18. Juni 2013, 09:58 Uhr

Gunter Demnig verlegt Stolpersteine in Waldgirmes

Lahnau (mo). Im Waldgirmes wurden am Freitag durch den Kölner Künstler Gunter Demnig fünf »Stolpersteine« verlegt, die daran erinnern sollen, dass dort jüdische Mitbürger gelebt haben, die Opfer des Nationalsozialismus wurden. Die Aktion geht zurück auf einen Antrag der Grünen im Gemeindeparlament im Jahr 2008, dem seinerzeit alle Fraktionen zustimmten.
18. Juni 2013, 09:58 Uhr
Der Künstler Gunter Demning beim Verlegen der Stolpersteine. (Foto: mo)

Danach wurden auch über die Heimatkundliche Arbeitsgemeinschaft Recherchen angestellt, wo Juden und andere Opfer der Nationalsozialisten dereinst lebten.

Erwin Schmidt hat über diese Zeit recherchiert. »Auf behördliche Anweisung setzten wir Sie davon in Kenntnis, das Sie sich ab Mittwoch, den 10. Juni 1942 zur Abwanderung in ihrer Wohnung bereit zu halten haben«. Dieses Schreiben, das nichts Gutes ahnen ließ, erhielten alle Waldgirmeser Juden. Ihr Vermögen wurde beschlagnahmt. Die Häuser mussten schon seit April 1942 mit einem weißen Stern gekennzeichnet sein. Den Juden selber wurde das Tragen des Sternes ab September 1941 zur Pflicht gemacht. Beim »Abwandern« wie das Abholen, das Herausreißen aus den Häusern, von Menschen, die dort lebten, zynisch genannt wurde, durfte nur ein kleiner Koffer, ein Rucksack, Verpflegung für drei Tage und der Ehering mitgenommen werden. Schon seit 1935, bis dahin waren die Juden noch gut ins Dorfleben integriert, wurde der Kontakt und der Handel mit Juden verboten. Viele pflegten weiter die Beziehungen, kauften auch noch heimlich im Textilhandel von Jenny Hirsch ein, aber unter dem Druck wandten sich fast alle Dorfbewohner von den Juden ab.

Zum Einsetzen der von Gunter Demning gestalteten 10 mal 10 Zentimeter großen Steine mit einer Messingplatte, in die der Name, der Jahrgang, das Deportationsdatum und Ort und Zeit der Ermordung durch die Nazis eingraviert sind, kam aus Frankfurt der Seelsorger des einzigen christlich-jüdischen Seniorenwohnheims. der »Henry und Emma Budge-Stiftung«, der Rabbiner Andy Steinmann, um zu erinnern, Gebete zu sprechen und Psalmen zu lesen.

Zu Beginn wurden in der Schulstraße 1 drei Stolpersteine gesetzt für Johanette Hirsch (geborene Stern, Jahrgang 1880, deportiert 1942 im Lager Sobibor im gleichen Jahr ermordet), für Gerda Lamm (geborene Hirsch, Jahrgang 1908, deportiert 1942 im Lager Sobibor ermordet) und für Edith Lamm (Jahrgang 1936, 1942 deportiert und im Lager Sobibor ermordet). Ein Stolperstein in der Pfarrstraße 4 erinnert an Rudolf Heinrich Schmidt. Er wurde 1940 in die Heilanstalt Herborn gebracht, 1942 nach Hadamar verlegt und dort ermordet. Am Kirchplatz 1 gilt ein Stein Heinrich Failing (Jahrgang 1910). Gedemütigt und entrechtet, suchte Failing 1936 die Flucht in den Tod.

Immer gaben sich am Freitag die Besucher die Hände, um die ehemaligen Mitbürger neu im Gedenken in ihre Gemeinschaft aufzunehmen. Der Erste Beigeordnete Dieter Schmidt, der Vorsitzende der Gemeindevertretung Manfred Jung und Heinz Rauber, er ist Geschäftsführer des genannten Seniorenwohnheimes in Frankfurt, sprachen kurze Grußworte. Dank galt den Hauseigentümern, die dem Anbringen der Stolpersteine zustimmten. Es wurde die Hoffnung ausgesprochen, dass es in Deutschland nie wieder ein solch menschenverachtendes System wie den Nationalsozialismus geben wird.

Für die Stolpersteine können mit 120 Euro pro Stein Patenschaften übernommen werden. Mit Heinz Rauber hat sich schon ein erster Pate gefunden. Auskunft gibt Alfred Sigl vom Ordnungsamt der Gemeinde unter Telefon 0 64 41/96 44-20.

Stolpersteine nun auch in Lollar und Ruttershausen

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