11. September 2008, 20:10 Uhr

Knochenarbeit für zehn Studenten der Archäologie

Laubach (sc). Buchstäbliche Knochenarbeit ist es, die die knapp zehn Studenten unter Leitung von Christoph Röder (Landesdenkmalamt) schon seit Anfang August in der Kirchenruine Ruthardshausen verrichten. Und das nicht nur hinsichtlich der körperlichen Arbeit, die mit der archäologischen Bergung der mittelalterlichen Kirche anfällt. Meter für Meter arbeiten sich die Studenten in das Erdreich in und um die Kirche vor, dokumentieren Mauerreste und sichten die Erde auf Fundstücke: Türriegel, Hufeisen, Eisenklammern und -beschläge wurden bereits aus der Erde geholt. Und eben auch zahlreiche Knochen, diente doch auch dieser Kirchhof als Friedhof.
11. September 2008, 20:10 Uhr
… und Keramikreste

Auch die Hinweistafel am Baudenkmal Ruthardshausen müsste man eigentlich als kulturgeschichtliches Dokument ansehen, meinte Grabungsleiter Röder schmunzelnd: »Sie wurde damals im Zuge der Sanierung angebracht - und die einzig richtigen Daten darauf sind die Daten der Sanierung …«

Laubach (sc). Buchstäbliche Knochenarbeit ist es, die die knapp zehn Studenten unter Leitung von Christoph Röder (Landesdenkmalamt) schon seit Anfang August in der Kirchenruine Ruthardshausen verrichten. Und das nicht nur hinsichtlich der körperlichen Arbeit, die mit der archäologischen Bergung der mittelalterlichen Kirche anfällt. Meter für Meter arbeiten sich die Studenten in das Erdreich in und um die Kirche vor, dokumentieren Mauerreste und sichten die Erde auf Fundstücke: Türriegel, Hufeisen, Eisenklammern und -beschläge wurden bereits aus der Erde geholt. Und eben auch zahlreiche Knochen, diente doch auch dieser Kirchhof als Friedhof.

Außerdem wurde an der Seitenwand der Kirche ein so genanntes »Orssuarium« entdeckt, ein Beinhaus. Auf dem Friedhof dagegen fand die Gruppe bislang weniger Bestattungen als erwartet. Dass solches auf dem engen Areal allerdings alles andere als einfach war, zeigt die Tatsache, dass Grab-Gruben in den nur wenige Zentimeter unter dem Erdreich liegenden Fels gehauen werden mussten.

Nach Grabung wieder »Urzustand«

Bei der bis Ende diesen Montag angesetzten Grabung der Studenten handelt es sich um eine so genannte »Rettungsgrabung.« Leiter Christioh Röder - er kennt den Laubacher Wald, war er doch schon an den Grabungen des Landesdenkmalamtes in Baumkirchen beteiligt - erklärt im AZ-Gespräch, was damit gemeint ist: »Wir wollen Kirche und Kirchhof sichern und so sicherstellen, dass bei zukünftigen Restaurationsarbeiten nichts zerstört wird.« Ein Vorgehen, das sich bei der Kirche Ruthardshausen aus den negativen Erfahrungen der Vergangenheit begründet. »Bei den Sanierungsarbeiten 1969/70 wurde an der Kirche viel zerstört«, erklärt Röder im AZ-Gespräch wehmütig. Doch betont er zugleich, dass ohne die damaligen Sanierungsarbeiten, samt Sicherung der Mauern und Aufschüttung von Material am Rande, die Ruine heute vielleicht gar nicht mehr stehen würde. Dass damals aufgebauter Altar falsch platziert wurde, merkte er an. Grund genug für den jungen Archäologen, es diesmal richtig zu machen. Stück für Stück werden dazu Teile auf dem Kirchhof und im Innern der Kirche freigelegt und dokumentiert. Anschließend kommt der Bagger und schüttet alles wieder zu. »Dann kann der archäologischen Substanz nichts mehr passieren«, erklärt Röder. »An manchen Stellen zeigen wir aber obertägig, wie die Mauern im Erdreich verlaufen.« Ein Vorgehen, wie die Fundamente mittlerweile bei vielen Grabungsstellen für Besucher sichtbar gemacht werden. Im Fall von Ruthardshausen ist die Rekonstruktion eines Teils der Kirchhofmauer bereits fertig gestellt. »Der sichtbare Wall um die Kirchenanlage verbirgt eine 1,5 Meter breite Kirchhofmauer«, sagt Röder. Mit Steinen und Lehm aus der direkten Umgebung habe man ein Stück Mauer rekonstruiert. Die exakte ehemalige Höhe ließe sich allerdings schwer nachvollziehen, daher habe man die Mauerrekonstruktion der Höhe des Walls angepasst. »Mit einer Ziegelsplittschicht haben wir die ausgegrabenen Mauerreste von der Rekonstruktion getrennt - so ist später immer wieder nachvollziehbar, was Original ist, und was der Nachbau«, erklärt er das archäologische Vorgehen.

Ausstellung der Funde ab Sonntag im Heimatmuseum Laubach

Die rekonstruierte Mauer zeigt übrigens an, wo sich früher das Tor zum Kirchhof befunden haben muss. Ein so genanntes »Tangential-Tor«, vielleicht zwecks leichterem Zugnag errichtet. - In Auftrag gegeben und finanziert wurde die aufwändige Arbeit an der im 13. Jahrhundert erbauten Kirche übrigens durch das Laubacher Grafenhaus als Grundeigner, mit einer Förderung des Landes und in Kooperation mit dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Zum »Tag des offenen Denkmals« am Sonntag - in diesem Jahr unter dem Motto »Vergangenheit aufgedeckt - Archäologie und Bauforschung« - steht auch die Grabungsstelle offen. Die Kirchenruine befndet sich an der B 276 zwischen Laubach und Schotten, etwa 30 Meter nach der Einfahrt zum »Jägerhaus«. Die laufende Grabung kann von 11 bis 18 Uhr besichtigt werden. Am Sonntag wird im Heimatmuseum Laubach auch eine Sonderausstellung zu sehen sein. Gezeigt werden restaurierte Funde von der Grabung in Baumkirchen sowie aber auch aktuelle Funde aus Ruthardshausen. Die Sonderausstellung ist danach während noch bis zum 26. Oktober zu sehen: Sonntags von 14 bis 16 Uhr, mittwochs von 10 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung unter Tel. 0 64 05-92 16 02 oder E-Mail heimatkunde-laubach@gmx.de. (Fotos: sc)

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