01. Juni 2016, 09:13 Uhr

Geplantes Gewerbegebiet: Garbenteicher Sorgen bleiben

Pohlheim (chh). In der Bauausschusssitzung am Montagabend in der Sport- und Kulturhalle in Garbenteich ging es um das geplante Gewerbegebiet Ost. Investor Jörg Fischer stellte seine Pläne vor. Rund 200 Menschen waren gekommen, um sich zu informieren.
01. Juni 2016, 09:13 Uhr
(Foto: Christoph Hoffmann)

Sollte noch jemand Zweifel an der Brisanz des Themas gehabt haben, sie dürften seit Montagabend ein für alle Mal ausgeräumt sein. 200 Besucher waren in die Sport- und Kulturhalle in Garbenteich gekommen, um mehr über das geplante Gewerbegebiet zwischen östlichem Ortsrand und Autobahn zu erfahren. Die Anwohner sorgen sich um die Idylle ihrer Heimat, ihre Gesundheit, Sicherheit und das Naturerlebnis ihrer Kinder. Investor Jörg Fischer sieht in der 36 Hektar großen Fläche in erster Linie ein gewinnbringendes Geschäft – und Bürgermeister Udo Schöffmann eine Möglichkeit, wichtige Einnahmen für die Stadt Pohlheim zu generieren. Es sollte ein emotionaler Abend werden.

Da die neue Stadtverordnetenvorsteherin Anja Sames-Postel verhindert war, eröffnete ihr Stellvertreter Peter Alexander die Bauausschusssitzung. Flugs waren die Wahlen abgehakt (siehe Meldung auf Seite 32), der Tagesordnungspunkt »Vorstellung der Planung Gewerbegebiet Garbenteich-Ost« konnte beginnen. Bürgermeister Schöffmann ergriff das Wort. »Die Fläche ist seit 15 Jahren im Flächennutzungsplan als Gewerbegebiet ausgewiesen. Ich kann die Entrüstung nicht verstehen. « Er wehrte sich auch gegen Aussagen, die bei der Bürgerversammlung am vergangenen Mittwoch gefallen waren. »Mir wurde vorgeworfen, klammheimlich gehandelt zu haben. Das ist nicht so. Natürlich wird die Öffentlichkeit beteiligt. Eine öffentliche Präsentation vor der eigentlichen Bauleitplan ist ganz sicher nicht normal. Nichtsdestotrotz ist das heute wichtig, damit keine weiteren Dinge hochkommen, die nicht der Wahrheit entsprechen.«

20 bis 25 Millionen Euro Kosten

Dann griff Fischer zum Mikrofon. »Wir befinden uns erst ganz am Anfang der Planung. Aber wir wollen das 36 Hektar große Gebiet als privater Investor entwickeln, auf eigene Kosten erschließen und die Gewerbeflächen vermarkten.« Auch die Autobahnzufahrt wolle seine Firma eigenhändig stemmen. Fischer kündigte an, bis zu den Sommerferien einen Großteil der Grundstücksverkäufe abschließen zu wollen. Er rechne mit einem Investitionsvolumen von 20 bis 25 Millionen Euro. Wegen der einzuhaltenen Abstände zur Autobahn sowie vorhandenen Strom- und Gasleitungen kämen aber nur 25 Hektar des Areals als Gewerbegebiet in Betracht. Die Umgehungsstraße nach Dorf-Güll wolle er in Richtung Autobahn verlegen und zusätzlich einen Lärmschutzwall errichten. Dadurch sollten vor allem die Bewohner des Admonter Rings entlastet werden.

Breiten Raum nahm die geplante Autobahnauffahrt ein. Nicht nur Ausschussmitglied Eckart Hafemann (Grüne), auch viele Bürger wollten wissen, warum nicht die Raststätte Limes zur Autobahnauffahrt ausgebaut werde. »Eine Auffahrt ist nur gegenüber des Unternehmens Frankenberger möglich. Andere Standorte hätten keine Chance auf Genehmigung. Das wurde uns in vielen Gesprächen klargemacht«, entgegnete Fischer. Hafemann stellte zudem die Frage, ob eine weitere Auffahrt überhaupt sinvoll sei, schließlich gebe es in Fernwald eine in unmittelbarer Nachbarschaft. Besonders für die Watzenborn-Steinberger Ludwigstraße würde eine weitere Auffahrt für zusätzliche Verkehrsprobleme sorgen. »Für Interessenten ist es ein bedeutsamer Punkt, wie weit es zur nächsten Autobahnauffahrt ist. Eine Fahrt zur etwa fünf Kilometer entfernten Auffahrt Fernwald könnte für viele unwirtschaftlich sein«, meinte der Investor. Bürgermeister Schöffmann erinnerte Hafemann zudem daran, dass sich SPD und Grüne in ihrem Koalitionsvertrag für eine Autobahnauffahrt ausgesprochen hatten. Eine Besucherin bemerkte derweil, dass es vom Gewerbegebiet aus keine Auffahrmöglichkeit auf die A 45 in Richtung Dortmund gebe, was für Logistikunternehmen nachteilig wäre. »Das ist ein Thema, das wir mit den Behörden ausarbeiten werden«, sagte Fischer.

