03. Oktober 2010, 22:26 Uhr

Wieder große Resonanz auf Pohlheimer Limeswanderung

Pohlheim (sch). Offiziell 380 Teilnehmer hatten sich Sonntagvormittag bei bestem Wetter zur fünften Pohlheimer Limeswanderung am Start vor dem Rathaus angemeldet, 50 weniger als ein Jahr zuvor. Doch unterwegs waren wesentlich deutlich mehr Wanderer zu verzeichnen, die die diversen Einstiege auf der elf Kilometer langen Rundstrecke nutzten.
03. Oktober 2010, 22:26 Uhr

Pohlheim (sch). Offiziell 380 Teilnehmer hatten sich Sonntagvormittag bei bestem Wetter zur fünften Pohlheimer Limeswanderung am Start vor dem Rathaus angemeldet, 50 weniger als ein Jahr zuvor. Doch unterwegs waren wesentlich deutlich mehr Wanderer zu verzeichnen, die die diversen Einstiege auf der elf Kilometer langen Rundstrecke nutzten. Insgesamt sehr zufrieden mit dem Konzept von »Kul.tour& Na.tour«, bei dem historische Aspekte und Interessen mit Naturerlebnissen vereint werden, zeigte sich Kay-Pieter Stehn-Nix (Limes-AG) am Nachmittag bei der Abschlussveranstaltung auf dem Brunnenplatz in Watzenborn-Steinberg. Auch viele auswärtige Besucher beteiligten sich.

Erste Station war eine Ausstellung zum Thema »Grenze - Heute«, bei dem Schüler aus den Jahrgängen 6, 7 und 9 der Adolf-Reichwein-Schule ihre Arbeiten zeigten. Danach ging es in die »Alte Kirche«, wo Studenten des Fachbereiches Altertumsforschung unter Leitung von Prof. Anja Klöckner (JLU Gießen) in Kurzreferaten neue archäologischer Arbeitsmethoden vorstellten. Ihre Themen: »Geschichte des Kleinkastells Holzheimer Unterwald« (von Niklas Schmelz), »Computergestützte Analysen zum Kleinkastell Holzheimer Unterwald« (Christina Hanzen), »Experimentalarchäologische Präsentation zur römischen Bewaffnung« (Leon Schmieder / Pascal Schubert), »Der Alltag des Kastells Arnsburg« (Matthias Gard), »Möglichkeiten der geophysikalischen Prospektion am Beispiel des Kastells Arnsburg« (Susann Richter / Hanna Martin), »Interpretationsmöglichkeiten von Luftbildarchäologie und Geomagnetik« (Thomas Wollmann).

Dorfalltag zur Zeit der Germanen

Auf der herrlichen Wanderstrecke durch Feld und Wald erreichte man auf der nächsten Station die auf germanischem Gebiet liegende »Heimatkanzel« mit wunderschönem Ausblick. Hier bot der Gesangverein »Eintracht« Watzenborn-Steinberg das römische Tonleitersingen an, wobei Günther Dickel mit viel Witz die Töne angab. Oben auf der Tonleiter angekommen, hatte der Wanderer laut zu schreien und seinen Schlachtruf »Vorwärts, vorwärts, vorwärts« (Fram, Fram men, Fram, Fram) zu verkünden.

Positiv auf die weitere Reise eingestimmt, ging es Richtung des rekonstruierten Limesturmes. An der Grillhütte gewährten zunächst aber »Freie Handwerker zu Fahlheim« (Mittelaltergruppe Pohlheim mit Steffen Bopf und Paul Schiener) in ihrem Zeltlager Einblicke ins Alltagsleben in alter Zeit. In dem kleinen Dorf war auch der Schmied (Stephan Pfeiffer) bei der Arbeit zu beobachten. Ulrike Dalla-Bona (Gießen) ließ derweil Runen angeln und erzählte, was sie bedeuten.

Zu den Keltenspielen gehörten Stammweitwurf und Heusackwerfen. Die Hegegemeinschaft Grüningen präsentierte neben lebenden Frettchen Präparate der heimischen Tierwelt, die das Bodendenkmal Weltkulturerbe Limes bevölkern. Bei einem Naturquiz war als 1. Preis »Mit dem Jäger auf den Ansitz« zu gewinnen - oder ein Sonntagsbraten.

Vor dem nachgebauten Limesturm informierte Manfred Blechschmidt, ehemals Kreisdenkmalpfleger und ausgewiesene Kenner des Limes, wie man sich das Zusammenleben der Kelten mit den Besatzungstruppen vorstellen kann.

Weiter ging es nach Grüningen. Hier hatte 1713 Graf Moritz zu Braunfels auf dem Wartberg (Grüninger Warte) eine Windmühle nach holländischen Vorbild errichtet, die bis 1794 betrieben und 1964/65 zum Aussichtsturm umgebaut wurde, der als »Hoinkdeppe« bekannt ist. Hier hatte der Heimatverein Grüningen die Station übernommen. Auf dem Turm mit herrlichem Weitblick informierte Werner Bender, während in der Grillhütte eine Ausstellung »Was römische Münzen erzählen können« des Historikers Dr. Jürgen Mirow (Norderstedt) lockte, die von den Vorsitzenden Karl Breuer und Reinhold Hahn sowie Schriftführerin Elvira Muth begleitet wurde.

Römischer Legionär grüßte

Auf fast allen Stationen war fürs leibliche Wohl gesorgt, so auch in der Grüninger Burg, in der das sechste Kartoffelfest des TV 08 Grüningen stattfand. Kartoffelpuffer mit Apfelmus, Pellkartoffeln mit Quark und hausgemachte Kartoffelsuppe fanden reichlichen Absatz - der Wanderer hatte Zeit, sich gemütlich in der schattigen Burg zu stärken und auszuruhen. So führte der Weg zum Pohlheimer Wald. Neben dem Pohlheim-Stein in der Nähe des Limes-Hofes grüßte dort eine lebensgroße Holzskulptur eines römischen Legionärs. Unweit davon fand sich eine Skulpturenausstellung des Künstlers Michael Hirz.

Der Förderverein »Römisches Forum Waldgirmes« beteiligte sich erstmals an der Wanderung mit einer Station: Am kleinen Parkplatz am Pohlheimer Wald ward viel Wissenswertes über Kelten und Germanen im Mittelgebirgsraum vermittelt, ferner wurde über die Grabungen in Waldgirmes berichtet. Hartmut Krämer zeigte Arbeiten für ein filigranes Kettenhemd, während Katja Böhle alte Haarflechtkunst zeigte (Foto).

Das Ensemble »ChorAct« der »Victoria« Garbenteich bot auf der Anlage der Kleintierzüchter Watzenborn-Steinberg Kaffee, Kuchen und Crepes an, während Clown »Ichmael« für viel Kurzeil bei den Kindern sorgte.

Von hier ging es zurück zum Brunnenplatz, auf dem das Abschlussfest stattfand. Unter Federführung des Ortsbeirats wurde dort Fladenbrot aus dem Backhaus Watzenborn-Steinberg serviert, der Landschaftspflegering Hausen bot Lamm vom Grill, die Limes-AG Kürbissuppe und Römerwürste. In einer Ausstellung informierten schließlich die »Limesfreunde Hungen« über den Stand des Informationszentrums »Hof Grass«.

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