24. Januar 2011, 19:45 Uhr

Ausstellung: Rilkes Refugium Friedelhausen im Blickpunkt

Die Ausstellung »Art & Antique« in Wiesbaden hat das Schloss Friedelhausen über der Lahn als Sonderthema. Doch das Kleinod im Kreis Gießen ist in einem desolaten Zustand. und hat Hilfe dringend nötig. Deshalb hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz zu Spenden für Rilkes Refugium aufgerufen.
24. Januar 2011, 19:45 Uhr
Im Fokus der Deutschen Stiftung Denkmalschutz: Schloss Friedelhausen.

Lollar (pm/no). Bei Sonne scheint das graue Schloss mit seinen Verzierungen und dem blau-gelben Turmfähnchen übermütig mit dem Licht zu kokettieren. Doch wenn sie sich hinter den Wolken versteckt, wirkt der Bau plötzlich düster, als ziehe er sich schmollend zurück. »Dann hat er etwas von einem Bahnhofsgebäude - fehlt eigentlich nur noch die Uhr über dem Eingang«, schmunzelt der Hausherr Christoph Graf von Schwerin über das eigenwillige Schloss seiner Jugend.

Von einem Gerüst gehalten, stemmt der Bau seinen dunkelgrauen Basaltstein fest in die Uferböschung der Lahn. Der 64-jährige Förster versucht mit viel Enthusiasmus, sein desolates Baudenkmal, das über die Grenzen des hessischen Landkreises Gießen hinaus kaum bekannt ist, zu restaurieren. Diesen Elan braucht er, denn Schloss Friedelhausen hat gebündelte Hilfe dringend nötig: Das Unheil kam für den Bau aus dem 19. Jahrhundert von oben, seitdem die schadhafte Dachfläche über Jahrzehnte unbemerkt Feuchtigkeit eindringen ließ, die sich zum ersten Obergeschoss ausgebreitet hat. Fäulnis und Hausschwamm setzen dem Denkmal heimtückisch zu, was seinem Eigentümer große Sorgen bereitet.

Ausführlich widmete sich »monumente-online«, das Portal der Deutschen Stiftung Denkmalschutz vor einigen Monaten dem Kleinod im Kreis Gießen. Der Beitrag von Christiane Rossner rückt dieser Tage wieder in den Blickpunkt - zur 28. Auflage der »Art & Antique« in Wiesbaden am 27. und 28. Januar. Wenn gut 70 Aussteller aus dem In- und Ausland Kunst und Antiquitäten aus allen bedeutenden Epochen anpreisen, steht Friedelhausen ganz oben beim informativen Rahmenprogramm. Bei »Schatzkammer Hessen« ist der Aufruf zu vernehmen, »Rilkes Refugium« müsse gerettet werden. Ein Hinweis gilt der Spendenaktion mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz: Standsicherheit des Altans, Austausch der verrosteten Eisenanker am Zinnenkranz, Sanierung des Mauerwerks und das Aufarbeiten der Fenster gelten als vordringliche Maßnahmen.

In Wiesbaden widmet sich der Gießener Kunsthistoriker Dr. Andreas Ay dem Friedelhausen-Komplex von der lieblichsten Seite - jener, die mit Rainer Maria Rilke in Zusammenhang steht, der erstmals 1905 gemeinsam mit seiner Frau Clara dort war.

Âls Ort des Erinnerns geplant - und dem
Prozess künstlerischen Schaffens dienend

»Wie seltsam schön ist es, hierher zu kommen« - Unter diesem behutsam gewählten Titel wird Ay im Eröffnungsvotrag am Donnerstag um 14 Uhr »Formen der Erinnerung« beschreiben. Ein phantasiebegabter Betrachter möge sich beim ersten Anblick der von Bäumen halbverdeckten Gartenfassade von Friedelhausen über der Lahn verblüfft dieAugen reiben und sich in Twickenham wähnen am »little gothic castle« Strawberry Hill an der Themse aus dem 18. Jahrhundert. Aus diesem Blickwinkel steig Ay ins Thema ein, erinnert an einer der Kirchenbaukunst nachempfundene Mode namens »Neugotik« und an den Auftrag des Freiherrn Albert von Nordeck zur Rabenau (1817-1892), des Land- und Reichstagsabgeordneten, das Gut Friedelhausen um einen angemessenen Landsitz für seine aus England stammende Ehefrau Clara zu erweitern. An diesen »Ort wachgehaltener Erinnerung« hatte dann die Tochter des Erbauers, Gräfin Luise von Schwerin (1849-1906), den Dichter eingeladen. In Zeiten großer existentieller und innerer Not sei Friedelhausen mit seinen geistvoll-gebildeten Menschen, der großen Bibliothek und der wohligen Atmosphäre buchstäblich zum Refugium geworden, zur Schutzanlage. Der erste Aufenthalt, mit Frau Clara Westhoff-Rilke, dauerte 42 Tage, vom 28. Juli bis zum 9. September 1905. Noch im selben Jahr nahm der Dichter auf der Reise von Prag nach Paris ins Atelier des Bildhauers Auguste Rodin den Weg über Friedelhausen (29./30. Oktober). Schließlich reiste Rilke mit Frau und Tochter Ruth im Herbst 1906 das letzte Mal an die Lahn.

Als Ort der Erinnerung für die Ehefrau des Erbauers geplant, sei Friedelhausen für die folgende Generation erneut zum Erinnerungsort geworden, der im Falle Rilkes zur im Prozeß des künstlerischen Schaffens die Erinnerung als gestalterisches, produktives Element diene, sollte so Ay - der Erhalt von Schloß Friedelhausen eine dringliches Anliegen sein. www.artundantique.de

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