Packen Täter doch noch aus?

Lahnau/Limburg (sha). Ab Montag könnte es schneller gehen. Deutlich schneller. Das hofft zumindest Staatsanwalt Dr. Heiko Heppe. Denn: Möglicherweise werden im Prozess wegen versuchten Mordes an einer 70-jährigen Rentnerin aus Atzbach (wir berichteten) zwei der drei Angeklagten vor der Ersten Großen Strafkammer des Limburger Landgerichts eine Aussage machen.
15. April 2016, 18:23 Uhr

Im Gespräch mit der GAZ erläuterte Heppe am Freitag, warum die beiden jüngeren, bisher schweigenden Angeklagten – zwei 20 und 23 Jahre alte Männer aus Lettland – nun doch ein Geständnis ablegen könnten: Am Mittwoch hatte ein Polizeibeamter der Kammer von einem Geständnis des dritten Angeklagten berichtet. Noch vor Prozessbeginn hatte dieser russischstämmige Mann bei der Polizei eingeräumt, am 14. September vergangenen Jahres zusammen mit vier Komplizen von Oberhausen aus in den Lahnauer Ortsteil gefahren zu sein, um die Seniorin in ihrer Wohnung zu überfallen. Bei Gericht hatte der 41-Jährige diese Aussage zunächst nicht wiederholt, sagte der Staatsanwalt. Dennoch decke sich sein Geständnis mit Daten, die die Ermittler später bei der Auswertung der Handydaten feststellten: Die Männer hätten sich zur fraglichen Zeit mit ihren Mobiltelefonen in Funkzellen am Tatort eingebucht. Außerdem seien in der Wohnung der Atzbacherin DNA-Spuren des 41-Jährigen sowie eines noch flüchtigen 19-jährigen Letten festgestellt worden.

Die Seniorin habe vor Gericht eine »hohe Ähnlichkeit« zwischen dem 41-Jährigen und einem ihrer Peiniger bemerkt, sagte Heppe. Drei Täter hatten die Frau in ihrer Wohnung brutal misshandelt und sie – obwohl schwer verletzt – gefesselt und geknebelt liegen gelassen. Nur weil Angehörige der Atzbacherin tags darauf zufällig vorbeikamen, überlebte die 70-Jährige. Mittlerweile seien die körperlichen Verletzungen des Opfers folgenlos ausgeheilt, eine medizinisch psychologische Behandlung Ende vergangenen Jahres abgeschlossen worden, wie ein Sprecher des Limburger Landgerichts mitteilte.

Die Angeklagten seien Teil einer osteuropäischen Bande, die bisher im Ruhrgebiet wegen Betrügereien und Autodiebstählen aufgefallen sei, erläuterte der Staatsanwalt. Der Chef dieser Bande, ein 28-jähriger Lette, sitze in Duisburg in Untersuchungshaft. Was verschlug die Täter nach Mittelhessen? Wohl der Tipp eines Trickbetrügers, der Anfang des Jahres 2015 bei der Seniorin über 17 000 Euro aus einem Tresor stahl, sagte Heppe. Die Dame hatte damals ihren Tresorschlüssel verlegt und der als Schlüsseldienstmitarbeiter getarnte Trickbetrüger brach den Safe auf und stahl das Geld. Seitdem habe die Frau den Tresor aber nicht mehr genutzt, sodass die Täter im vergangenen September nur knapp 200 Euro Bargeld aus der Wohnung rauben konnten.

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