etwa dem monatlichen Brunch für HIV-Positive, Kochkursen oder einer Gesprächsgruppe, die sich speziell an Frauen richtet. Besonders aufwändig ist das betreute Wohnen. 38 Menschen erhalten diese intensive Unterstützung, so viele wie nie zuvor. Im vergangenen Jahr kamen fast 5000 Betreuungsstunden zusammen. Möglich war das nur durch eine Personalaufstockung. Es gibt jetzt acht Mitarbeiter (auf 6,5 Stellen), der höchste Stand in der Geschichte der 1987 gegründeten Aids-Hilfe Gießen.

Auch beim betreuten Wohnungen steigt der Anteil der Älteren mit HIV oder Aids stetig. Mit einem weiter wachsenden Bedarf ist also zu rechnen. Dies ist eine der großen Herausforderungen für die heimische Aids-Hilfe, die in den Regionen Gießen, Lahn-Dill und Wetterau tätig ist. Gerade im ländlichen Raum warten weitere Aufgaben, denn hier ist die Versorgung immer noch schlechter als in der Stadt, die Diskriminierung aber oft größer, weil die schützende Anonymität fehlt.

Um so mehr benötigt der Verein freiwillige Helfer. »Wichtige Teile unserer Arbeit wären ohne ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht denkbar«, sagten die Vorstandsvertreter beim Pressegespräch. Einsatzmöglichkeiten gibt es viele, vom Kliniksbesuchsdienst »Freundeskreis Seltersberg« bis zu Info-Ständen, Gruppenangeboten oder sonstigen Veranstaltungen: dem »Run'n'Roll for Help« beispielsweise, den die Aids-Hilfe beim Stadtfest in diesem Jahr (am 21. August) wieder mitausrichtet. Dafür sei sehr viel Vorbereitungsarbeit nötig, hieß es. Grundsätzlich ist sowohl die punktuelle Mitarbeit wie auch langfristiges Engagement möglich. Ansprechpartner ist Robin Singh, Tel. 06 41/390 226 oder E-Mail rs-ah-gi@t-online.de.

Schlagworte in diesem Artikel

  • AIDS
  • Aids-Hilfe
  • Erwerbstätigkeit
  • Homosexuelle
  • Industrieländer
  • Infektionspatienten
  • Jürgen Weber
  • Medikamente und Arzneien
  • Sexuelle Neigungen
  • Todesurteile
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 / 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.