27. April 2015, 09:03 Uhr

Michael Mittermeier, scharfsinnig und angriffslustig

Wetzlar (nab). Es ist so eine Sache mit den »Blackouts«: Sie können gefährlich oder friedlich enden. Oder lustig. Und geschichtsträchtig. Geschichten, die hinter so manchem »Blackout« stecken, hat am Freitag Comedian Michael Mittermeier vor 2400 Zuschauern in der Rittal-Arena erzählt.
27. April 2015, 09:03 Uhr
In Ehren ergraut: Michael Mittermeier gibt sich in der Rittal-Arena bissig. (Foto: nab)

Mit sichtlich ergrautem Haar kam der 49-Jährige auf die Bühne, um in den folgenden zweieinhalb Stunden bissige Bemerkungen über Politik und Bundeswehr, Zombies, Schlagersänger und die Fußball-WM in Katar zu machen. Zunächst einmal bändelte der Mann aus Bayern mit der Griechin Natascha aus dem Publikum an und kommentierte – nicht ganz ernst gemeint – die aktuelle politische Lage mit einem Spruch, den er im Lateinunterricht gelernt habe: »Fürchte die Griechen, auch wenn sie Geschenke mitbringen.« Für die »Wetzlarer« – für den Oberbayern schwierig auszusprechen, weil er Zunge und Kiefer gleichzeitig runterklappen muss – hatte Mittermeier auch ein Kompliment: Das Hessische sei wie Vaseline, ein schöner Kiffer-Dialekt (wenn man die Worte wie Komiker Martin Schneider in die Länge ziehe).

Danach erzählte der Comedian von verschiedenen Blackouts. Es gibt Mental-Blackouts (hatten die Deutschen zwischen 1933 und 1945, so Mittermeier), Prüfungs-Blackouts, Alkohol-Blackouts und das Worst-Blackout, bei dem man nicht nur seinen Job und seine Freunde verloren hat, sondern auch von wildfremden Leuten in der U-Bahn angelacht wird, weil ein peinliches Video auf Youtube steht. Zur Fußball-WM in Katar stellte er die Frage, ob man in einem muslimischen Land überhaupt den Namen Schweinsteiger aussprechen darf, und er bezeichnete das Münchener Oktoberfest als staatlich-massenorganisierten Blackout und »Friedensfest mit Orks auf Red Bull«.

Wie kaum ein anderer Comedian versteht es Mittermeier, bissige Bemerkungen über Politik in sein Programm einzubeziehen. So lachte er über Bundeswehr-Gewehre, die nicht richtig schießen, und über eine Verteidigungsministerin, die mehr Kitas für Soldaten statt einer besseren Ausrüstung fordert: »Da hat er aber Angst gekriegt, der Taliban.« Angela Merkel habe dafür gesorgt, dass der weibliche Schoß nun auch als Raute bezeichnet werden kann, denn schließlich deute sie mit ihrer berühmten Handstellung an, wo sich dieser befindet. Von bärtigen Männern mit ihren Taliban-Gedächtnis-Säcken über den Pferdefleisch-Skandal ging es weiter zu einem Punkkonzert in den 1980er Jahren.

Doch nicht bei jedem Blackout muss etwas Schlimmes passieren. Das große Strom-Blackout in Manhattan hat der mehrfache Gewinner des Deutschen Comedypreises 2003 live miterlebt, als er ein halbes Jahr in New York lebte. Es sei friedlich gewesen und habe nur wenig Einbrüche gegeben. Falls aber doch was passiere und Zombies die Erde erobern, wünscht sich Mittermeier, dass der Maler Bob Ross das Schlussbild malt. Wenn nichts passiert, möchte Mittermeier einen Abgang machen wie der bayerische Papst: »Noch einmal vor 10 000 Menschen auftreten, dann von einem weißen Hubschrauber abgeholt werden, der dich direkt in ein Nonnenkloster bringt.«

Nach der Zugabe, bei der das Publikum Fragen an ihn stellen konnte, und man so unter anderem erfahren hat, dass sein Lieblingsfilm der erste Teil von »Stirb langsam« ist, machte Mittermeier Werbung für »Comedy sans Frontiers«. Er veranstaltet zusammen mit den Komikern Eddie Izzard (Großbritannien), Yacine Belhousse (Frankreich), Igor Meerson (Russland) und Francesco de Carlo (Italien) am 8. Mai zum Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges eine Show. »Wenn 70 Jahre danach alle zusammen lachen, dann hat sich was getan«, sagt Mittermeier. Humor öffne Herzen und den Geist und könne so eine Waffe sein gegen jegliche Form politischer Willkür und Unterdrückung.

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