02. Dezember 2008, 11:06 Uhr

Dem Spitzenkandidaten daheim den Rücken frei halten

Lich/Gießen (us). Überregionale Nachrichten, Talkshows und Kabarettprogramme kommen seit drei Wochen kaum ohne Thorsten Schäfer-Gümbel aus. Dafür kriegen die heimischen Sozialdemokraten ihren so überraschend zum hessischen Spitzenkandidaten aufgestiegenen Unterbezirksvorsitzenden eher selten zu Gesicht. Doch am ersten Advent war ein Plätzchen im Terminkalender frei.
02. Dezember 2008, 11:06 Uhr
Die SPD feiert Advent und ihren Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel: Im Kultursaal des Licher Bürgerhauses stimmten sich die heimischen Sozialdemokraten am Sonntagnachmittag auf den Landtagswahlkampf ein. (Foto: us)

Lich/Gießen (us). Überregionale Nachrichten, Talkshows und Kabarettprogramme kommen seit drei Wochen kaum ohne Thorsten Schäfer-Gümbel aus. Dafür kriegen die heimischen Sozialdemokraten ihren so überraschend zum hessischen Spitzenkandidaten aufgestiegenen Unterbezirksvorsitzenden eher selten zu Gesicht. Doch am ersten Advent war ein Plätzchen im Terminkalender frei. Flugs nutzte der Unterbezirk gemeinsam mit den Stadtverbänden Gießen und Lich die Chance, zum »persönlichen Gespräch in stimmungsvoller Atmosphäre« mit Schäfer-Gümbel einzuladen. Die Veranstaltung im Licher Bürgerhaus hatte vor allem einen Sinn: Es galt, die Genossen auf den Wahlkampf einzustimmen und ihnen ihre Aufgabe klarzumachen. Und die ist, dem quer durchs Land tourenden »TSG« daheim den Rücken freizuhalten.

Drei Namen standen auf der Rednerliste dieser alternativen Adventsfeier, die mit moderner Blockflötenmusik, Salzgebäck und Brecht-Gedichten aus dem jahreszeitlich üblichen Rahmen fiel. Bernd Klein, Bürgermeister von Lich, langjähriger Weggefährte und in Birklar Nachbar von Schäfer-Gümbel, übernahm die Begrüßung, Gerhard Merz, der Vorsitzende des Stadtverbands Gießen, war für die »Abteilung Attacke« zuständig.

Schäfer-Gümbel schließlich erzählte zunächst ironisch, wie’s einem so geht, wenn man unvermittelt in die große Politik hineinkatapultiert wird, wenn Brillenfassung, Doppelname und FC-Bayern-Mitgliedschaft plötzlich ein Thema sind. Dann gab er die Marschrichtung für den Landtagswahlkampf aus. Die zentrale Frage laute: »Wirklich wieder Koch?!« Die SPD dürfe sich nicht länger selbst im Wege stehen, sondern müsse »sich auf die konkrete Politik konzentrieren«. Mit Vergangenheitsbewältigung hielt sich der Redner nicht allzu lange auf. Nur soviel: Mit ihrer Strategie, die Linke aus dem Landtag heraushalten zu wollen, sei die SPD vor einem Jahr bitter gescheitert und habe daraus gelernt. »Wir haben ein Fünf-Parteien-System. Das zu akzeptieren, ist auch eine Frage der Demut vor den Wählern.« Man müsse das Wahlergebnis abwarten und dann damit umgehen.

Zuvor hatte Merz die über 150 Anwesenden aufgefordert, geschlossen in den Wahlkampf zu ziehen. Hart ging er mit Gerhard Bökel ins Gericht: »Wenn ein ehemaliger Landesvorsitzender und Spitzenkandidat nicht weiß, wann man die Reihen schließen muss, dann soll er wenigstens den Mund halten.« Inhaltlich könne die SPD nach wie vor überzeugen. »Unser Programm ist nicht widerlegt.« Hessen brauche eine neue Energie-, eine neue Bildungs- und eine neue Sozialpolitik. Auch Bürgermeister Klein hatte die Versammlung zu Beginn aufgefordert, den Blick nach vorn zu richten und dem Spitzenkandidaten den Rücken zu stärken: »Im Landkreis Gießen muss er sich nicht mehr bekannt machen. Wir müssen hier die Stallwache halten.«

Hat der SPD-Spitzenkandidat eine Leiche im Keller? Ja, zumindest eine virtuelle. »Lobo« heißt der Hund, der medial 14 Jahre lang begraben war, bis ihn die »Frankfurter Rundschau« vor Wochenfrist wieder ausbuddelte.

Aus Protest gegen die Abschiebung von Kurden in die Türkei hatten 1994 die damalige Juso-Bezirkschefin Nina Hauer und ihr Stellvertreter Thorsten Schäfer (den Doppelnamen hatte er noch nicht) angekündigt, einen kleinen Hund namens »Lobo« vergiften zu wollen. Dem Tier wollten sie nicht wirklich an den Kragen. Es ging ihnen lediglich darum zu zeigen, dass der Tod eines Hundes mehr Aufmerksamkeit errege als der Tod zahlreicher Menschen. Die PR-Aktion stieß auf erhebliche Empörung und trug den beiden ungestümen Jusos ein Parteiausschlussverfahren ein - initiiert ausgerechnet von Schäfer-Gümbels heutigem Ortsverein Lich und konkret von der »Langsdorf Connection«. »Ich hoffe, der Richard (Bayerlein) und der Günter (Block) bereuen das heute«, sagte Schäfer-Gümbel mit Blick in den Saal, wo die beiden saßen. Die (Nicht-)Reaktion ließ allerdings kaum auf großes Bedauern schließen... (us)

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