07. Februar 2012, 11:38 Uhr

Heimaufsicht schließt »Seniorenhotel« in Laubach

Laubach (tb). Der »Untersagungsbescheid« erging Anfang letzter Woche, Ende nächsten Monats ist er zu vollziehen: Wie RP-Pressesprecherin Gabriele Fischer am Freitag der GAZ bestätigte, hat die Heimaufsicht nun beim Versorgungsamt Gießen die Schließung des »Seniorenhotel Amtsgericht« in Laubach verfügt.
07. Februar 2012, 11:38 Uhr
Muss auf Anordnung der Heimaufsicht spätestens Ende März schließen: das Altenheim »Amtsgericht« Laubach. (Foto: Archiv)

Begründung laut RP: »nicht auf neuestem Stand der pflegerischen Technik«, »dem Betreiber ist es nicht gelungen, Sanierungs- und Investitionspläne vorzulegen.« Drastischer formuliert es der Leiter der Heimaufsicht, Joachim Evenius: »Eine interessen- und bedürfnisgerechte Versorgung war nicht gewährleistet. (...) Die Personalsituation war in fachlicher Hinsicht, aber auch, was die Anzahl angeht, völlig unzureichend.« Etwa 25 Bewohner müssen sich eine neue Bleibe suchen.

Das Altenheim befindet sich in einem denkmalgeschützten Gebäude, erbaut 1907, nach Angaben der Betreiber 1972 renoviert. Bis 1964 fand sich hier der Sitz des Amtsgerichts Laubach. Dass eine Sanierung in einem 105 Jahre alten Gebäude einen erhöhten Kostenaufwand bedeutet, liegt auf der Hand. Ein gewisser Charme, eine familiäre Atmosphäre ist dem »Seniorenhotel Amtsgericht« nicht abzusprechen. Ebensowenig der hohe Anspruch, wie er von dem Betreiber reklamiert wird. Zum »Pflegeleitbild« ist auf der Homepage zu lesen: »Unser primäres Ziel ist es, den Menschen, die in unserem Hause wohnen, größtmögliche Zufriedenheit und Lebensqualität zu erhalten und zu fördern. (...) Wir sichern den Bewohnern eine hohe Pflegequalität, indem die Mitarbeiter/innen des Hauses regelmäßig geschult werden unter Berücksichtigung der aktuellen pflegewissenschaftlichen Standards (...), indem wir ein motivierter und engagierter Partner im interdisziplinären Team sind.« Soweit der Anspruch.

Die Realität sieht nach den Erkenntnissen der Heimaufsicht anders aus, laut Behördenchef Evenius umfasst der bei Kontrollen erstellte Mängelkatalog nicht weniger als 30 Seiten. Nicht mal die Mindestanforderungen gemäß § 11 Heimgesetz würden eingehalten. Doch nicht nur die Qualität der Pflege lag nach Feststellung der Heimaufsicht im Argen: Nach Evenius hatte der Betreiber Schwierigkeiten, die Brandschutzanforderungen zu erfüllen, stellte das Gesundheitsamt »gravierende hygienische Mängel« fest, gab es Missstände beim Arbeitsschutz. Zuvörderst aus Sorge um die Bewohner sei denn auch der Heimbetrieb untersagt worden.

»Schlusspunkt erreicht«

Wie Evenius betonte, gab es mehr als einmal Hilfsangebote: »Seit zehn Jahren schon beraten wir, doch es gab immer neue Mängel, keine nachhaltige Veränderung. Jetzt ist der Schlusspunkt erreicht.« Seine Mitarbeiter würden bei der Suche nach neuen Heimplätzen natürlich behilflich sein, schloss der Leiter der Aufsichtsbehörde. Nach Informationen dieser Zeitung haben schon acht Bewohner in Heimen des Oberhessischen Diakoniezentrums in Laubach und Hungen eine Bleibe gefunden.

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