29. Juli 2016, 19:43 Uhr

Gewerbegebiet Garbenteich: Investor fordert Sachlichkeit

Pohlheim (chh). Das geplante Gewerbegebiet Garbenteich-Ost ist seit Wochen das Thema im Ort – und das wird es vermutlich auch noch eine ganze Weile bleiben. Investor Jörg Fischer kündigt aber an, bis Ende des Jahres der Öffentlichkeit Details nennen zu wollen. Auch über die BI spricht Fischer – und betont, sich nicht mehr alle Anfeindungen gefallen zu lassen.
29. Juli 2016, 19:43 Uhr
Jörg Fischer stößt mit seinen Plänen auf viel Kritik, zumindest bei der BI. (Foto: chh)

Jörg Fischer sitzt im Besprechungsraum seines Büros in Linden. Das geplante Gewerbegebiet in Garbenteich ist gute sieben Kilometer entfernt. Quasi aus den Augen, aber ganz sicher nicht aus dem Sinn. »Ich beobachte alles, was rund um das Gewerbegebiet passiert«, betont der Geschäftsmann. Somit ist ihm auch nicht entgangen, dass die Bürgerinitiative diese Woche ein Bauschild auf dem 35 Hektar großen Areal aufgestellt hat. »Hier entsteht das Naherholungsgebiet Klausenboden«, ist darauf zu lesen. Die BI will einen 300 Quadratmeter großen Teich anlegen, die Fläche hat der Grundstückseigentümer zur Verfügung gestellt. Verhindert ein kleines Biotop das große Gewerbegebiet? Fischer bleibt gelassen: »Wir lassen uns von unseren Zielen nicht abbringen«, sagt der Pohlheimer und äußert zugleich Zweifel, ob die Maßnahme der BI rechtens ist. Fischer hat daher eine Anwaltskanzlei eingeschaltet. Nicht nur wegen des Naherholungsgebiets: »Alles was jetzt und künftig passiert, wird rechtlich begleitet.«

Fischer reagiert damit auch auf die Vorwürfe, die Olaf Bappert unlängst im Zusammenhang mit dem Baugebiet »Gebrannter Triesch« vorgebracht hat. Dem BI-Vorsitzenden zufolge soll die Stadt dabei viel Geld verloren haben, während sich Fischer die Taschen vollgemacht habe. »Die BI hat da mit Zahlen hantiert, die einfach nicht stimmen. Das Baugebiet war eine Erfolgsgeschichte für alle Seiten«, kontert Fischer und äußert den Verdacht, mit den Behauptungen solle vor allem seine Person negativ dargestellt werden. »Das werden wir ebenfalls rechtlich prüfen lassen. Was in den letzten Wochen und Monaten über mich gesagt worden ist, übersteigt die Grenze des Erlaubten.« Das belaste nicht nur ihn, sondern auch seine Familie, betont Fischer. »Ich lebe und arbeite hier, mein ganzes soziales Umfeld ist hier. Es ist nicht schön, derart angegriffen zu werden. Daher werde ich alles, was der BI-Vorsitzende künftig kommuniziert, rechtlich prüfen lassen – und wenn es notwendig ist, dagegen vorgehen.«

Eine klare Warnung, gleichzeitig aber auch ein Aufruf zu mehr Sachlichkeit. Er könne nachvollziehen, dass die Anwohner nicht begeistert sind, dass ihnen ein Gewerbegebiet vor die Nase gesetzt werden soll, sagt Fischer. »Aber man sollte über das Thema diskutieren und nicht versuchen, das Projekt mit Polemik und Diffamierung verhindern zu wollen.« Wenn zu viel Porzellan zerschlagen werde, könne man später nur schwer an den Verhandlungstisch zurückkehren, mahnt der Investor. »Ich bin ein Mensch aus der Region, ich bin Pohlheimer. Ich bin bereit, über Dinge zu diskutieren. Bei einem Großinvestor aus Hamburg, München oder Berlin würde das ganz sicher kompromissloser über die Bühne gehen.«

