25. Januar 2019, 18:16 Uhr

Ein Schmuckstück an der Kaiserstraße

25. Januar 2019, 18:16 Uhr

Altehrwürdiges Haus in neuem Glanze: Mit einem Sektempfang ging nun die Sanierung der Hungener Hofaptheke zu Ende. Die Eigentümerfamilie Anhäuser hatte die an den Bauarbeiten beteiligten Handwerker sowie Architekt Thomas Jungherr und Bürgermeister Rainer Wengorsch eingeladen, um auf das gelungene Ergebnis anzustoßen. »Man erkennt, mit welchem Herzblut, Sachverstand und Hingabe dieses Projekt angegangen wurde«, sagte Wengorsch. »Es ist etwas entstanden, was uns in Hungen freut und stolz macht: ein Schmuckstück.«

Das Gebäude wurde in den 1850er Jahren errichtet. Damals zog die mittlerweile seit über 350 Jahren bestehende Hofapotheke aus der Obertorstraße hierher um. Über eine Außentreppe gelangte man in den Verkaufsraum im Erdgeschoss. Hier wurden Pillen nach Rezept des Arztes angefertigt, zudem lagerten hier und im Keller Zutaten und Tee. Im ersten Stock wohnte die Apothekersfamilie, im zweiten Stock hatten die Angestellten ihre Zimmer.

Wände aus Lehm

Ein Verkaufsraum mit einer Treppe – so etwas wäre heute nicht mehr zeitgemäß. Bereits in den 1970er Jahren zog daher der Verkaufsraum in einen ebenerdigen Anbau um. Die Jahre gingen an dem Gebäude nicht spurlos vorüber. Hierzu trug auch der bis zur Einweihung der Hungener Umgehungsstraße immer stärker werdende Verkehr auf der Kaiserstraße bei. Eine Schmutzschicht hatte sich über das Gebäude gelegt.

Als Frank Anhäuser in den 1990ern nach Hungen kam, gefiel ihm das Haus sofort. Seit 2000 ist er Inhaber der Hofapotheke und kaufte später auch das Gebäude-Ensemble. Seine Frau Nicole und er beschlossen, der Hofapotheke ihren alten Glanz zurückzugeben. Von Anfang an mit im Boot war Architekt Thomas Jungherr.

»Besonders an diesem Gebäude ist, dass es komplett aus Lehm gebaut ist«, erklärt Jungherr. Der Lehm wurde vor 170 Jahren in Formen gefüllt, trocknen gelassen und ungebrannt verbaut. Für das Raumklima ist er als Baumaterial ideal – doch er bringt auch Schwierigkeiten mit sich. So hatte die alte Fassade zahlreiche Risse bekommen. Damit den neuen Putz nicht das gleiche Schicksal ereilt, griffen der Architekt und Malermeister Hartmut Gall zu einem Trick: Quasi als Puffer zwischen Lehmwänden und dem neuen Putz bauten sie eine vier Zentimeter dicke Mineralwolldämmung ein, welche Verschiebungen in den Wänden abfängt.

Das Haus wurde mit einem historischen Putz neu verputzt. Dieser enthält einen Glimmeranteil, sodass das Gebäude bei tief stehender Sonne besonders glänzt. Auch an anderen Stellen brachten die Handwerker viel Liebe zum Detail mit, etwa bei den mit Naturschiefer eingedeckten Gauben auf dem Dach. Als besonderen Gag gibt es sogar einen Apotheker als Dachreiter auf dem Giebel.

Die Fenster wurden nach altem Vorbild – Frank Anhäuser hatte alte Fotografien des Gebäudes im Keller gefunden – von einer Spezialschreinerei aus Frohnhausen nachgebaut. Diese baute auch in Handarbeit die hölzernen Fensterläden und besserte die eicherne Haustür aus. Das steinerne Türportal stellte die Handwerker vor ein weiteres Problem: Die Stufen sollten ausgetauscht werden, der Türrahmen – das sogenannte Steingewende – ruhte aber auf diesen. Doch mit viel Einfallsreichtum und noch mehr handwerklichem Können wurde auch dieses Problem gelöst.

»Wenn was alt ist, muss es nicht rückständig sein«, sagt Frank Anhäuser. Darum wurde das gesamte Gebäude mit einem digitalen Netzwerk verkabelt. Auch in puncto Sicherheit machte man keine Abstriche – hinter den historischen Fenstern verbirgt sich jede Menge moderner Sicherheitstechnik und Metall. Schließlich wird das Erdgeschoss weiterhin als Lager- und Büroräume von der Apotheke genutzt.

»Wir hatten hier nur wenig Probleme, aber dafür sehr viel Freude, da wir viele qualifizierte Handwerker hatten, die das mit Liebe gemacht haben«, sagt Architekt Jungherr. Auch Frank Anhäuser ist voll des Lobs: »Das Ziel war, die alte Struktur zu erhalten. Am Ende des Tages sieht man nun, was sich 1850 ein Architekt gedacht hat.«

Schlagworte in diesem Artikel

  • Architektur
  • Bauarbeiten
  • Handwerker
  • Liebe
  • Verkaufsräume
  • Hungen
  • Patrick Dehnhardt
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 1 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.