70 Jahre nach Kriegsende ein deutsch-französisches Fest

Lich (us). Genau 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wird in Lich das 40-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft mit Dieulefit gefeiert. Die Bürgermeister beider Kommunen, Christine Priotto und Bernd Klein, messen diesem Datum besondere Bedeutung bei.
07. Mai 2015, 18:23 Uhr
Freuen sich über 40 Jahre deutsch-französische Städtefreundschaft und werben für ein geeintes Europa: die Bürgermeister Christine Priotto (Dieulefit) und Bernd Klein (Lich). (Foto: Ursula Sommerlad)

Der 8. Mai ist in Frankreich ein Feiertag. In allen Städten finden dann Gedenkfeiern statt, die an den Sieg über Nazi-Deutschland erinnern. Doch Christine Priotto, die Bürgermeisterin von Dieulefit, wird diesmal bei der Zeremonie fehlen. Sie wird an diesem historischen Tag in Lich sein. Dort wird ein anderes Jubiläum gefeiert: Das 40-jährige Bestehen der deutsch-französischen Städtepartnerschaft. Dass beide Jahrestage zusammenfallen, werten Priotto und ihr deutscher Kollege Bernd Klein als günstige Fügung. In einer Pressekonferenz im Licher Rathaus machten beide gestern Vormittag deutlich, dass die deutsch-französische Freundschaft nicht als Selbstläufer betrachtet werden darf. Eine geeintes Europa bedürfe kontinuierlicher Arbeit, sagt Klein.

Was heute so selbstverständlich erscheint – die Partnerschaft zwischen einer französischen und einer deutschen Stadt – war vor vier Jahrzehnten noch mit vielen Emotionen verbunden. Um sich das klar zu machen, muss man sich nur die beiden zentralen Akteure anschauen: Konrad Hannes, der als Bürgermeister von Lich 1974/75 die Partnerschaft besiegelte, hatte 1940 als Soldat im Frankreichfeldzug teilgenommen. Jean Jouve, sein französischer Kollege, bot als Mitglied der Resistance den deutschen Besatzern die Stirn. Ihre Nachfolger, der SPD-Mann Bernd Klein und die Sozialistin Christine Priotto, beide noch keine 50 Jahre alt, sind in einem anderen, einem geeinten Europa aufgewachsen. »Vor 70 Jahren lag der Kontinent am Boden, trotzdem können wir heute in Frieden und Freundschaft zusammen leben«, sagt Priotto in fließendem Deutsch. Insofern könne Europa auch als Vorbild für andere Weltregionen dienen, in denen heute Krieg herrscht.

Rund 80 Licher hatten im vergangenen Herbst in Dieulefit das 40-jährige Bestehen der Partnerschaft gefeiert. Die Bank, die sie damals als Gastgeschenk mitgebracht hatten, ist mittlerweile aufgebaut und steht direkt neben einem Denkmal, das an die »résistance civile«, erinnert, den Rettungswiderstand, der nicht nur politischen Gegnern der Nazis und verfolgten Juden Schutz bot, sondern auch einigen verfemten deutschen Künstlern. Christine Priotto ist bereits seit Dienstag in Lich. Sie ist extra früher angereist, um private Kontakte zu pflegen. Schon ihre Eltern waren in der deutsch-französischen Partnerschaft engagiert, sie selbst war als siebenjähriges Mädchen zum ersten Mal in Lich und später im Rahmen des Schüleraustauschs immer wieder. Der Rest der etwa 80-köpfigen Delegation aus Dieulefit wurde gestern Abend in Lich erwartet. »Die Franzosen haben uns im vergangenen Herbst in Dieulefit ein tolles Programm geboten«, berichtete Bürgermeister Klein. Das sei für die Stadt und den Partnerschaftsverein ein gehöriger Ansporn gewesen, es ihnen gleich zu tun. Auf dem Programm stehen, wie berichtet, neben dem Historischen Markt eine Visite bei der Lufthansa und eine Kutschfahrt in Muschenheim.

Die offiziellen Feiern zur Rückverschwisterung an diesem Freitag beginnen mit Blick auf den 70. Jahrestag des Kriegsendes um 18 Uhr mit einer Feierstunde im Kulturzentrum Bezalel-Synagoge. Daran schließt sich um 19 Uhr der offizielle Festakt im Bürgerhaus an. Der bald 95 Jahre alte Konrad Hannes wird ebenso dabei sein wie René und Angela Sitarz, die einst die ersten Kontakte zwischen Lich und Dieulefit angebahnt haben. Für Unterhaltung sorgen die Chöre KlangLICHter und Songlines, der Kinder- und Jugendzirkus »Allez Hopp« und die Licher Karateka. Außerdem wird Barbara Aff in einer besonderen Rolle zu erleben sein: Die Französischlehrerin, die zahlreiche Austauschgruppen betreut hat, tritt als Sängerin auf.

»Partnerschaften müssen von den Menschen gelebt werden«, sagt Bernd Klein. »Zwischen Lich und Dieulefit ist das der Fall.« (Foto: us)

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