18. Mai 2012, 17:08 Uhr

Gerd Fischer stellte in Lich seine Frankfurt-Krimis vor

Lich (mlu). Wer Gerd Fischer zu einer Lesung einlädt, muss Apfelwein bereithalten. Der Frankfurter Krimiautor ist so vernarrt ins »Stöffche«, dass er ihm sogar seinen aktuellen Roman widmete. »Dem besten Getränk der Welt« heißt es da fast programmatisch, ehe Kommissar Rauscher die Ermittlungen in seinem vierten Fall aufnimmt.
18. Mai 2012, 17:08 Uhr
Gerd Fischer stellte in Lich seine Frankfurt-Krimis vor. (Foto: mlu)

Der Gewölbekeller von Hofgut Kolnhausen, wo ihn Fischer am Mittwochabend vorstellte, schien wie gemacht für ein spritziges Krimivergnügen.

Seinen ersten Roman konzipierte der studierte Germanist und ehemalige Werbetexter im Urlaub, ohne zu ahnen, dass es der Beginn einer Serie werden sollte. Denn während er sich kaum Hoffnungen auf einen Verlag gemacht hatte, waren es bald die Verleger, die ihn anriefen und fragten, ob er nicht zufällig noch einen spannenden Krimi in der Schublade habe, der allerdings nicht in Schweden oder USA spielt, sondern in Frankfurt. Hatte er nicht. Doch das sollte sich ändern. Inzwischen surft Fischer auf der Erfolgswelle des Regionalkrimis, die seit einigen Jahren den deutschen Buchmarkt flutet. Und da seine Heimat nicht nur für die Straußenwirtschaft bekannt ist, lag es nahe, sich thematisch auch der Finanzkrise zuzuwenden.

Dabei könnte der Plot durchaus von Henning Mankell erfunden worden sein. Während Rauschers Lebensgefährtin Elke kurz vor der Geburt steht, treibt ein Serienmörder sein Unwesen in der Bankenmetropole. Mit Pfeil und Bogen bringt er einen Investmentbanker nach dem anderen zur Strecke. Schweren Herzens übernimmt der angehende Vater die Leitung der einschlägigen Sonderkommission.

Indem Fischer einige Passagen aus Tätersicht schrieb, gewährt er dem Leser auch Einblicke in die mentale Verfassung des Mörders – bereits sein zweiter Roman »Der Mann mit den zarten Händen« trug Züge eines Thrillers. Die Gliederung der Erzählung erfolgt im Protokollstil, wie man ihn aus amerikanischen Krimiserien kennt: Montag, 14 März, 17:48 Uhr. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine knallharte Cop-Story, sondern eben um einen waschechten Regionalkrimi, in dem lokaltypisches Kolorit seinen festen Platz in der Komposition hat, die humorige Pflege gewisser Klischees nicht zu kurz kommt.

Zum Lachen waren besonders die Auszüge aus »Lauf in den Tod«, Fischers vorletztem Roman, der in der Frankfurter Läuferszene angesiedelt ist. Zwar ist der Autor selbst ein versierter Marathonmann, doch seiner Hauptfigur hat er andere Leidenschaften verliehen, sodass der Kommissar beim Dauerlauf einen Bembel am Himmel halluziniert, während ihm der Schweiß aus allen Poren seines übergewichtigen Körpers sprudelt, die Socken qualmen und nur noch reine Willenskraft den Kriminalisten antreibt, wofür er von seinen sportiven Altersgenossen schließlich noch als »Kampfsau« verhöhnt wird.

Beiläufig plauderte Fischer während der Lesung auch über sein Leben als Krimiautor, Ghostwriter und neuerdings auch als Verleger. Übrigens wurde er nicht in Frankfurt, sondern in Hanau geboren, wobei er seine Kindheit in der Wetterau verbrachte. Im Anschluss an die Lesung wurde noch fleißig dem »Stöffche« zugesprochen, das in der Bierstadt freilich kein leichtes Standing hat – die Stuhlreihen im atmosphärischen Gewölbekeller waren leider nur spärlich besetzt.

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