09. September 2016, 18:33 Uhr

Londorf auf dem Abstellgleis

Rabenau (pad). Hoffnungsschimmer oder der Anfang vom Ende? Nach einem Gutachten ist die Reaktivierung der Lumdatalbahn zwischen Rabenau und Gießen unwirtschaftlich. Da allein das letzte Stück zwischen Londorf und Allendorf fast die Hälfte der Kosten ausmacht, soll nun geklärt werden, ob es ohne Anschluss an die Rabenau besser aussieht. Dort fühlt man sich von der großen Politik abgehängt.
09. September 2016, 18:33 Uhr
(Foto: pv)

Es waren keine guten Nachrichten, die Landrätin Anita Schneider am Freitag den Vertretern des Lumdatalbahnvereins im Kreishaus überbrachte: Das neue Gutachten zur Reaktivierung, Bedingung für eine Landesförderung, kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Wiederbelebung der Strecke nicht lohnt. Pro und Kontra wurden darin gegeneinander abgewogen und in Zahlen gefasst. Bei einem Wert über 1,0 sei die Reaktivierung wirtschaftlich. Mit 0,2 wird dieser Wert deutlich verfehlt.

Auf der einen Seite stehen die Investitionskosten: 13,7 Millionen Euro. Diese sind im Vergleich zur Vorstudie um über zwei Millionen Euro gesunken, da an den Bahnübergängen weniger gemacht werden muss, sagte Schneider. Auch Betriebskosten fallen an, wobei sich die Strecke mit einem Zug bedienen ließe.

Auf der Habenseite stehen gesunkene Fahrzeiten der Nutzer. Diese könnten auch vom geplanten neuen Haltepunkt Gießen-Nord auf der Main-Weser-Bahn profitieren – eine Entscheidung, ob dieser im Bereich Sandfeld gebaut wird, soll 2017 fallen. »Dann haben wir eine S-Bahn-Qualität in Gießen«, sagte Schneider. Zudem könnten pro Jahr beim Linienbusverkehr 320 000 Kilometer, 12 000 Arbeitsstunden und fünf Fahrzeuge eingespart werden. Außerdem würde der Umstieg von Pendlern auf die Bahn den Straßenverkehr im Lumdatal entlasten.

Laut Gutachten würden 50 Personen aus der Rabenau mehr den Personennahverkehr nutzen – 320 Fahrgäste würden pro Tag in Londorf einsteigen. Für Staufenberg würde die Verbindung im Stundentakt 110, für Lollar sogar 520 zusätzliche Fahrgäste bringen. Nur: »Bei 0,2 brauchen wir darüber nicht zu reden«, sagte Schneider.

Also das Aus? Noch nicht. Der Kreis lässt nun noch einmal eine Berechnung für eine Reaktivierung ab Allendorf anfertigen. Denn allein für den Abschnitt von der Nikelsmarktstadt bis Londorf würden 6,6 Millionen Euro Investitionskosten anfallen – und das bei 320 Fahrgästen. Ohne Londorf hofft man, zu einem besseren Wert zu kommen. Ab 0,8 könnte man mit dem Land als Hauptkostenträger noch einmal verhandeln. Die Rabenau wäre also außen vor? »Ja, außer das Land Hessen sagt ›Uns ist das wichtig»«, sagte Schneider.

»Für uns wäre das ganz schlecht, wenn sie ohne uns kommt«, sagte Kurt Hillgärtner, Bürgermeister der Rabenau. Seine Gemeinde wolle sich aktiv gegen den demographischen Wandel stellen. »Du probierst mit aller Gewalt, etwas zu bewegen, aber du kriegst nur Nackenschläge.« Die Landesregierung und Minister Tarek Al-Wazir erklärten immer wieder, sie wollten reaktivieren. »Ist es dann nicht richtig, wenn man den ländlichen Raum weiter fördern will, das Geld zu investieren?«, kritisiert er. Hillgärtner fühlt sich allein gelassen. »Die in Wiesbaden und Berlin kümmern sich einen Dreck um den ländlichen Bereich.«

Michael Laux vom Verein Lumdatalbahn sieht im neuen Gutachten eine Chance. »Der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach«, sagte er.

Das Gutachten soll noch dieses Jahr vorliegen. Bis die endgültige Entscheidung über Aus oder Reaktivierung fällt, hat man zudem mit der Deutschen Bahn als Netzbetreiber ein »Stillhalteabkommen« vereinbart: Wenn der Güterverkehr bis Mainzlar ab Januar eingestellt ist, wird die Strecke zwar stillgelegt, aber nicht entwidmet. Die Infrastruktur wie Bahnübergänge und Weichen wird bis dahin nicht abgebaut. Übrigens: Sollte das neue Gutachten für eine Reaktivierung sprechen, würde es noch dauern, bis der erste Zug rollt. 2027 sei realistisch, sagte Schneider.

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