11. Mai 2014, 20:18 Uhr

Ausstellung in Lich zur Lage der Meinungsfreiheit

Lich (nab). Am Samstag hat Landrätin Anita Schneider in der Kreis-Volkshochschule in Lich eine Ausstellung eröffnet, die sich dem Recht auf Meinungsfreiheit widmet, das weltweit immer wieder bedroht, eingeschränkt oder radikal unterdrückt wird.
11. Mai 2014, 20:18 Uhr
Wie steht es um die Meinungsfreiheit? – Der Gießener Verein Gefangenes Wort dokumentiert in einer Ausstellung im VHS-Haus Lich die Situation in verschiedenen Ländern und nähert sich dem Thema auch künstlerisch. (Foto: nab)

Erarbeitet hat die Schau unter dem Titel »Von Rebellen, Ketzern, Träumern und Tollköpfen – Meinungsfreiheit weltweit« der Gießener Verein Gefangenes Wort, den 2008 Germanistikstudenten anlässlich eines Seminars bei Prof. Sascha Feuchert gegründet hatten.

In Nordkorea und Saudi-Arabien ist die Bibel wegen christlicher Symbole verboten. In China wird »Pu der Bär« zensiert, James Joyce »Ulysses« war von 1919 bis 1957 im Vereinigten Königreich, den USA, Kanada und Irland aufgrund der Darstellung von Erotik verboten und auch Georg Büchners »Dantons Tod« (1835) wurde in Deutschland wegen seiner politische Schärfe und drastischen Sinnlichkeit zu Lebzeiten des Autors nicht gedruckt. Doch neben diesen bekannten Büchern gibt es viele weitere Werke und Autoren, die von Zensur betroffen sind.

Landrätin Schneider lobte die Ausstellung als politisch hochaktuell. Sie verdeutliche, dass das Menschenrecht auf Meinungs- und Pressefreiheit das Fundament jeder Demokratie sei. Doch gleichzeitig sei dies eines der am meisten verletzten Menschenrechte weltweit; die staatliche Zensur der Presse sowie die Verfolgung von Schriftstellern und Journalisten seien an der Tagesordnung. »Pressefreiheit besteht auch darin, genau diese Missstände aufzudecken und kritisch zu hinterfragen, wie es im eigenen Land aussieht«, betonte Schneider mit Blick auf die Arbeit des Vereins Gefangenes Wort, dessen Mitglieder auf das Schicksal von verfolgten und inhaftierten Autoren oder Künstler aufmerksam machen.

»In keinem Land der Erde ist die Meinungsfreiheit völlig schrankenlos«, erläuterte Leslie Kuhlmann von Gefangenes Wort, die in die Ausstellung einführte. In den einzelnen Ländern gebe es – von der Vor- bis zur Nachzensur oder der Selbstzensur im Kopf des Autors – sehr unterschiedliche Formen, wie Meinungsfreiheit eingeschränkt wird. 2013 seien 13 Autoren und zwei Autorinnen ermordet worden. Andere seien spurlos verschwunden oder inhaftiert.

Ermordet oder verschwunden

Zu sehen gibt es Informationstafeln, die über Zensur in ausgewählten Ländern informieren und Tafeln, die Autoren vorstellen, die unter Repressionen leiden. Die Schau zeigt, wie sich das Recht auf freie Meinungsäußerung entwickelt hat und erläutert beispielhaft sowohl die historische, als auch die aktuelle Lage der Meinungsfreiheit in ausgewählten Ländern. Im Vordergrund stehen Deutschland, Ungarn, Russland, die Türkei, China, Äthiopien und Mexiko.

Neben Informationstafeln und ausgestellten Büchern nähern sich auch Kunstwerke dem Thema. Ausgestellt sind Gipsmasken, deren Münder mit Klebeband und Stacheldraht zugeklebt sind, ein Zelt zum geheimen Lesen und Installationen. Der Gießener Künstler Pjervoj Ogonjok ergänzt die Exponate der 16 Vereinsmitglieder, die die Schau in Kooperation mit Torsten Denker von der Kreisvolkshochschule entwickelt haben, durch drei weitere Kunstobjekte.

Der Titel »Von Rebellen, Ketzern, Träumern und Tollköpfen« lehnt sich übrigens an Jewgenij Samjatins 1921 geschriebenen Aufsatz »Ich fürchte« an. Dort schreibt der Autor, der wegen indirekter Kritik an der sowjetischen Parteiführung unterdrückt wurde: »Das wichtigste ist, dass wahre Literatur nur dort existiert, wo nicht gesinnungstreue Vollzugsbeamte sie machen, sondern Tollkopfe, Eremiten, Ketzer, Träumer, Rebellen und Skeptiker.«

*

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 25. Juli während der Öffnungszeiten der KVHS montags bis freitags von 9 bis 15.30 Uhr sowie am Wochenende nach Absprache unter 0641/93905700. Der Eintritt ist frei.

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