13. März 2018, 19:36 Uhr

Gefängnisstrafe

61-Jährige in Gießener Hinterhof brutal niedergeschlagen

Ein Mann, der eine 61-Jährige in der Frankfurter Straße in Gießen ausgeraubt hat, musste sich am Dienstag vor Gericht verantworten. Lange behauptete er, die Frau sei schuld an dem Vorfall gewesen.
13. März 2018, 19:36 Uhr
In dem Hinterhof dieses Möbelhauses in der Frankfurter Straße wurde die 61-Jährige von dem Täter attackiert. (Foto: Schepp)

Als die Gießenerin in den frühen Morgenstunden das Schloss ihres Fahrrades lösen möchte, bemerkt sie plötzlich, dass ein junger Mann ihr in den Hinterhof gefolgt ist. Die 61-Jährige hat ihr Zweirad extra zwischen zwei Transportern abgestellt, »damit man es von der Straße aus nicht sofort sieht«. Das wird ihr nun zum Verhängnis. Sie kann nicht ausweichen. Auf ihre Bitte, sie in Ruhe zu lassen, hebt der Unbekannte den rechten Arm und schlägt der Frau mit voller Wucht ins Gesicht. Nachdem sie zu Boden gestürzt ist, spürt sie Tritte in die Rippen. Dann reißt der Mann ihr eine goldene Kette vom Hals und verschwindet.

»Die Kette habe ich mir vor 40 Jahren bei einer Reise durch Nepal gekauft, so etwas bekommt man nicht wieder«, seufzte die gelernte Altenpflegerin am Dienstag vor einem Jugendschöffengericht des Gießener Amtsgerichts. Immerhin: Die Verletzungen der Attacke vom 17. August vergangenen Jahres sind verheilt. Drei Tage war sie im Krankenhaus gewesen. Bis das Gesicht wieder abgeschwollen und die Schmerzen verschwunden waren, vergingen zwei Wochen.

 

Machete fürs Essen?

Der Mann, der ihr dies angetan hat, muss für eineinhalb Jahre ins Gefängnis. Sein Geständnis ließ lange auf sich warten. Zunächst gab der Angeklagte – ein Asylbewerber aus Marokko – nur mehrere Diebstähle in der Innenstadt zu. Dort hatte zwischen April und Juni unter anderem eine Lederjacke, eine Sonnenbrille und eine Machete geklaut. Das Buschmesser habe er »zum Essen« gebraucht, gab er auf Nachfrage von Richterin Maddalena Fouladfar an.

Auch sonst schien er es mit der Wahrheit nicht allzu genau zu nehmen. Er behauptete, die ältere Frau sei schuld an dem Vorfall gewesen. Sie habe ihn beleidigt und angespuckt, weil er in den Hinterhof uriniert habe. Er habe sie lediglich geschubst. Davon, dass er ihr ein Schmuckstück vom Hals gerissen haben soll, wollte er nichts wissen. Erst als Richterin Fouladfar ihm klar machte, dass ein Bekannter von ihm ihn eindeutig belastet habe, knickte der schmächtig wirkende Täter ein. Der Zeuge hatte bei der Polizei berichtet, der Angeklagte habe ihm gegenüber den Überfall zugegeben. Die Kette soll er seinerzeit in einem Verband versteckt haben, sein rechter Arm war bandagiert.



Staatsanwältin Janny Link plädierte auf eine Haftstrafe von einem Jahr und vier Monaten. Sie ging von Jugendstrafrecht aus. Das Alter des jungen Mannes, der über keinen Pass verfügt, stand nicht fest. In Spanien, wo er 2014 eingereist war, wurde er mit dem Geburtsjahr 1992 registriert. In Deutschland, wo er sich seit 2017 aufhält, galt er als sechs Jahre jünger. Obwohl der Beschuldigte versicherte, 1992 zur Welt gekommen zu sein, nahm Link das in Deutschland genannte Geburtsjahr – 1998 – an.

Fouladfar sah wegen der über dreijährigen und selbstständigen Flucht des Angeklagten quer durch Europa hingegen »keine Anhaltspunkte dafür, dass er nicht die Reife eines Erwachsenen erlangt hat«. Strafschärfend wertete die Richterin »die erschreckende Rohheit, mit der Sie gegen eine zierliche, ältere Frau vorgegangen sind«. Außerdem kritisierte Fouladfar, dass der Nordafrikaner schon wenige Tage nach seiner Einreise nach Deutschland die erste Straftat begangen hatte. Die Haft könne wegen der negativen Sozialprognose nicht zur Bewährung ausgesetzt werden.

Das hatte Verteidiger Tomasz Kurcab gefordert. Er sagte, sein Mandant werde nach Italien abgeschoben.

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