Musik zwischen Renaissance und Barock

Lich (jou). Die »Camerata Vocale« Hessen widmete sich am Sonntag gemeinsam mit der Capella Instrumentalis, verstärkt durch Solisten, einem höchst anspruchsvollen, hörenswerten Werk: Claudio Monteverdis »Marienvesper«. Gleichwohl war die Marienstiftskirche leider nicht voll besetzt.
06. September 2011, 10:35 Uhr
Viel Applaus für (von links) Simone Schwark und Agnes Kovacs (beide Sopran), Ralf Petrausch und Christian Dietz (beide Tenor) sowie Daniel Starke (Bariton). (Foto: jou)

Vielleicht schreckte der wenig vertraut erscheinende Stil zwischen Renaissance und Barock manche Besucher ab – zu Unrecht, wie sich zeigte, war die Komposition doch in ihrer klaren Sprache durchaus zugänglich und zeugte von künstlerischer Experimentierfreude und Weitsicht. Vieles ist bei der auf Psalmen Davids, dem Hohelied Salomons, dem Magnificat und freier Motettendichtung basierenden, 1610 veröffentlichten »Marienvesper« ungeklärt. Nicht einmal, in welcher Form sie aufgeführt wurde, ist überliefert, auch die Besetzung lässt den Musikern Freiräume. Das vorzügliche historische Instrumentarium – neben Streichern, Orgel/Cembalo und Theorbe je drei Zinken und Posaunen – fügte sich ein in ein behutsames, stilgetreues interpretatorisches Gesamtkonzept. Sehr transparent sang der Chor den Psalm 112 »Laudate pueri«; Textwiederholungen unterstrichen die Aussage. Die Kontraste in Bewegungscharakter und Dynamik arbeitete das Ensemble unter der sorgfältigen Leitung von Kantor Christof Becker lebendig heraus. Auch die Solisten – Simone Schwark und Agnes Kovacs (beide Sopran), Ralf Petrausch und Christian Dietz (beide Tenor) sowie Daniel Starke (Bariton) – gefielen insgesamt durch kristallene, harmonisch aufeinander abgestimmte Gesangsweise und erzeugten dank großer Flexibilität einen selbst bei dichtesten Melismen natürlich wirkenden melodischen Fluss.

Das Klangbild von Chor, Orchester und Solisten mutete äußerst facettenreich, fein ausbalanciert an und zeichnete sich durch plastische Räumlichkeit aus. Im »Duo Seraphim« mit den beiden Tenören und dem Bariton spiegelte sich das Gotteslob in stark ausgeprägten Koloraturen wider. Im »Audi coelum« dienten die Echorufe des am hinteren Saalende platzierten zweiten Tenors Dietz als räumlich intensivierte inhaltliche Bestätigung.

Durchweg förderten die Musiker die abwechslungsreiche Satztechnik auf faszinierende Weise zu Tage. Unter Beckers durchdachtem Dirigat achtete der Chor auch auf feine Details wie harmonische Nuancen oder die genaue Gewichtung des prägnanten Rhythmus im Psalm 127 »Lauda, Jerusalem, Dominum«. Die herausragende Interpretation wurde mit lang anhaltendem Applaus honoriert.

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