17. Juni 2011, 18:05 Uhr

Signifikanter Facharbeitermangel bereitet Betrieben Sorge

Wetzlar (wv) »Deutschland steht mit seiner dualen Ausbildung und dem Meisterbrief im europäischen Wettbewerb besonders gut da, doch wir verkaufen uns unter Wert.« Das erklärte der Europaabgeordnete Thomas Mann (CDU) den rund 40 Delegierten, die zur Vollversammlung der Handwerkskammer gekommen waren.
17. Juni 2011, 18:05 Uhr
Hauptgeschäftsführer Harald Brandes (li.) und Kammerpräsident Klaus Repp (re.) mit dem Abgeordneten Thomas Mann. (wv)

Bei seiner Begrüßung im Berufs- und Technologiezentrum (BTZ) Lahn-Dill betonte Kammerpräsident Klaus Repp, das Thema »Handwerk und Europa« stehe ganz oben auf der Tagesordnung, aber auch die aktuelle Ausbildungs- und Beschäftigungssituation werde zur Sprache kommen.

Mann, der seit 17 Jahren dem Europaparlament angehört und als Vizepräsident den Ausschuss »Beschäftigung und Soziales« leitet, stellte zunächst das kürzlich verabschiedete Maßnahmenpaket für Generationengerechtigkeit im Berufsleben vor. Danach soll bis 2020 europaweit die Erwerbstätigenquote von Arbeitnehmern über 50 auf mehr als 55 Prozent steigen. Entsprechend soll die Frühverrentung durch finanzielle Anreize abgebaut werden. »Im Blick auf den demografischen Wandel und dem Facharbeitermangel kann auch das Handwerk auf das Wissen und die Fähigkeiten der über 60-Jährigen nicht verzichten, wir müssen sie aber altersgerecht beschäftigen«, so der Europaabgeordnete.

Am anderen Ende der Altersskala stehen die jungen Menschen. Mit der »Europäi-schen Jugendgarantie« wolle man per Gesetz erreichen, dass alle Mitgliedstaaten jedem Jugendlichen nach maximal vier Monaten Arbeitslosigkeit einen Arbeitsplatz, eine Lehrstelle oder Ausbildungsmaßnahmen anbieten. Es könne nicht angehen, dass in Spanien über 40 Prozent der jungen Menschen ohne Arbeit seien. »Gute Arbeit muss anständig bezahlt werden«, so der Politiker, der sich aber gegen einen gesetzlichen verordneten Mindestlohn aussprach. Dies sei Sache der Tarifpartner. Rund 20 europäische Staaten haben einen allgemeinverbindlichen Mindestlohn. Dieser liege mit 1,40 Euro die Stunde in Litauen und 9,73 Euro in Luxemburg »meilenweit auseinander«.

»Das Handwerk muss in Brüssel besser vertreten sein. Wir haben starke Interessen. So benötigen wir dringend mehr Transparenz und Vergleichbarkeit im Bildungssektor«, sagte der Abgeordnete. Deutschland stehe mit der dualen Ausbildung und dem Meisterbrief im europäischen Wettbewerb gut da. Die nationalen Bildungsabschlüsse müssen vergleichbar werden, ohne sie zu vereinheitlichen, forderte Mann. »Wir brauchen in der EU eine neue Berufsanerkennungsrichtlinie. Denn es geht nicht an, dass andere mit einer Schmalspurausbildung in Deutschland tätig werden können.« Auch die Betriebsrente im Handwerk müsse eine individuelle und freiwillige Sache bleiben, ein Dank für langjährige Betriebstreue. Eine gesetzliche Regelung, wie sie die EU wolle, lehnte er ab. Sein Fazit: »Wir brauchen mehr Europa, aber die müssen sich nicht in alles einmischen und bürokratisch regeln wollen«.

Mit wirtschaftlicher Lage zufrieden

»Unsere 24 000 Mitgliedsbetriebe mit 120 000 Beschäftigten und über 10000 Auszubildenden in Ober-, West- und Mittelhessen waren zu 77 Prozent mit der wirtschaftlichen Lage zufrieden«, sagte Hauptgeschäftsführer Harald Brandes, als er den Delegierten den Geschäftsbericht 2010 vorstellte.. Sorge bereite den Betrieben der signifikante Facharbeitermangel. Hiervon sind besonders das Bauhandwerk und die Bereiche für den gewerblichen Bedarf betroffen.

Erfreulich dagegen sei die steigende Zahl der Auszubildenden, wie Geschäftsführer Martin Pott berichtete. »Am 31. Mai 2011 lag die Zahl der neu abgeschlossenen Lehrverträge um 14,5 Prozent über den Vorjahreswerten. Die aktuellen Zahlen belegen, dass die Betriebe ihre Ausbildungsanstrengungen verstärkt haben und früher als in den Vorjahren ihren Nachwuchs rekrutieren.«

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