20. Mai 2016, 18:23 Uhr

Bewegte Zeiten am Limes

Pohlheim – Nur Zyniker werden von tollen Tagen reden, die Garbenteich bevorstehen. Eher sind es bewegte und bewegende Zeiten, die man in dem mit rund 3100 Einwohnern zweitgrößten Pohlheimer Stadtteil erwarten darf.
20. Mai 2016, 18:23 Uhr
Planskizze für ein Gewerbegebiet »Pfahlgraben-Nord/Auf der Heide«, wie sie 1996 in einem Grünen-Wahlprospekt abgebildet war. (Foto: Roger Schmidt)

Einerseits freuen sich die Menschen dort auf den Schulterschluss zum 875. Geburtstag des Dorfes, der vom 10. bis 12. Juni mit Rock- und Pop-Konzerten, Gottesdienst und Frühschoppen gefeiert werden soll. Andererseits bewegt die Leute ein kommunalpolitisch wie infrastrukturell bedeutsames Thema, das vergleichsweise kurzfristig auf die Tagesordnung kam, obwohl es an sich schon vor Jahrzehnten im Gespräch war: Wie umgehen mit dem von der Stadt und einem privaten Investor ins Auge gefassten Gewerbegebietserschließung auf einem 35 Hektar großen Areal zwischen östlichem Ortsrand und Autobahn?

Fürsprecher halten sich bedeckt

Die von niemandem so geplante Dramaturgie sieht vor, dass erst über die Zukunft von Garbenteich geredet und womöglich gestritten wird, bevor man seine Vergangenheit feiert. Für kommenden Mittwoch, 25. Mai, haben Privatleute für 18 Uhr zu einer »Bürgerversammlung« in die Pizzeria da Giovanni eingeladen, bei der für 19 Uhr mit der Teilnahme von Bürgermeister Udo Schöffmann (CDU) gerechnet wird. Klares Ziel der Initiatoren: Sie wollen die Erschließung eines im rechtskräftigen Bebauungsplan der Stadt verankerten Gewerbegebietes »Pfahlgraben-Nord/Auf der Heide« verhindern.

Wenige Tage später, am Montag, 30. Mai, um 19.30 Uhr, ist das Vorhaben Thema in einer öffentlichen Sitzung des Bauausschusses der Stadtverordneten; laut Bürgermeister im kleinen Saal der Watzenborn-Steinberger Volkshalle, laut Bürgerinformationssystem der Stadt (www.pohlheim.de ) in der Sport- und Kulturhalle Garbenteich. Dort werde auch der Investor Stellung beziehen, heißt es, der Pohlheimer Jörg Fischer, Geschäftsführer der Gesellschaft für Handel und Immobilien (GHI) mit Sitz in Linden.

Der Projektentwickler, am Ort auch bekannt als fördernder Geschäftsführer der Teutonia-Fußballer, war und ist in diesen Wochen mit der Grundstückssicherung beschäftigt: Nur wenn die GHI das Gros der Fläche erwerben könne, lasse sich dieses überörtlich relevante Projekt realisieren, sagte Fischer im Gespräch mit dieser Zeitung. Dazu zählen dann nicht nur die generelle Erschließung (Wasser, Kanal etc.) und der Wegebau mit Verlagern der L 3131 nach Dorf-Güll vom Ort weg (zugunsten von Lärmschutz) und ins Gewerbegebiet hinein, sondern auch die Planung und der Bau einer Autobahn-Anschlussstelle. Es wäre, wie es heißt, die bundesweit erste privat finanzierte Auf- und Abfahrt. Sie soll allerdings – Stand jetzt – nicht an der Limes-Raststätte (A 5- Behelfszufahrt), sondern an der ehemaligen Abdeckerei platziert werden, an der Landesstraße nach Lich (Foto, ganz oben).

Letzteres einer von etlichen Aspekten, die – da auch für Lich ein weiterer A 5-Anschluss – die überörtliche Bedeutung belegen. Insofern macht es Beobachter im Moment stutzig, dass sich bislang kein heimischer Kreis- oder Regionalpolitiker geäußert hat, ebenso wenig ein Wirtschaftsverband. Immerhin ist die 35-Hektar-Fläche auch im Regionalplan Mittelhessen 2010 als »Vorranggebiet Industrie und Gewerbe / Planung« abgebildet.

Nur die Widersacher bezogen eindeutig Position, weil offensichtlich nicht dergestalt mit offenen Karten gespielt worden ist, wie man es in dieser Zeit des abnehmenden Vertrauens in öffentliches Handeln von einer transparent und bürgernah agierenden Politik erwarten darf. No. Schmidt

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