27. September 2017, 09:12 Uhr

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27. September 2017, 09:12 Uhr
Die deutschen Basketball-Meister der Saison 1974/75 (v. l.): Roland Peters, Henner Weigand, Jörg Bernath, Klaus »Dschang« Jungnickel, Robert Minor, Dieter Strack, Hans Heß, Michael Breitbach. (Foto: privat)

Die titelträchtigen 60er

1964/1965: In seiner Debütsaison sicherte sich der MTV Gießen direkt die erste deutsche Meisterschaft. Der US-Amerikaner Ernie Butler katapultierte mit seinem Wurf eine Sekunde vor Spielende im Finale gegen Osnabrück zum 69:68-Erfolg den MTV auf Deutschlands Basketballthron und sich selbst zum Legendenstatus. Peter Nennstiel hieß der erste Meistertrainer an der Lahn.

1965/1966: Höhepunkt der Spielzeit war der Auftritt im Landesmeisterwettbewerb gegen Mailand, bei denen der US-amerikanische Olympiasieger Bill Bradley dem MTV die Grenzen aufzeigte. In der Liga drangen die Gießener erneut bis ins Finale vor, mussten sich dort aber dem USC Heidelberg mit 68:73 geschlagen geben. Tragisch war das Schicksal des US-Amerikaners Jack Williams, der überzeugende Auftritte im MTV-Dress zeigte, dann aber nach Vietnam berufen wurde und dort sein Leben ließ.

1966/1967: In der neu geschaffenen zweigeteilten Bundesliga holten sich die Männerturner um Klaus Jungnickel, Bernd Röder und den späteren Nowitzki-Mentor Holger Geschwindner ihre zweite deutsche Meisterschaft. Im Finale bezwang die Mannschaft von Neu-Trainer Laszlo Lakfalvi erneut das Team aus Osnabrück, diesmal mit 85:73.

1967/1968: Wieder sicherte sich die Lakfalvi-Truppe den Titel durch ein 79:69 gegen den Dauerrivalen VfL Osnabrück. In der stark verjüngten MTV-Mannschaft ragten einmal mehr Jungnickel und Geschwindner heraus, Ersterer stellte mit 44 Punkten gegen Heidelberg eine persönliche Bestmarke auf. Im Landesmeisterwettbewerb erreichte Gießen die zweite Runde und erlebte ein unvergessliches Abenteuer in der Freiluftarena von Tel Aviv.

1968/1969: Den Abgang von Jungnickel zum Rivalen nach Frankfurt verkraftete Gießen überraschend gut. Im DM-Finale unterlag man diesmal zwar den Osnabrückern, doch dafür holte man zum ersten Mal den Pokal an die Lahn. Auch in diesem Finale duellierte man sich mit Osnabrück und gewann mit 75:74. International stellte das Duell mit den Königlichen von Real Madrid einen Höhepunkt in der Vereinsgeschichte dar.

1969/1970: Jungnickel kehrte nach Gießen zurück, und ab dieser Spielzeit wurden die Heimspiele in der Sporthalle Ost ausgetragen. Im Finale um die Meisterschaft unterlagen die erstmals in einer Spielzeit ohne US-Amerikaner angetretenen Männerturner der Mannschaft aus Leverkusen mit 73:76.

Top-Spiele in den 70ern

1970/1971: Das Erfolgsduo aus Trainer Lakfalvi und Spielgestalter Geschwindner hatte Gießen in Richtung München verlassen. Dennoch spielte sich der MTV bis in die Endrunde, schaffte dort aber nur den zweiten Platz und erreichte somit zum ersten Mal seit 1965 nicht das Finale.

1971/1972: Gießen erreichte das Finale, schaffte es in Hin- und Rückspiel aber nicht, gegen Leverkusen die Oberhand zu behalten. Beim Finalheimspiel platzte die Osthalle mit 4000 Zuschauern aus allen Nähten. Tragisch war der Autounfall auf der Rückfahrt vom Spiel in Heidelberg, bei dem sich die Spieler Urmitzer (schwer), Hess und Lindenstruth verletzten.

1972/1973: In der Hauptrunde spielten die von Didi Kienast trainierten Männerturner die Konkurrenz an die Wand und gewannen alle 14 Spiele, unter anderem wurde Heidelberg die höchste Niederlage gegen eine deutsche Mannschaft beigebracht. Gegen Heidelberg bestritten die Gießener dann auch eines der spannendsten Endspiele der Geschichte. Nachdem das Hinspiel unentschieden endete, war auch im Rückspiel in der regulären Spielzeit kein Sieger gefunden, ehe der stark ersatzgeschwächte MTV mit 70:71 die Waffen strecken musste. Als Trostspender diente der zweite Pokalsieg, der durch ein 90:86 gegen Wolfenbüttel perfekt gemacht wurde.

1973/1974: Auch in dieser Spielzeit dominierte der MTV um Heß, Ampt, Jungnickel und den langen Schlaks Koski den Süden nach Belieben. Gegen den FC Bayern München gelang mit 122:32 der bis heute höchste Erfolg, die Mannschaft aus Augsburg entzog sich einer solchen Klatsche, indem sie durch absichtliche Fouls einen Spielabbruch erzwang. In der Endrunde war dann jedoch Hagen im Halbfinale die Endstation.

1974/1975: Jungnickel war vom Spielfeld auf die Trainerbank gewechselt und führte den MTV trotz einiger personeller Verluste zur vierten deutschen Meisterschaft. Eckpfeiler des Teams war der US-Amerikaner Dennis Curran, der pro Spiel 27 Punkte erzielte. Die junge Mannschaft sorgte für Begeisterung in der ganzen Stadt, denn dieser Erfolg kam vollkommen unerwartet und wurde im Finale gegen Heidelberg perfekt gemacht.

1975/1976: Zum ersten Mal wurde in einer eingleisigen Bundesliga (ohne Endrunde) gespielt, an deren Ende der MTV nach einem durchwachsenen Jahr den fünften Platz belegte. Vor allem der Ausfall von Heß schmerzte sehr. International scheiterte der MTV erneut an seinem Ziel, die zweite Runde zu überstehen.

1976/1977: In dieser Spielzeit wurde die Endrunde wieder eingeführt, an deren Ende stand der MTV auf Platz drei. Angeführt vom »Giganten aus Houston« Maurice Presley schnupperte die Jungnickel-Truppe immer mal wieder am Titel, schlussendlich reichte es aber nicht.

1977/1978: Unter der Regie des neuen Trainers Hannes Neumann holten die Männerturner ihre fünfte und bis heute letzte Meisterschaft nach Gießen. Bester Spieler in Reihen der Lahnstädter war mit Ted Hundley erneut ein US-Amerikaner. In der Endrundentabelle platzierte man sich mit 28:12 Punkten vor Heidelberg.

1978/1979: In dieser Spielzeit gelang mit dem Pokalsieg im Finale gegen Göttingen der bis heute letzte Titelgewinn der Gießener. Beflügelt durch die Rückkehr des äußerst beliebten Toni Koski aus Boston schwang sich die Meistermannschaft des Vorjahres auch in der Liga zu starken Leistungen auf und wurde am Ende mit dem Vizetitel belohnt.

1979/1980: Durch starke Verpflichtungen hatte Trainer Neumann laut eigener Aussage das beste Gießener Team der letzten acht Jahre zur Verfügung. Dennoch blieb dem hochtalentierten, ausgeglichenen und zum ersten Mal mit vier wirklichen Centern bestückten Kader ein Titel verwehrt. Im Pokal unterlag man im Finale Köln und in der Liga wurde man Dritter.

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