19. Oktober 2010, 20:02 Uhr

Salzböden: Würdigung Ludwig Bodenbenders

Lollar (js/pm). Posthum wird einem Salzbödener Politiker, der in seinem Geburtsort Bürgermeister war, von den Nationalsozialisten abgesetzt wurde und 1953 bis 1955 hessischer Staatsminister für Landwirtschaft und Forsten war, eine Ehre zuteil.
19. Oktober 2010, 20:02 Uhr

Lollar (js/pm). Posthum wird einem Salzbödener Politiker, der in seinem Geburtsort Bürgermeister war, von den Nationalsozialisten abgesetzt wurde und 1953 bis 1955 hessischer Staatsminister für Landwirtschaft und Forsten war, eine Ehre zuteil. Am Samstag (20. November) wird in Salzböden in der Nähe des Dorfgemeinschaftshauses der Ludwig-Bodenbender-Platz eingeweiht. Zur Vorgeschichte: Am 5. Februar 2010 hatte der SPD-Ortsverein Lollar beantragt, den Dorfplatz in dem Lollarer Stadtteil in »Ludwig-Bodenbender-Platz« umzubenennen.

Der Ortsbeirat Salzböden befürwortete am 24. Februar den Antrag, dem der Magistrat am 26. Juli zustimmte. Der Magistrat beschloss, wie Bürgermeister Dr. Bernd Wieczorek mitteilt, einen Findling mit der Aufschrift des bekannten Politikers in Salzböden aufzustellen. Die Bevölkerung ist am 20. November um 11 Uhr zur Einweihung herzlich eingeladen.

Dem Buch »Lollar beiderseits der Lahn« ist der Lebenslauf Bodenbenders (1891-1962) zu entnehmen. Er wurde in Salzböden als Sohn eines Landwirts geboren und nahm nach der Volksschulzeit eine Stelle als Metallarbeiter in Gießen an.

Als 18-Jähriger gehörte er 1909 zu den Gründern des SPD-Ortsvereins Salzböden. Nachdem seine gewerkschaftliche Tätigkeit ihn 1912 den Arbeitsplatz gekostet hatte, wurde er Bergmann auf der Grube Fernie bei Gießen und blieb es mit Unterbrechung durch den Militärdienst im Ersten Weltkrieg bis 1922. In diesem Jahr wurde er Gewerkschaftssekretär des Bergarbeiterverbandes.

Zwei Jahre später wählte ihn der Salzbödener Gemeinderat - als ersten Sozialdemokraten - zum Vorsteher (Bürgermeister). 1924 zog er auch in den Wetzlarer Kreistag ein und kam bald darauf in den Kreisausschuss. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde er als Gemeindevorsteher abgesetzt. 1934 hielt man ihn vier Wochen lang in Wetzlar in Haft. Danach arbeitete er in der elterlichen Landwirtschaft und von 1940 bis 1945 bei einer Krofdorfer Firma.

Im Juni 1945 wurde er erneut Bürgermeister von Salzböden. Als Mitglied der verfassungsgebenden Landesversammlung war er maßgeblich an der Entfaltung demokratischen Lebens in Hessen beteiligt.

Zwölf Jahre lang, von 1946 bis 1958, gehörte er als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Wetzlar-Nord dem Hessischen Landtag an. 1948 und 1949 entsandte ihn der Landtag in den parlamentarischen Rat, der in Bonn das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland erarbeitete.

1949 bis 1953 und 1955 bis 1958 war er Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion, von 1953 bis 1955 hessischer Staatsminister für Landwirtschaft und Forsten. Heute noch sind die Entscheidungen, die er in jenen Jahren traf, spürbar. Neben verschiedenen gesetzlichen Neuordnungen war es vor allem das 1950/51 entwickelte hessische Bürgerhausprogramm, dass die Handschrift Ludwig Bodenbenders trägt und dem letztlich auch die Bürgerhäuser in den vier Lollarer Stadtteilen ihr Entstehen verdanken. Bislang förderte das Land Hessen durch dieses Programm über 2000 Bürger- und Dorfgemeinschaftshäuser. An Bodenbenders 65. Geburtstag (1956) erhielt er das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern, die zweithöchste Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland.

1958 schied er aus der aktiven Politik aus, und schon vier Jahre später verstarb er im Alter von 70 Jahren in seinem Heimatort Salzböden, in dem sein vielfältiges Wirken für seine Mitmenschen im Rahmen der Einweihung des Platzes am 20. November öffentlich gewürdigt wird.

Das Foto ist dem Buch »Lollar beiderseits der Lahn« entnommen.

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