21. November 2013, 11:58 Uhr

Stadtwaldstiftung Laubach: Bilanz und Ausblick positiv

Laubach (tb). »Der Stiftungswald befindet sich in einem Top-Zustand, keineswegs wurde auf Kosten der Substanz gelebt, und auch die Zukunftsaussichten sind gut« – in rosigen Farben malte Prof. Klaus-Peter Rödig gestern Vormittag seine Bilanz nach zehn Jahren Mitgliedschaft im ehrenamtlichen Kuratorium der Stiftung.
21. November 2013, 11:58 Uhr
Bürgermeister Klug (l.) dankt dem langjährigen Kuratoriumsmitglied Prof. Rödig.

Nach einer Dekade zeiht sich der Forstdirektor und Ministerialrat a. D. zurück, macht einem (noch zu findenden) Jüngeren Platz. Bürgermeister Klug dankte herzlich und ernannte Rödig zum Ehrenkurator. Was nur recht und billig sei, schließlich habe der einen »maßgeblichen Beitrag zum Erfolg dieses Modellprojektes geleistet.« Anlass der Ehrung war die Vorstellung der neuen Forsteinrichtung, sozusagen der Zehn-Jahres-Plan des knapp 2000 Hektar großen Stadtwaldes, durch Vertreter des Stiftungsvorstandes und des mit der Bewirtschaftung beauftragten Dienstleisters »KB Forst« (Büdingen).

Wie Stiftungsvorsitzender Klug vorwegschickte, straften die Forsteinrichtung bzw. die – eingedenk der »Unkenrufe« – freiwillige Waldinventur all jene Lügen, die einen Raubbau befürchtet hätten. »Das haben wir schon vor zehn Jahren gesagt, jetzt haben wir es schwarz auf weiß.«

Nicht anders Joachim Busch: Der Mitinhaber von »KB Forst« erinnerte an das von der Forstwirtschaft vor 300 Jahren »erfundene« Nachhaltigkeitsgebot. Daran halte man sich, und müsse es auch, da behördlicherseits kontrolliert. Auf der Maxime der Vorväter baue nun auch das zweite Forsteinrichtungswerk seit Stiftungsgründung 1999 auf. Der Wirtschaftsplan umfasst im einzelnen Waldzustandserfassung, mittelfristige Planung und Überprüfung der Nachhaltigkeit. Dabei soll es nicht nur um den Einschlag gehen, vielmehr auch um die anderen Ziele des Waldes, die sich die »Bürger als Eigentümer« gesetzt hätten. Etwa Naturschutz und Erholung.

Zur besagten Inventur erläuterte der Geschäftsführer der »KB Forst«, dass genau 847 permanente Stichprobenpunkte zum Zwecke der Vorrats- und Strukturaufnahme festgelegt wurden. Aktualisierung der Bestandsdaten und waldbauliche Einzelplanung (Holzeinschlag, Pflegemaßnahmen, Verjüngung je Waldbestand) kamen hinzu. Busch wörtlich: »Vorteil der Wiederholungsstichprobe ist die Vergleichbarkeit aller Daten mit der letzten Waldaufnahme im Jahr 2000, da praktisch genau die gleichen Bäume wie in der ersten Inventur gemessen wurden.«

Als Inventurergebnis sei festzuhalten, dass in den letzten zehn Jahren der Vorrat an stehendem Holz um zwölf Prozent, Buchen- und Edellaubholzbestände um über acht Prozent zugenommen, Fichtenbestände durch Kalamitäten um acht Prozent abgenommen haben. Weiter weise die Inventur nach, dass auf acht Prozent der Fläche der Naturschutz Vorrang habe, der tatsächliche Zuwachs bei knapp 20 000 Festmeter pro Jahr lag, aber nur 15 574 fm genutzt wurden, der Zuwachs der Altbuchen 133 ha betrage sowie 59 Prozent der Bestände bereits eine Verjüngungsschicht hätten, die überwiegend aus Buche, Edellaubholz und Fichte bestehe.

Einschlag nurmehr 13 500 Festmeter

Dann der Blick nach vorn: Wie Busch zum Forsteinrichtungswerk ausführte, liegt der genehmigte Einschlag bis 2023 bei 13 535 fm per anno (Hiebsatz 2002-2012: 15 530 fm), zuzüglich einer Reserve von zehn Prozent der Pflegenutzung. 49 Prozent des geplanten Einschlages sollen in der Pflegenutzung und 51 Prozent in der Hauptnutzung (Durchmesser und Qualität erreicht) erfolgen. 2002 betrug letztere nur 38 Prozent. Busch: »Wir haben unsere Hausaufgaben in der Pflegenutzung gemacht.«

Der Flächenanteil der Jungbestände hat seit 2003 abgenommen, verhältnismäßig schwach sind auch die Altbestände (über 140 Jahre), was laut den Forstexperten aber Ergebnis eines 80 bis 120 Jahre alten »Verjüngungsproblems« sei. Erwähnter Zuwachs der Buchen in der Altersklasse »Ü120« wird v. a. mit der »Hiebzurückhaltung in erntereifen Beständen wegen der Windwürfe und dem teilweisen Nutzungsverzicht aus dem Naturschutzvertrag mit dem Land erklärt. In den kommenden zehn Jahren müsse daher Buchenaltholz stärker genutzt werden, steige doch das Risiko der Entwertung durch Rotkern, erschwere die weiter wachsende Naturverjüngung die Ernte der Bestände.

Wie die »KB Forst«-Vertreter ankündigten, sollen die natürlich verjüngten Buchenflächen mit Fichte und Douglasie ergänzt werden, da ansonsten deren Mischungsanteil im Wald weiter fallen würde. »Wir brauchen auch die Fichte«, hieß es dazu gestern. Zumal da diese Baumart stärker unter den Windwürfen gelitten habe.

Insgesamt ergibt sich also für den Stadtwald ein positives Gesamtbild. Das werde einzig getrübt durch zu viel Reh- und Rotwild in einzelnen Bereichen. Busch: »Fast alle Kulturen können nur hinter einem teuren Zaun ungestört aufwachsen. Die weitere Ausbreitung des Rotwildes muss verhindert werden, um den wertvollen, jungen Wald vor Schälschäden zu bewahren.«

Die Forsteinrichtung, übrigens erarbeitet durch ein externes Büro, zeigt nach Dafürhalten der Dienstleister wie des Kuratoriums und des Stiftungsvorstands vor allem eines: »Die waldbaulichen Vorgaben aus 2002 wurden trotz mehrerer Störungen durch Windwürfe, Käfer- und Wildschäden gut umgesetzt.« Wozu auch gehöre, dass die Jungbestände sich in einem »vorbildlichen Pflegezustand« befänden, was eine »stabile, nachhaltig hohe Ertragskraft« sichere.

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