Kein Stadion und …

Olaf Bappert, der gestern Abend mit seinen Mitstreitern eine Bürgerinitiative gegründet hat (siehe Bericht oben rechts), zweifelte an der Wirtschaftlichkeit des Vorhabens. »Ich bin selbst Kaufmann. Das würde einen Kaufpreis von über 90 Euro pro Quadratmeter Bauland machen. Da stimmt doch etwas nicht.« Fischer entgegnete, dass er durch die exponierte Lage Quadratmeterpreise von sogar bis zu 110 Euro erzielen könne. »Es gibt kaum noch Gewerbeflächen mit direktem Autobahnanschluss.« Auch der Aussage von Bappert, durch das Gewerbegebiet würden nur Arbeitsplätze im Servicebereich entstehen, widersprach Fischer. »Es handelt sich um qualifizierte Arbeitsplätze.« Welche Unternehmen dafür sorgen sollen, könne er zu diesem frühen Planungszeitpunkt aber noch nicht sagen. Ein Stadion werde er aber sicher nicht bauen, betonte der Geschäftsführer des frischgebackenen Fußball-Regionalligisten SC Teutonia Watzenborn-Steinberg.

Mit einem Stadion könnten die Anwohner vermutlich besser leben als mit einem Autohof. Wie schon am Mittwoch, so äußerten die Anwohner auch am Montagabend große Bedenken. Von Lärmbelästigung war die Rede, von steigender Einbruchskriminalität, permanenter Beleuchtung, Luftverschmutzung durch die vielen Lastwagen und vor allem vom Verlust von Naturflächen. Fischer betonte, dass ein Autohof noch keine ausgemachte Sache sei, es sich bei dieser Lage aber anbiete. »Man sollte sich daran aber nicht so festbeißen, ein Autohof würde gerade einmal einen Hektar ausmachen.« Abgesehen davon gebe es Möglichkeiten, Regeln im Bebauungsplan festzuhalten. Fischer sprach zum Beispiel von speziellen Leuchtsystemen, die mehr auf den Boden als in die Weite scheinen. »Das können wir alles im Planverfahren reglementieren. Wir müssen aber erst einmal dorthin kommen.«

Schöffmann fügte an, dass ein Gewerbegebiet – richtig konzipiert – auch ein aktiver Lärmschutz vor der Autobahn sein könne. Abgesehen davon gebe es in Pohlheim keine weiteren Flächen, die als Gewerbegebiet genehmigt würden. Das liege unter anderem daran, dass auf der Garbenteicher Fläche eine vergleichsweise schlechte Bodenqualität herrsche. Ohnehin machte sich der Rathauschef für das Gewerbegebiet stark. »Wir müssen Einnahmen generieren. Wir wollen etwas für die Kinder tun, eine gute Betreuung anbieten. Aber das muss auch finanziert werden.« Laut Schöffmann gibt es in Pohlheim außer Grund- und Gewerbesteuer keine großen Stellschrauben mehr. »Herr Bappert hat gesagt, wir sollten lieber die Grundsteuer anheben. Diesen Wunsch habe ich außer von ihm noch von keinem gehört.« Applaus brandete auf. Es sollte der einzige für die Befürworter bleiben.

… keine Enteignungen

Anders bei den Gegnern. Applaus und Bravorufe wechselten sich ab. Auch, als eine Frau wissen wollte, was mit den Grundstücksbesitzern passiere, die nicht verkaufen wollten. Fischer betonte, entgegen anderslautenden Gerüchten werde kein Druck ausgeübt. »Wer nicht verkauft, behält das Grundstück. Punkt.« Auch Schöffmann unterstrich, dass es in Pohlheim keine Enteignungen geben werde. »Es gibt drei Möglichkeiten: Entweder das Land wird an den Rand des Gewerbegebiets umgelegt, man spart es aus oder die Fläche wird ganz normal erschlossen, wobei der Eigentümer 90 Prozent der Erschließungskosten zu tragen hat.« Besonders der letzte Punkt sorgte für wenig Begeisterung bei den Besuchern.

Abschließend versuchte Fischer, die Wogen zu glätten: »Wir wollen einen Konsens finden, damit Sie als Bürger sagen können, damit können wir leben.« Bis dahin scheint es noch ein langer Weg zu sein. (chh)

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