22. Dezember 2008, 00:02 Uhr

Klug (unabhängig) wird Laubachs neuer Bürgermeister

Laubach (tb). Die »Mehrheit für den Wechsel« lag in der Luft, spätestens nach den bereits erstaunlichen 40,8 Prozent, die Herausforderer Peter Klug (unabhängig) in der ersten Runde geholt hatte.
22. Dezember 2008, 00:02 Uhr
Wahlgewinner Peter Klug dankt in einer ersten Rede im Rathaus für das in ihn gesetzte Vertrauen.
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Denn immerhin war der Mann aus Flieden gegen einen Amtsinhaber, Claus Spandau (CDU), und gegen einen SPD-Kandidaten, Roland Kauer, angetreten. Dass es aber so deutlich werden würde, das dürften auch die Klügsten unter den Klug-Freunden nicht erwartet haben: Mit 57,72 zu 42,28 Prozent hat der Verwaltungsfachwirt die Stichwahl gewonnen, wird am 1. Juni 2009 Laubachs neuer Bürgermeister. Diesen hohen Sieg hatte auch Klug selbst nicht erwartet, wie er im AZ-Gespräch einräumte.

Da war es kurz vor 19 Uhr, hatte er sich bereits wieder etwas gefasst, nachdem sich wenige Minuten zuvor die riesige Anspannung, aber auch die riesige Freude Bahn gebrochen hatten. Er, so bekannte Klug, habe mit einem knapperen Ausgang gerechnet. »Die 4 vorne war wichtig«, blickte er dann nochmals auf die erste Runde vor 14 Tagen zurück. Wohl wahr: Das sehr gute Ergebnis, die nur drei Prozentpunkte Differenz zum Amtsinhaber, diesen Schwung nahm Klug in die zweite Runde mit, konnte offensichtlich auch den Löwenanteil der 15,3 Prozent auf seine Seite ziehen, die bei Kauer ihr Kreuzchen gemacht, ebenso einen Wechsel gewollt hatten. »Jetzt fangen wir in Laubach komplett neu an«, rief Klug dann in seiner ersten Rede im Rathaussaal aus. Und Spandau? Die Enttäuschung war dem 54-Jährigen, seit 1991 im Amt, deutlich anzumerken. Er gratulierte dem Nachfolger zu einem »sehr guten Ergebnis«, wünschte ihm viel Glück und bot seine Hilfe an - sofern Klug es denn wünsche, denn »einmischen werde ich mich nicht.«

Dass an diesem Abend eine kleine Sensation (zumindest, was die Höhe des Vorsprungs angeht) passieren würde, das hatte sich schon eine Viertelstunde nach Schließung der Wahllokale andeutet: Um 18.19 Uhr wurde das Ergebnis aus Altenhain auf die Leinwand projiziert: 80 Prozent für Klug (in Runde eins hatte er 64, Spandau 27 Prozent geholt). Erstmals brandete nun lauter Applaus im gut gefüllten Rathaussaal auf. Es sollte nicht das letzte Mal bleiben: Wenig später ging Gonterskirchen ein: 66 zu 34 Prozent (vor 14 Tagen: 48 zu 34). Um 18.21 Uhr kündigte Erster Stadtrat Birke per Mikro dann Lauter an: 58 Prozent für den Amtsinhaber ließen hier nochmals Hoffnung aufkeimen, obgleich Spandau in Runde eins doch 60 Prozent eingefahren hatte. Dann der erste große Wahlbezirk, »Laubach-Gerätehaus«: 57 Prozent für Klug. Spätestens in diesem Moment dürfte auch im Amtszimmer einen Stock tiefer klar gewesen sein: »Wir haben verloren.«

Klug: »Ich kam als Fremder und bleibe nun als Freund, als Ihr neuer Bürgermeister«

Denn: Die Kernstadt, wo über 30 Prozent der Wähler ihren Wohnsitz haben, war bisher immer eine sichere Bank für Spandau, hier holte er vor sechs Jahren über 60 Prozent. Und hier vor allem verlor er nun die Wahl: Während der Bürgermeister gegenüber dem 7. Dezember in der Kernstadt insgesamt am Ende gerade mal 37 Stimmen mehr holte (nun 795), legte Klug um 345 Stimmen (nun 1027) zu, holte insgesamt 56,4 Prozent. Spandau fiel auf 43,6 zurück (vor 14 Tagen: 45,6 Prozent). Von den 230 Bürgern, die hier mehr als in Runde eins mobilisiert werden konnten, ging die Masse an Klug. Apropos: Die Wahlbeteiligung in ganz Laubach stieg von 58 auf 64 Prozent.

Zwischenzeitlich waren in schneller Folge die anderen Stadtteil-Ergebnisse eingegangen, fast immer mit riesigen Zuwächsen für Klug: Röthges meldete für den bei der Stadt Frankfurt angestellten Verwaltungsfachwirt 67 Prozent, Freienseen 75 Prozent, Münster gar 77 Prozent, einzig Wetterfeld und Ruppertsburg blieben bei Spandau (60 bzw. 51 Prozent). Nach zehn Wahllokalen, inzwischen war es kurz vor 18.30 Uhr, lag Klug nun mit 58,40 Prozent weit vorn. Fehlten nur noch die beiden Kernstadt-Bezirke »SKH« und »Rathaus«: die gingen mit 58 bzw. 53 Prozent an den Herausforderer.

Erster Stadtrat Lothar Birke (CDU) verkündete nun das vorläufige Endergebnis und zog unter dem Jubel der Gewinner das Fazit: »Der Wähler hat offensichtlich eine Veränderung gewollt.« Nach dem sich der Jubel gelegt, die Freudentränen bei Peter und Ehefrau Verena Klug getrocknet waren, ergriff zunächst Claus Spandau das Mikro. »Keine ganz einfache Situation«, bekannte er, »sonst macht man sich ja Gedanken vor einer Rede, heute hab ich’s nicht getan.« Das Ergebnis sei »sehr überraschend« für ihn, er habe ein völlig anderes erwartet. Zumal im Blick auf jüngste Gespräche mit Bürgern. Freilich wisse er: »Jeder sagt einem das, was man gerne hören will.« Mit dem Dank an alle Wähler, Unterstützer sowie an Ehefrau Inge übergab er das Wort an seinen Nachfolger. Der dankte für das in ihn gesetzte Vertrauen, »Laubach fit zu machen für die Zukunft.« Klug versicherte, er sei als Unabhängiger angetreten, werde dies auch bleiben und wolle mit allen Fraktionen zusammen arbeiten. Und wörtlich: »Ich kam als Fremder und bleibe nun als Freund, als Ihr neuer Bürgermeister.«

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