27. Mai 2016, 10:23 Uhr

Viele Emotionen, wenig Informationen

Pohlheim (chh). Aus allen Himmelsrichtungen strömen die Menschen am Mittwochabend zur Pizzeria Giovanni. Im Veranstaltungssaal sind schnell alle Plätze belegt, zusätzliche Tische und Stühle werden angeschleppt. Als Olaf Bappert um 18 Uhr vor die Menge tritt, blickt er in 150 Gesichter. Die Garbenteicher sorgen sich, die geplante Entwicklung eines 35 Hektar großen Gewerbegebiets zwischen östlichen Ortsrand und Autobahn könne ihr dörfliches Idyll zerstören.
27. Mai 2016, 10:23 Uhr
Der Moment, an dem sich viele Garbenteicher für die Gründung einer Bürgerinitiative aussprechen. (Foto: chh)

Bappert, der zusammen mit seiner Ehefrau Heike und Mitstreiterin Jutta Schmitt zur Bürgerversammlung eingeladen hatte, machte keinen Hehl aus seinem Ärger. Mit heftigen Worten griff er die heimische Politik, vor allem Bürgermeister Udo Schöffmann an. Er sprach von »Vetternwirtschaft« und mangelhafter Kommunikation, sein Credo »heimlich, still und leise« wiederholte er mehrfach am Abend. Besonders für die Bewohner des Admonter Rings sei ein weiteres Gewerbegebiet nicht tragbar, zumal es schon zwei gebe und diese nicht mal »voll« seien. »Außerdem haben wir schon die Mega-Belastung ›FKK-World».« Er bemängelte auch, dass es keine Ausschreibung gegeben habe und nur mit einem Investor, dem Pohlheimer Jörg Fischer, gesprochen worden sei. Vor allem an der möglichen Ansiedlung eines Autohofes ließ er kein gutes Haar, sie hätte eine massive Verkehrsbelastung zur Folge. Das Argument Arbeitsplätze wollte er nicht gelten lassen. Bappert sprach von wenigen Servicekräften, die bei McDonalds oder Burger King am Herd stünden. Die mit dem Gewerbegebiet einhergehende Autobahnzufahrt auf Höhe der Alten Abdeckerei sei zudem völlig unnötig. »Ich bin den Weg abgegangen: Es sind nur 1592 Meter bis zur Ausfahrt Fernwald.«

Nicht nur Bappert, auch einige Besucher äußerten ihre Sorgen. Eine Frau gab zu bedenken, dass besonders an Autobahnzufahrten die Einbruchskrimininalität steige. Ein heimischer Landwirt betonte, auf der Fläche könne so viel Getreide angebaut werden, um ganz Garbenteich ein Jahr lang mit Brot zu versorgen. Bappert fügte an: »Wir reden hier von einem erheblichen Verlust von Natur und Naherholung. Das ist es nicht wert.«

Und die Kritik ging weiter. Bappert monierte, die Politiker würden die Anwohner im Dunkeln lassen. Das wollte CDU-Ortsvorsteher Hartmut Lutz so nicht stehen lassen. Er betonte, von »heimlich, still und leise« könne keine Rede sein, immerhin sei das Gelände schon vor 15 Jahren als Gewerbefläche ausgewiesen worden. »Abgesehen davon akzeptiere ich die Bedenken, sie müssen alle auf den Tisch. Erst dann können wir abwägen, was gut für Pohlheim ist.« Der Ortsvorsteher betonte, dass er für die Errichtung des Gewerbegebiets sei, er nannte aber auch gleich zwei Bedingungen. Zum einen müsse der Wanderweg am Hundeplatz erhalten bleiben, zum anderen die Umgehungsstraße nach Dorf-Güll in Richtung Autobahn verlegt werden. Auf die Frage, welche Vorteile das Gewerbegebiet bringe, verwies Lutz auf die öffentliche Bauausschusssitzung am Montag um 19.30 Uhr in der Sport- und Kulturhalle. Dort werde der Investor die Pläne erörtern.

Bereits einen Tag später wollen die Gegner eine Bürgerinitiative gründen, und zwar um 18 Uhr im Grünen Baum. Am Mittwoch sprach sich ein Großteil der Besucher dafür aus. Bappert merkte an, dass das »Mega-Projekt« schwer zu verhindern sei, man aber zumindest ein Mitbestimmungsrecht einfordern wolle. Am einfachsten sei es natürlich, wenn die Grundstücksbesitzer nicht an den Investor verkauften. Allerdings seien viele dazu bereit. »Kein Wunder, das ist wie ein Sechser im Lotto.« Sein Appell daher: »Melden Sie sich einfach bei uns. Dann kaufen wir.«

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