08. August 2013, 18:18 Uhr

Mehrfamilienhäuser in Lollars Zentrum geplant

Lollar (khn). Die Gaststätte »Zum Löwen« an der Gießener Straße in Lollar hat schon mal bessere Zeiten erlebt. Der Putz bröckelt, eine eindeutige Fassadenfarbe ist schon lange nicht mehr auszumachen. Nun hat sich ein Investor gemeldet und will auf dem Areal in der zweiten Reihe bis zu fünf Mehrfamilienhäuser bauen.
08. August 2013, 18:18 Uhr
Auf dem Areal der ehemaligen Gaststätte »Zum Löwen« – vor allem in zweiter Reihe – sollen Mehrfamilienhäuser entstehen. (Foto: khn)

Für die Stadt sei das »ein Glücksfall«, sagt Bürgermeister Dr. Bernd Wieczorek im Gespräch mit dieser Zeitung. Doch Anwohner haben in der jüngsten Ortsbeiratssitzung Bedenken geäußert.

Die Gaststätte »Zum Löwen« mit angrenzendem Areal umfasst knapp 3500 Quadratmeter. »Es ist die zentrale Lage, die wir in Lollar haben«, sagt Bürgermeister Wieczorek. Ein Investor aus Langgöns, der auch schon in der Gießener Schützenstraße gebaut hat, zeigte Interesse und kaufte das Grundstück. Kurz vor Dezember dann, sagt der Lollarer Behördenchef, hätten die Käufer der Stadt ihre Idee vorgestellt, fünf Mehrfamilienhäuser in zweiter Reihe zu bauen und ein bestehendes Gebäude zu sanieren. Wieczorek zeigt die Entwürfe der Gebäude, sie sind modern, mit klarer Linienführung. »Das sind hochwertige Immobilien«, sagt er. Die Mehrfamilienhäuser sollen vor allem die Jungen anlocken.

Holger Datz ist der Planer des Projekts und kennt Zahlen und Fakten. Das gesamte Gebiet umfasst bis zu 6500 Quadratmeter und könnte Platz bieten für bis zu 35 Familien und maximal 20 Appartements. Es gibt eine Kooperation mit Bosch: Ein Blockheizkraftwerk soll die Gebäude versorgen; aber auch die direkten Anwohner können sich an das Netz anschließen. Der »Löwe« steht unter Denkmalschutz; dessen ursprünglicher Zustand soll wiederhergestellt werden. Das vorläufige Investitionsvolumen beläuft sich auf zehn bis zwölf Millionen Euro. Losgehen könnten die Arbeiten sofort, sagt Datz; freilich wartet der Investor noch auf das Okay des Stadtparlaments. Deshalb ist momentan von einem Baubeginn noch Ende diesen Jahres, spätestens im kommenden Frühjahr die Rede. Fertig sein sollen die Wohneinheiten im Frühjahr 2016.

Das Problem: Anwohner äußerten in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates Bedenken. Fehlende Informationen, entschieden werde über die Köpfe der Betroffenen hinweg, hieß es. Wie sieht es mit dem Verkehrsaufkommen aus? Außerdem gibt es die Sorge, die Bauarbeiten könnten bestehende Gebäude und Mauern beschädigen. Bürgermeister Wieczorek zeigt Verständnis für die Ängste der Anwohner. Vom Projekt überzeugt ist er dennoch: »Das Gebiet gewinnt an Wert«, sagt er, »die angrenzenden Grundstücke profitieren davon.« Denn heute stünden in zweiter Reihe vor allem Hallen und Scheunen, die seit Jahrzehnten nicht saniert worden seien. Um Bedenken und Ängste auszuräumen, veranstalten Stadt und Investor am Freitag, 9. August, eine Anwohnerversammlung.

Für die Stadt ist das – neudeutsch gesagt – eine Win-Win-Situation. Sie hat zwar die Bauleitplanung, aber das finanzielle Risiko trägt allein der Investor. Dieser plant, erst zwei Mehrparteienhäuser für jeweils sechs Familien zu bauen und dann nach und nach weitere Gebäude zu errichten. Das Interesse, sagt Bürgermeister Wieczorek, sei schon jetzt groß: »Es läuft sehr gut an.« Apropos anlaufen: Erste Arbeiten haben auf dem Gelände begonnen. Wird das Parlament in der Oktober-Sitzung darüber entscheiden, ob Baurecht erteilt wird, sind momentan Bagger im Einsatz. Wie Datz sagt, seien bisher zwei Holzhallen und eine alte Kegelbahn abgerissen worden. Auch die Anbauten zum »Löwen« sollen weg.

Vonseiten der Politik ist immer wieder zu hören, es müsse etwas gegen den Leerstand in der Innenstadt getan werden. Wieczorek sagt, im gewerblichen Bereich und auch bei den Wohnungen gebe es davon wenig. »Es ist eher so, dass wir einen Zuzug aus den Umlandgemeinden feststellen.« Der Bürgermeister erinnert sich an Gespräche mit zwei Familien, die in der Innenstadt bauen wollten – wegen Platzmangel hätte er ihrem Wunsch nicht entsprechen können.

Auch deshalb sagt Wieczorek im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung, dass der Fokus nicht nur auf die Innenstadtentwicklung gelegt werden dürfe. Neubaugebiete wie jenes in der Lumdaniederung seien wichtig, um der rückläufigen Einwohnerzahlen entgegenzuwirken. Denn für eine Kommune bedeuten mehr Einwohner auch mehr Geld – dank Schlüsselzuweisungen. »Wir sehen dieser Entwicklung nicht tatenlos zu«, sagt der Bürgermeister. Er ist sicher: Mit dem neuen Baugebiet und den Mehrfamilienhäusern in der Innenstadt könne der Trend gestoppt, sogar umgekehrt werden.

Das Schaffen von Wohnraum ist nur eine der derzeitigen Baustellen in Lollar. Ein Innenstadt-Supermarkt eröffnet Ende September, es wird eine Park-and-Ride-Anlage geben, und der Bahnhof wird barrierefrei umgebaut. Der Kreiselbau am Ortseingang steht bevor; ein weiterer Kreisverkehr soll an der Ecke Gießener Straße/Kirschgarten/Holzmühler Weg eine Gefahrenstelle in der Innenstadt beseitigen.

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