»LichtWege IX«: Publikumsandrang zur Eröffnung

Lich (ik). Welch ein Forum: Alexander Lazerko, Vladimir Tkatschenko (alias Mirovlad Palachich) und Alexander Ulybin zeigten sich zutiefst berührt von dieser Welle der Sympathie und damit auch der Anerkennung ihres Schaffens, die sie am Sonntag vor »großem Bahnhof« im Haus der Kreisvolkshochschule wohlig umhüllte.
18. November 2013, 11:58 Uhr
Vernissage in der KVHS mit (von links) Pfr. Hartmut Lemp, Pfr. Hartmut Miethe, Werner Leipold, Käthe Wilhelmi, Landrätin Anita Schneider, Alexander Lazerko, Vladimir Tkatchenko, Alexander Ulybin, Thorsten Schäfer-Gümbel und (sitzend) Hermann Wilhelmi. (Foto: ik)

Am Freitag erst aus Minsk via Flugzeug aus Brest mitsamt zehn weiteren Kunstwerken angereist, durchlebten jene drei Künstler an diesem Nachmittag bei den Freunden und Unterstützern der Weißrusslandhilfe ein Wechselbad der Gefühle. Schier endlos schien die Zahl jener, die zur Vernissage am Volkstrauertag in die Flure der KVHS drängten, um einen ersten Blick auf die Kunst aus Osteuropa zu erhaschen – und vielleicht schon wenig später ihr Lieblingsexponat auszuwählen. Mit der prominent besetzten Eröffnungsveranstaltung der »LichtWege«, der nunmehr neunten Auflage einer (mindestens) in Hessen beispiellosen Benefizausstellung von Kunstwerken aus Weißrussland, schreiben die evangelischen Kirchengemeinden Nonnenroth und Villingen eine Erfolgsgeschichte fort.

Hilfe, die ankommt

Die Schirmherrschaft hat der soeben zum stellvertretenden SPD-Bundesvorsitzenden gewählte Thorsten Schäfer-Gümbel (Lich) übernommen, der in seiner Ansprache ebenso wie Landrätin Anita Schneider der Initiative seinen uneingeschränkten Respekt zollte. Pfarrer Hartmut Miethe (Grünberg) führte in die Ausstellung ein, die bis 15. Dezember in der KVHS zu sehen ist. Für die musikalische Umrahmung sorgten Käthe und Hermann Wilhelmi (Laubach).

Sie sind zu Recht »ebbes stolz« auf ihre Basisbewegung, die es abermals ohne jegliche gesamtkirchliche Finanzmittel geschafft hat. Seit der letzten Schau vor zwei Jahren hat das Team der Weißrusslandhilfe mit dem Nonnenrother Orts- und Kirchenvorsteher Werner Leipold und Pfarrer Hartmut Lemp an der Spitze rund 220 Gemälde und 50 Skulpturen – Exponate der unterschiedlichsten Genres – vor Ort in Belarus entdeckt: In den Ateliers langjähriger Weggefährten, auf Kunstmärkten, bei Hobbymalern, Straßenkünstlern oder bei Kunstlehrern. Die Preise für diese Werke sind nicht an den deutschen Kunstmarkt angepasst, sondern günstiger. Doch jedem der 20 Künstler wurde versprochen, mindestens doppelt so viel für ein Werk an Spenden zu sammeln, wie er selbst von den Mitarbeitern der Weißrusslandhilfe erhalten hat.

Und so kann man seit Sonntag eben jene Arbeiten spendlich erwerben und dadurch Gutes tun. Denn die Kunstwerke kehren in gewisser Weise in ihr Ursprungsland zurück: Mit dem Spendenerlös werden u. a. eine Frauenklinik und eine Kinderklinik in Brest, medizinische Ambulatorien im Gebiet rund um Pinsk sowie volksdiplomatische Kontakte wie etwa Fortbildungen von Ärzten aus Belarus (in der Asklepios Klinik in Lich) oder der Jugendaustausch zwischen Belarus und Deutschland unterstützt. Inzwischen haben mehr als 1500 Bilder und Skulpturen den Weg nach Mittelhessen gefunden; der Erlös vergangener Ausstellungen lag zwischen 25 000 und 38 000 Euro – ein gewaltiges »Pfund«.

Kunst, Kommerz, Diakonie

Auch die aktuelle Ausstellung bildet das gesamte Spektrum einer überaus facettenreichen Kunst ab. Pfarrer Miethe lenkte den Blick ebenso behutsam wie humorvoll auf kleine Feinheiten, die es in den kommenden vier Wochen zu entdecken gilt: Auf Vladimir Tonovskys Skulptur »Schneckenfrau« etwa, entstanden aus Schamott. Oder auf einen Akt von Leonid Rothko: »Auffallend, das es so wenig Erotik hier in der Ausstellung gibt – liegt das vielleicht an den Einkäufern?« Das große Konzert der Stile, Motive und Materialien, all die Farben, Formen, Lichteffekte und durchweg sauberen Techniken kommt einem spannenden Spagat zwischen Kunst, Kommerz und Diakonie gleich – eng miteinander verwoben mit dem unbedingten Willen der Versöhnung zwischen den Völkern.

Schirmherr Schäfer-Gümbel als auch Landrätin Schneider mahnten, den Ursprung dieser Benefizaktion nie zu vergessen: Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986. Diese Ausstellung gebe vielen Menschen in Belarus Hoffnung. Erinnern, helfen, aufmerksam machen – die (Kunst-)Brücke zwischen Deutschland und Weißrussland ist in den Herzen hier wie da fest verankert. Und eine große Ermutigung, auch die zehnte Auflage der »LichtWege« zu wagen.

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