23. September 2009, 18:32 Uhr

Gemälde liebevoll konserviert

Linden (gbp). Betritt man die Evangelische Kirche in Leihgestern durch den Haupteingang, wird der Blick gelenkt auf den spitzen Triumphbogen und das dahinter liegende Kreuzgewölbe des Chors, dessen Wände - ebenso wie Wölbungen des Bogens und die Turmwand - mit alten Malereien bedeckt sind. Diese erstrahlen in neuem Glanz: Unter Leitung des Architekten Manfred Triebert aus Mücke wurden die Wandgemälde gereinigt und konserviert; vom Untergrund abgelöste Putzschichten wurden mit Kalkputz hinterfüllt und hinterspritzt, um eine Verbindung mit dem Untergrund herzustellen.
23. September 2009, 18:32 Uhr
Wandmalerei in der Wölbung des Spitzbogens (Foto aus der Bestandsaufnahme des Restaurators Hans-Michael Hangleiter).

Linden (gbp). Betritt man die Evangelische Kirche in Leihgestern durch den Haupteingang, wird der Blick gelenkt auf den spitzen Triumphbogen und das dahinter liegende Kreuzgewölbe des Chors, dessen Wände - ebenso wie Wölbungen des Bogens und die Turmwand - mit alten Malereien bedeckt sind. Diese erstrahlen in neuem Glanz: Unter Leitung des Architekten Manfred Triebert aus Mücke wurden die Wandgemälde gereinigt und konserviert; vom Untergrund abgelöste Putzschichten wurden mit Kalkputz hinterfüllt und hinterspritzt, um eine Verbindung mit dem Untergrund herzustellen. Wie am Montag berichtet, feierte der Kirchenchor den Abschluss dieser Arbeiten.

Sie haben rund 25 000 Euro gekostet. Es fand vergangenen Sonntag ein musikalischer Gottesdienst und ein »Kirchturmfest« statt. Den Gemälden in der Kirche widmet die von dem ehemaligen Leihgesterner Pfarrer Heinrich Schäfer und dem damaligen Kirchenvorsteher Hans-Joachim Häuer 1984 herausgegebene Festschrift anlässlich des 75-jährigen Jubiläums des neuen Kirchenschiffs »Leihgestern und seine Kirche« ein eigenes Kapitel: Das älteste »Bild« in der Kirche ist eine kleine Rötelzeichnung neben dem heutigen Aufgang zur Kanzel, die einen doppelköpfigen Vogel zeigt, vermutlich die primitive Wiedergabe des Wappens der Ritter von Leihgestern. Die Zeichnung, die vermutlich aus dem Jahr 1237 stammt, wurde erst bei der Renovierung 1967 entdeckt.

Beim Neubau des Kirchenschiffs nach dem Einsturz 1906 hatte man sie entweder nicht gefunden oder übertüncht, weil man sie für eine Kritzelei hielt, von denen es Ostwand des Turmes einige gibt. Den kreuzgratgewölbten Chorraum und den spitzbogigen Chorbogen dominieren lebensgroße Bilder von einem unbekannten Maler - spätgotische Fresken aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, vielleicht aus der Zeit des Turmbaus. Sie stellen - umrahmt von Blumen- und Girlandenmotiven - Christus mit der Weltkugel und zehn Aposteln mit Symbolen, die auf ihren Märtyrertod hinweisen, dar. Warum die Apostel Judas und Taddäus fehlen, ist unbekannt.

Die Malereien wurden in späteren Jahrhunderten übertüncht und erst 1906 wieder entdeckt, als beim Einsturz des Kirchenschiffs an der Turmwand, wo bis dahin die Orgel untergebracht war, bunte Flecken zum Vorschein gekommen waren. Der Landeskonservator veranlasste daraufhin, dass die alten Gemälde nicht nur an dieser Wand, sondern in der ganzen Turmkapelle vom Kirchenmaler Velte freigelegt und restauriert wurden.

Nachdem nun massive Putzschäden in der bodennahen Wandzone aufgetreten waren, wurde 2006 eine restauratorische Bestandsaufnahme des Bestandes an Putz, Malerei und Fassung im Chorturm und am spitzbogigen Chorbogen durchgeführt, um zu klären, wie weit der Bestand von historischem Verputz sowie Mal- und Fassungsschichten bei der Sanierung der Sockelzone betroffen sein würden. Der die Wandmalereien tragende Verputz besteht aus einem weiß-gelbbräunlichen Mörtel aus feinkörnigen Sanden, dem Haare zugeschlagen wurden; dieser Zuschlag sei charakteristisch für die Putztechnik des späten 16. bis zum 18. Jahrhundert, heißt es in dem Untersuchungsbericht.

Die Bestandsaufnahme ergab einen im Chorbereich überwiegend bis zum Bodenniveau reichenden Altputzbestand, der bis auf wenige hohl klingende Stellen weitgehend in intaktem Zustand war. Die an den drei Außenwänden vom Untergrund abgelösten Putzergänzungen konnten ohne Verlust an Altsubstanz abgenommen. Einzelne, nicht mehr überdeckte Steine des Mauerwerks mussten wieder überputzt werden. Im Bereich der Bogenansichten und -genügte weitgehend das Entfernen des kunstharzgebundenen Anstrichs.

Auch ergab sich bei der Bestandsaufnahme ein Restaurierungsprojekt für die Zukunft: In Vorausschau war 2006 auch ein Holzpfeiler des Kirchenraumes auf seine ursprünglich Farbigkeit untersucht worden. Diese Untersuchung ergab an dem polygonalen Schaft einen Wechsel von hell graugrünen und dunkelbraun gefassten Flächen, der Sockel war in dunkel graugrünem Ton und das untere Profil in blaugrau gefasst. »Der exemplarisch an einem Holzpfeiler erhobene Befund zeigt eine zum Raum stimmige qualitätvolle Farbigkeit, die eine Untersuchung weiterer Elemente des 1906-1907 neu errichteten Kirchenbaus als Grundlage für eine Neufassung lohnend erscheinen lassen«, heißt es in dem Bericht des Otzberger Restauratoren Hans-Michael Hangleiter. Er und die Restauratorin Melanie Schwalm aus Schlitz führten die Arbeiten in der Kirche aus.

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