11. März 2009, 17:54 Uhr

Mittermeier auf Mittelhessen-Safari

Wetzlar (chl). Der Komiker Michael Mittermeier stellte am Dienstagabend in der mit rund 4000 Besuchern ausverkauften Rittal-Arena sein neues Programm vor - »Safari«!
11. März 2009, 17:54 Uhr
Redselig, bissig und von seinen Fans geliebt: Michael Mittermeier. (Foto: chl)

Wetzlar (chl). »Herzlich willkommen im Reich der wilden Tiere«: Damit hat Komiker Michael Mittermeier aber nicht unbedingt den afrikanischen Busch und Dschungel gemeint, vor dessen angedeuteter Kulisse er die Bühne der ausverkauften Rittal-Arena betrat. Seinen rund 4000 Fans schilderte er am Dienstagabend im spöttisch-bösen und gleichfalls hoch amüsanten Pointenritt vielmehr seine Erlebnisse und Erfahrungen aus dem Großstadt-, Medien-, Politik- und zwischenmenschlichen Dschungel dieser Welt. Dass er in seinem aktuellen »Safari«-Programm zwischendurch doch auf die südafrikanische Wildnis, Unterwasser-Tauchgänge und Männerspielzeuge wie Survivalmesser zum Töten, Ausweiden und Dosenöffnen sowie Multifunktionswerkzeuge zu sprechen kam, nutzte er, um Parallelen und Bezüge zu Alltagssituationen herzustellen.

Von diesen Stellen aus kam der redselig plappernde Bayer von einem Extrem ins andere. Er beschrieb die Ausrüstungs-vernarrten Deutschen, welche die »Männer unter den Menschen« seien, den Tarzan-Moment der Männer, wenn sie Spinnen in der Wohnstube entfernen dürfen, oder von plärrenden Italienern, die den Löwenangriff auf den Safari-Jeep provozieren . . .

Doch bevor Mittermeier so richtig loslegte, färbte er seinen Auftritt wie schon bei seinem »Paranoid«-Gastspiel im Oktober 2005 mit ein wenig Lokalkolorit ein: Im besoffenen Zustand wäre es für die Einwohner der Stadt sicherlich schwer, sich als »Wetzlarer« oder »Wetzer« vorzustellen. Dafür bestätigte er augenzwinkernd, dass Wetzlar ganz bestimmt solch ein fast alle Einwohner fassendes Einkaufscenter brauche wie das »Forum«. Schließlich habe jetzt auch Gießen ein eigenes, »an dem sich die 18 Prozent Arbeitslosen der Nachbarstadt die Nase platt drücken« dürften. Nicht ernst gemeint war auch der Glückwunsch an die Hessen zur Wiederwahl Roland Kochs zum Ministerpräsidenten (»der ist wie ein Regenwurm«), wobei er schon die Barschel-ähnliche Schlagzeile »Ypsilanti tot in der Badewanne« provokant voraussagte. Den Lachsalven schickte er aber hinterher: »Und vorher hat jemand noch den kaputten Fön bei Roland Koch versteckt!« Über Fratzen zieht der Michl gern her, auch wenn die Angela-Merkel-Zoten fast schon abgedroschen sind und dennoch gut ankommen. Da kriegen denn auch etwa die Schrumpfkopfkannibalen-gebeutelte »Dschungelkönigin« Ingrid van Bergen, Bundespräsidentin-Kandidatin Gesine Schwan als »Amy Winehouse der Kukident-Fraktion« oder eine depperte Ossi-Marktleiterin ihr Fett weg.

Als Gesichtsakrobat immitierte Mittermeier seine persiflierten Personen vortrefflich, wenn es auch nach eigenem Eingeständnis mit der Dialekt-Immitation hapert.

Überhaupt scheint sich Mittermeier auf seiner Safari durch den Alltag von allerlei »Spakkos« und Vollidioten umgeben - am schlimmsten seien aber die »Bremser«. Die gebe es einerseits ganz klar auf der Autobahn, die mit »200 Stundenkilometer die linke Fahrspur blockieren«. Deshalb sprach er sich für ein »Auffahrrecht auf Autos mit Klorollen und Wackeldackel auf der Hutablage« und für einen Führerscheinentzug für Eltern mit einem »Kevin an Bord«-Aufkleber auf. Schließlich könnte man letzteren Spruch auch als Hilferuf eines genervten Vaters deuten (»Bitte auffahren, dann bin ich ihn los«). Als junger Vater einer einjährigen Tochter sieht sich Mittermeier nun im Stande, auch Witze über Familien und Erziehung zu machen. Wie gewohnt sitzen bei ihm die Pointen sicher: So liest man aus seinen Zeilen, dass die Super-Nanny wohl eher mal auf die Eltern der »Kinderzimmer-Osamas« abgestellt werden sollte. Deshalb ist Michl auch Fan der Casting-Show »Germany’s Next Topmodel«, die ein Spiegelbild der deutschen Gesellschaft sei: »Hartz-IV am Catwalk, man muss nix mehr können« und man werde trotzdem ein Star. Selbst die mit Uri Geller in Kontakt stehenden Außerirdischen meiden nach Ansicht Mittermeiers schon die Erde, »da mal wieder nur angebliche Vollidioten (und nie Professoren) sich als Opfer von Entführungen gemeldet haben.«

Um die Erde selbst steht es schlimm: Die Gefahren der Zukunft, so Mittermeier, lauten »Terror, Klima, China«. Die Chinesen würden mit ihrem emsigen »Schaffe, schaffe, Häusle baue«-Antrieb nicht nur Terror-Bombenangriffen den Stinkefinger zeigen, sondern müssten wohl auch von den Schwaben abstammen, so seine Mutmaßung. In Oberbayern fühlt sich Mittermeier aber sicher: München liege 500 Meter über dem Meeresspiegel, und wenn der steigt, bleibe man dort für längere Zeit verschont. Letzte Rettung sei dann das Schlauchboot »Allianz-Arena« als Arche Noah - nur die Schwaben dürften nicht mit.

Das Publikum war jedenfalls von den ständigen bissigen Attacken und der Geräuschkulisse Mittermeiers hingerissen und lache sich schlapp, selbst wenn das Witzpotenzial zwischen alten Hüten und unverbrauchtem Terrain pendelte. Zu Gute kam dem Bayer, dass er aus dem Stegreif heraus improvisieren kann, was er stets mit einer Zuschauer-Fragerunde am Ende seines Auftritts beweist. Jubel und Applaus waren dem Komiker für seinen Auftritt gewiss, doch eines gab Mittermeier in Bezug auf den Klimakatastrophe mit auf den Weg: »Lernt schwimmen!«

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