04. Juli 2016, 12:03 Uhr

Mehr Verkehr in Garbenteich?

Pohlheim (chh). Der Ton wird sachlicher: Bei der Info-Veranstaltung der Bürgerinitiative Garbenteich, zu der am Dienstagabend knapp 150 Leute gekommen waren, hielten sich die Gegner des geplanten Gewerbegebiets Ost mit persönlicher Kritik zurück. Stattdessen konzentrierten sich die Mitglieder auf Inhalte.
04. Juli 2016, 12:03 Uhr
Knapp 150 Menschen sind zur Infoveranstaltung der BI gekommen.

Mit Prof. Petra Kolmer hat die BI zudem eine prominente Unterstützerin gewonnen. Die einstige Bürgermeisterkandidatin der CDU sprach sich im Gasthof »Zum Grünen Baum« ebenfalls gegen das Gewerbegebiet aus. Interessant: Petra Kolmer ist die Schwester von Thomas Kolmer von der Planungsgesellschaft Kolmer und Fischer. Und die will bekanntlich das Gewerbegebiet erschließen und vermarkten.

Petra Kolmer machte deutlich, warum dies ihrer Meinung nach nicht passieren sollte. Ihre größte Sorge: Die geplante Autobahnabfahrt könnte zusätzliche Kundschaft in die FKK-World spülen. »Dieses Gewerbe könnte expandieren – samt Menschenhandel und organisierter Kriminalität. Das wäre ein großer Imageschaden für die Stadt.« Nehme man dann noch das Licher Wiesnfest hinzu, drohe Pohlheim zum Anbieter des »größten Besäufnisses« und des »größten Bordells« der Region zu verkommen.

Zuvor war bereits BI-Vorsitzender Olaf Bappert vor die Menge getreten. »Anfangs hatte ich gedacht, wir haben keine große Chance. Heute glaube ich: Wir können das Gewerbegebiet verhindern.« Zudem habe Hessen Mobil ihm mitgeteilt, eine Autobahnauffahrt sei nicht genehmigungsfähig – es sei denn, Berlin sage etwas anderes. »Wir haben daher eine Anfrage an das Verkehrsministerium gestellt.« Auch mit den heimischen Politikern stehe man in Kontakt. »Sie sind gar nicht so schlimm, wie ich am Anfang gedacht habe. Man kann mit ihnen reden.«

Anschließend übergab Bappert das Mikrofon an seinen Stellvertreter Bernd Smarsly. »Täglich werden in Deutschland 74 Hektar Land für Siedlungen oder Straßen freigegeben«, monierte der Professor für Chemie. Wie es sich für einen Wissenschaftler gehört, präsentierte Smarsly jede Menge Quellenangaben und Untersuchungen, um seine Befürchtungen zu untermauern. So auch beim Thema Lärmentwicklung. »Wir haben jetzt schon eine starke Belastung, durch einen Autohof würde sie noch einmal drastisch zunehmen«, sagte er und listete mögliche Lärmquellen (Türen schließen, beschleunigte Anfahrt) mit den dazugehörigen Dezibelwerten auf.

Sorgen wegen Schadstoffbelastung

Die vielen Lastwagen könnten laut Smarsly aber noch eine andere Folge haben: einen drastischen Anstieg von Abgasen. Das BI-Mitglied betonte, in vielen Orten Deutschlands werde der zulässige Mittelwert der Schadstoffbelastungen überschritten. Er bezog sich unter anderem auf eine Untersuchung des Umweltbundesamtes, wonach im vergangenen Jahr an 60 Prozent der Messstationen der Höchstwert an Stickstoffoxiden überschritten worden sei. Hinzu käme, dass viele Fahrzeuge einen zu hohen Schadstoffausstoß hätten. Am schlimmsten sei die Belastung an Autobahnen. Smarslys Fazit: »Wir könnten in Garbenteich bald in einer Stickstoffdioxidwolke sitzen.«

Das befürchtet auch Dr. Rainer Pfaff. Der Pohlheimer Arzt warnte in erster Linie aber vor den indirekten Folgen eines Gewerbegebiets: »Unsere Augen können wir schließen, unsere Ohren aber nicht. Lärm bedeutet Stress, und der kann zu Bluthochdruck, Gefäßschäden und sogar zum Herzinfarkt führen.« Aber auch der »Raubbau an der Natur« und die »großflächige Umweltzerstörung« ärgere ihn. Daher müsse das Gewerbegebiet verhindert werden.

Dafür soll Dr. Axel Sollmann sorgen. Der von der BI engagierte Fachanwalt für Verwaltungsrecht machte aber klar, dass man keine Wunderdinge von ihm erwarten dürfe. Dennoch gebe es einige juristische Möglichkeiten, um aktiv zu werden. Am wichtigsten sei, bei den diversen Verfahren frühstmöglich Einwendungen vorzubringen. »Bei der Aufstellung des Flächennutzungsplans haben wir schon das ein oder andere Haar in der Suppe gefunden«, sagte Sollmann, ohne näher darauf einzugehen.

Unbekannt bleibt auch der Investor, der seine Pläne im vergangenen Jahr einer ausgewählten Runde von Politikern präsentiert hatte. Die Eingeweihten halten sich an das vereinbarte Stillschweigen – die Bürgerinitiative muss also weiterhin gegen einen unbekannten Gegner kämpfen. (Text/Foto: chh)

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