10. Juli 2012, 17:43 Uhr

Pohlheim: »Gladiatoren« und Fakten am Barbarenstein

Pohlheim (agl). Gladiatorenkämpfe, historische Fakten, Rüstungen und Geselligkeit erwarten die Besucher, die sich am Samstag, 14. Juli, zum Barbarenstein zwischen Watzenborn-Steinberg und Grüningen aufmachen.
10. Juli 2012, 17:43 Uhr
Mitglieder der Heimatvereinigung am Barbarenstein, der am 14. Juli 1912 gesetzt wurde.

Der Stein befindet sich neben dem Limesturm. Am Samstag genau vor 100 Jahren ließ der damalige Gießener Psychiatrie-Professor Robert Sommer den Barbarenstein setzen – auch wenn er ihm selbst noch einen anderen Namen gab. Aus Anlass dieses Jubiläums lädt die Hauptvereinigung der Heimatvereinigung Schiffenberg alle Interessierten um 16 Uhr zu einer Gedenkveranstaltung vor Ort ein. Sie werde auf jeden Fall stattfinden, bei schlechtem Wetter in Zelten, kündigte Vorsitzender Dr. Reinhard Kaufmann am Montag beim Pressetermin am Barbarenstein an. Eine Klamaukveranstaltung werde es nicht, doch trockene Materie braucht man auch nicht zu befürchten. Vielmehr sollen historische Fakten mit lebendiger Darstellung verknüpft werden – an der Grenze, die einst Römer- und »Barbaren«-Land voneinander trennte.

Kaufmann informierte am Montag im Beisein einiger Mitglieder der Heimatvereinigung, zu der die Ortsvereine Watzenborn-Steinberg, Hausen, Leihgestern und Kleinlinden gehören, über die historischen Hintergründe. Richard Sommer, von 1896 bis 1934 ordentlicher Professor für Psychiatrie an der Gießener Universitätsklinik, sei »kein Akademiker des Elfenbeinturms, sondern sehr volksnah« gewesen. Mit Professorenkollegen war er oft in der hiesigen Region auf Wanderschaft. Dabei kam er auch mit dem Limes in Berührung, sah das heutige Unesco-Weltkulturerbe durch landwirtschaftliche Nutzung gefährdet. Schließlich kaufte er ein 3000 Quadratmeter großes Gelände inklusive eines 250 Meter langen Abschnitts der einstigen römisch-germanischen Grenze. 1912 ließ er dort den »Denkstein«, wie er ihn nannte, setzen. Watzenborn-Steinberger benannten ihn in Barbarenstein um. »Memoriae Romanorum« ist auf der einen Seite des Steins zu lesen – »in Erinnerung an die Römer« also. Auf der anderen Seite steht, dass der Stein an der Grenze des Römischen Reiches von einem »Barbaren« errichtet worden sei – damit habe Sommer sich selbst gemeint, sagte Kaufmann.

Möglichst realitätsgetreue Kämpfe

Da die Bevölkerung reges Interesse am Stein zeigte, ließ Prof. Sommer auch die Heimatkanzel errichten, die zunächst den Namen »Deutsche Wacht« trug. Dort organisierte der Gelehrte sogenannte Volksbildungsvorträge und hielt auch selbst einen solchen. Kaufmann versah Sommer mit den Attributen Wanderfreudigkeit, Heimatliebe, Volksverbundenheit und Traditionspflege. All dies schlägt sich auch in der Tatsache nieder, dass Sommer das besagte Areal, auf dem seit 1912 der Barbarenstein und seit 1967 der Limesturm steht, in Form einer Stiftung an die Heimatvereinigung vermacht hat – mit der Verpflichtung verbunden, es zu erhalten. »Wir haben es bis jetzt geschafft«, konstatierte Kaufmann. Sommer zählte übrigens zu den Gründern der Heimatvereinigung.

Er starb 1937 und wurde auf neuen Friedhof in Gießen beigesetzt. Die Heimatvereinigung wird am Samstag in Gedenken an ihn und seine Verdienste ein Gebinde dort niederlegen.

Was die Veranstaltung am gleichen Tag am Barbarenstein betrifft, so wird das eigentliche Programm zwischen 16 und 18 Uhr geboten. Anja Klöckner, Archäologie-Professorin an der Justus-Liebig-Universität Gießen, wird kurz über Ernährung am Limes referieren. Die Heimatvereinigung enthüllt eine Gedenktafel, eine Sommereiche wird gepflanzt, zudem warten zwei Schau-Einlagen auf die Besucher: Bühnenfechtmeister Mathias Kunzler wird gemeinsam mit Thomas Wollmann – möglichst dicht an den historischen Techniken – die Gladiatorengattungen Murmillo und Hoplomachos – präsentieren. Außerdem wird die »Legio I Germanica« vom Römerforum Waldgirmes Rüstungen und historische Zusammenhänge erklären. Für Speisen und Getränke ist gesorgt. (Foto: agl)

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