Man merkt Fischer an, dass ihn die Kritik der vergangenen Wochen getroffen hat. Vielleicht auch, weil sich bis jetzt nur wenige Befürworter des geplanten Baugebiets zu Wort gemeldet haben – zumindest öffentlich. »Persönlich habe ich sehr viel Unterstützung erhalten, nicht nur aus der Wirtschaft. « Auch die Garbenteicher Bürger seien nicht geschlossen gegen das Gewerbegebiet, es gebe auch einige, die sich freuten und die Chancen sähen, sagt Fischer und dementiert zugleich die von der BI mehrfach geäußerte Sorge, es würden nur wenige Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor entstehen. »Wir sprechen hier von einem Investitionsvolumen von über 100 Millionen Euro. Das ist ein riesiges Konjunkturpaket für die ganze Region. Natürlich werden viele qualifizierte Arbeitsplätze entstehen.«

Wer die Gehaltschecks künftig unterschreibt, bleibt aber noch unklar. »Zum jetzigen Zeitpunkt kann und darf ich keinerlei Namen von ansiedlungswilligen Unternehmen nennen«, sagt Fischer. Grund sei das mit den Interessenten vereinbarte Stillschweigen. Außerdem gehe es um strategische Entscheidungen, die nicht nur Auswirkungen auf den deutschen, sondern auch den europäischen Markt haben könnten.

Mit einem Autohofbetreiber, so viel verrät Fischer, habe er nicht gesprochen. »Aber natürlich liegt bei einem Autobahnanschluss ein Autohof auf der Hand. Von circa 26 Hektar vermarktbarer Fläche würde ein Autohof jedoch nur einen Hektar einnehmen.« Wie viele Stellplätze benötigt würden, wisse er nicht, sagt Fischer. »Ich erschließe und vermarkte lediglich die Grundstücke. Alles, was mit Planungsdetails eines möglichen Autohofs zu tun hat, kann nur der Betreiber erläutern. Fest steht aber: Wenn ein Autohof kommt, wird er direkt an der Auffahrt angesiedelt und nicht an der Wohnbebauung.«

Was die Lkw-Fahrer mit Sicherheit begrüßen würden, wäre eine direkte Zufahrtmöglichkeit auf die A 45 in Richtung Dortmund. Auch Fischer spricht sich für solch eine Verbindung aus: »Ich kann sie aber nicht selber bauen, das muss der Bund machen. Das wäre wünschenswert, eine solche Tangente wäre für die Verkehrslenkung der gesamten Region sinnvoll. Und jetzt, da die Strecke zwischen dem Gießener Südkreuz und dem Gambacher Kreuz sechsspurig ausgebaut werden soll, wäre ein guter Zeitpunkt.«

Doch das liegt nicht in Fischers Hand – im Gegensatz zu den Planungen für Garbenteich-Ost. Der Geschäftsmann geht davon aus, dass in den nächsten vier bis acht Wochen ein Großteil der Grundstücksankäufe abgewickelt sein wird. »Unser Ziel ist es, dass der Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplans bis Jahresende steht. Dann können wir auch nach außen kommunizieren, was wir vorhaben.«

Bis dahin will sich Fischer mit Äußerungen zurückhalten – von der Bürgerinitiative ist das nicht zu erwarten. Doch auch wenn er mit vielen Wortmeldungen nicht einverstanden sein wird, eine gute Sache hat der Einsatz der BI für den Pohlheimer Investor: Erst durch die vielen Medienberichte seien einige Unternehmen auf das Gebiet aufmerksam geworden – und hätten sogleich ihr Interesse bekundet.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Anwaltsbüros
  • Arbeitsplätze
  • Bürgerinitiativen
  • Garbenteich
  • Geschäftsleute
  • Gewerbegebiete
  • Naherholungsgebiete
  • Niedriglohnbereich
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 2 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.