27. Februar 2012, 18:08 Uhr

Gemeinde beklagt Schändung ihres Gotteshauses

Lollar/Gießen (pm/no). Die unsäglichen Schmierereien in einem Teil der Nord-Kreisgemeinden nehmen kein Ende: Nachdem zuletzt auf Friedhöfen NS-Symbole auf Grabsteine gemalt worden waren, haben bislang unbekannte Täter in der Nacht zum Sonntag das ezidische Gotteshaus in der Justus-Kilian Straße verunstaltet.
27. Februar 2012, 18:08 Uhr

Der oder die Täter sprühten verbotene Symbole auf die Fassade, verursachten Sachschaden von einigen hundert Euro. Die Kripo ermittele »in alle Richtungen«, sagte Polizei-Pressesprecher Thorsten Mohr am Montag in Gießen. Die Bevölkerung bitte man um Mithilfe: Wer hat in der Nacht von Samstag auf Sonntag am Kulturzentrum verdächtige Personen oder Fahrzeuge bemerkt? Wer hat Personen mit Spraydosen gesehen? Wer kann sonst sachdienliche Hinweise machen? Hinweise erbeten unter 06 41/70 06-25 55.

Am Vormittag bereits war Irfan Ortac der Schändung wegen an die Öffentlichkeit gegangen, der Vorsitzende der Ezidischen Gemeinde Hessen. »Wir sind zutiefst bestürzt über diesen Vorfall und halten die Beschädigung (…) für eine Tat, die uns als Gemeinde demoralisieren soll.« Das führe aber »nicht zu einer Lähmung unserer Arbeit, sondern bekräftigt uns vielmehr in dem was wir tun.« Seit ihrer Gründung setze sich die Gemeinde tatkräftig für Toleranz und Völkerverständigung in Stadt und Landkreis ein, trage so zu einen friedvollen Zusammenleben verschiedener Kulturen und Religionen bei.

 

Politiker bekunden ihre Solidarität

 

Am Nachmittag folgten Solidaritätsadressen heimischer Politiker. Der SPD-Landtagsabgeordnete Gerhard Merz aus Gießen unterstrich die seit vielen Jahren engen freundschaftlichen Beziehungen der Sozialdemokraten zu der Gemeinde. »Noch vor kurzem trafen wir unsere ezidischen Freunde gemeinsam mit den Vertretern der syrisch-orthodoxen Gemeinden in der Region.« Der Vorfall sei umso schändlicher, als er im unmittelbaren Umfeld der großen Solidaritäts-Veranstaltung mit den Opfern des Nazi-Terrors stattgefunden habe, zu der sich in der vergangenen Woche auch im Gießen zahllose Menschen versammelt hätten.

Angesichts der Schändung des ezidischen Gemeindehauses sprach sprach der CDU-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Dr. Helge Braun der Gemeinde tiefes Bedauern aus. »Dieser Vorgang in unserem Landkreis erschüttert mich sehr.« Auch Christen würden an vielen Stellen auf der Welt verfolgt und die CDU kämpfe weltweit gegen religiöse Verfolgung. Deutschland sei stolz auf die Religionsfreiheit und müsse mit gutem Beispiel vorangehen. Durch solche Taten Religionsgemeinschaften herabzuwürdigen, zu demütigen oder zu bedrohen, sei inakzeptabel. »Die CDU hat seit länger Zeit gute Verbindungen zur ezidischen Gemeinde. Wir fühlen mit ihr und stellen uns gegen diejenigen, die solche Taten verüben.« Der Erfolg und der Wohlstand Deutschlands liege auch in den guten Beziehungen zu anderen Ländern, Religionen und Kulturen begründet. Auch von daher seien die rechtsradikalen und fremdenfeindlichen Argumentationsmuster falsch. »Die Menschen in Deutschland profitierten von Internationalität. Deshalb seien eine Willkommenskultur und Integrationsangebote sowie die Achtung aller Religionen eine Bürgerpflicht, sagte Braun abschließend.

Für Hinweise auf die Urheber der rassistischen Schmierereien waren in der vorvergangenen Woche insgesamt 3000 Euro Belohnung ausgesetzt worden sind.

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