03. September 2018, 22:22 Uhr

Gegen Rechts

500 Gießener beim »Leuchten gegen rechte Hetze« am Berliner Platz

Die Initiatoren von »Leuchten gegen rechte Hetze« freuen sich am Montagabend über mehr als 500 Gießener vor dem Rathaus. Auch prominente Politiker sind unter den Teilnehmern.
03. September 2018, 22:22 Uhr
Gießener Bürger setzen vor dem Rathaus ein Zeichen und solidarisieren sich mit den »Demokraten in Chemnitz«. (Foto: Schepp)

Initiatorin Beriha Koc hatte kleine Tränen der Rührung in den Augen. »Ich bin überwältigt. Dass so viele Menschen unserem Aufruf gefolgt sind, nimmt mir etwas von der Angst, die ich spüre, seit ich die Bilder von den Nazis in den Straßen von Chemnitz gesehen habe«, sagte die Gießenerin.

Mehr als 500 Menschen waren am Montagabend vor das Rathaus der Stadt gekommen, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen und ihre Solidarität mit den Opfern rechter Gewalt sowie den Demokraten zu zeigen, die sich »in Chemnitz dem rechten Mob entgegenstellen«.

Kevin Kühnert unter den Teilnehmern 

Initiiert wurde die Veranstaltung »Leuchten gegen rechte Hetze« von Koc und ihrer Mitstreiterin Amelie Cavdar gemeinsam mit dem Verein Mitmission und dessen Vorsitzender Isa Espanion. Unter den Teilnehmern waren neben einigen Gießener Lokalpolitikern auch der stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel und Kevin Kühnert, der Bundesvorsitzende der Jusos, der zu Wahlkampfzwecken in Gießen weilte.

»Da ich aus diesem Grund die Menschen in Chemnitz heute nicht direkt unterstützen kann, bin ich hier in Gießen dabei. Die Chemnitzer haben unsere Solidarität nie mehr gebraucht als heute«, ließ Kühnert ausrichten. Unter die 500 bunt zusammengewürfelten Menschen hatte sich auch eine große Zahl Migranten gemischt. Einige erklärten auf Nachfrage, dass sie sich neuerdings Sorgen vor der Zukunft in Deutschland machen würden.

Laut werden gegen stumme Befürworter

Koc und Cavdar hatten nach der Bundestagswahl im vergangenen Jahr und dem Einzug der AfD in den Bundestag bereits in Gießen immer montags zum »Leuchten gegen Rechts« aufgerufen. »Damals standen wir oft mit nur 15 Personen da, dass es heute so viele Menschen sind, ist ein gutes Gefühl«, sagte Cavdar. Damals sei der Drang, sich gegen rechte Hetze zu Wehr zu setzen, offenbar noch nicht so groß gewesen.

»Wir wollen nicht hinnehmen, dass rechte Hetze auf den Straßen geduldet wird. Und es darf nicht sein, dass 6000 Nazis nur 3000 Gegendemonstranten gegenüberstehen«, forderte Cavdar. »Wir müssen laut werden gegen rechte Hetze und gegen Nazis, aber auch gegen die stummen Befürworter, die sich im rechten Mob einsortieren und mitmarschieren«, sagte Cavdar. Der Applaus war groß. Auch als sie sagte, dass sie es erschreckend finde, »wie wackelig die Demokratie geworden« sei.

Die schweigende Mehrheit schweigt nicht mehr

Die Besucher nannten unterschiedliche Gründe für die Teilnahme. Alle jedoch fanden, es sei an der Zeit, gegen Rechte und gegen Nazis aufzustehen. »Ich bin die schweigende Mehrheit, und ich schweige jetzt nicht mehr«, sagte der Gießener Rainer Oldiges.

Neben Cavdar traten auch der Gießener Friedenspreisträger Werner Ortmüller, ein Vertreter der Seebrücke Gießen und Mitmission-Vorsitzende Espanion an das Mikrofon. Musikalisch wurde die Veranstaltung begleitet von der Trommelgruppe Bloco Baiano. In ihrem Schlussworte zeigte sich auch Espanion von der Resonanz der Gießener überwältigt, die zu dem Song »Nur ein Lied« von Alex Diehl Kerzen entzündeten oder die Taschenlampe des Smartphones aktivierten.

Beriha Koc ging während der gut einstündigen Veranstaltung durch ein Wechselbad der Gefühle. »Die Fernsehbilder aus Chemnitz haben mich aufgewühlt. Ich fühle mich angesprochen, wenn Ausländer raus gerufen wird. Ich habe Angst bekommen und saß mit Tränen in den Augen im Wohnzimmer«, erzählt die Tochter türkischer Gastarbeiter. Am Montagabend weinte sie wieder. »Der Abend hier gibt mit ein gutes Gefühl.« Diesmal waren es Tränen der Rührung.

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