10. Dezember 2015, 18:03 Uhr

Tisch decken, Interesse wecken

Langgöns (chh). Gerade erst war sie bei »mieten, kaufen, wohnen« zu sehen. Nun hat uns Maria Niermeier erklärt, was es mit »Home Staging« auf sich hat.
10. Dezember 2015, 18:03 Uhr
Maria Niermeier in der frisch verkauften Wohnung. Mit einer dezenten Einrichtung hat sie auf Anhieb geschafft, was dem vorherigen Makler nicht gelungen ist. (Fotos: chh)

Home Stager? Klingt nach einem modernen Wort für Innenarchitekt. So wie Facility Manager für Hausmeister. So ist es aber nicht, sagt Maria Niermeier. Die 29-Jährige ist Home Stagerin. Und dass dieser Trend funktioniert, hat sie gerade in einer Wohnung in der Cleeberger Burg bewiesen.

Niermeier steigt die Treppen der ehemaligen Burg hinauf. Auf dem Weg nach oben erzählt sie, dass das Gebäude früher als Schule und später als Hotel genutzt wurde. 1982 seien dann die zwölf Wohnungen entstanden, von denen die 29-Jährige eine kürzlich eingerichtet hat. Also doch Innenarchitektin? Nein, sagt Niermeier. Der Home Stager richte die Wohnung nicht nach, sondern vor dem Kauf der Wohnung ein. Den Interessenten soll die Wohnung so schmackhaft gemacht werden. »Wenn man ein Auto verkaufen will, poliert man es vorher ja auch.«

Dritter Stock, die 29-Jährige öffnet die Tür. Der Esstisch ist mit feinem Geschirr und Weingläsern gedeckt, im Schlafzimmer ziert eine rote Decke das Bett. Hier und da finden sich Kerzen, Vasen, Bilder, auf einem Schreibpult liegen Federn. Im Wohnzimmer dient eine alte Truhe als Tisch. Die Wohnung könnte aus einem Katalog entsprungen sein.

Genau das sei es, was Home Staging ausmache, sagt Niermeier und setzt sich an den Esstisch. »Mit wenig Mitteln die Wohnung für den Verkauf attraktiv gestalten, den potenziellen Käufern gleichzeitig aber genügend Raum für eigene Vorstellungen lassen.«

Home Staging ist eine Marketinginstrument, das in den 70er Jahren in den USA entwickelt worden ist. Auf Wikipedia heißt es: »Home Staging ist eine Mischung aus Verkaufstechnik, ›Simplify your life» und Innenarchitektur mit dem Ziel, ein Haus oder eine Eigentumswohnung in einem kürzeren Zeitraum und mit mehr Erlös als mit konventionellen Methoden zu verkaufen.« Laut Niermeier ist Home Staging vor etwas acht Jahren nach Deutschland geschwappt. Und der Trend halte an.

Als Kind gerne eingerichtet

Der Grund für den Erfolg: »80 Prozent der Menschen können sich nicht vorstellen, wie eine leere Wohnung eingerichtet aussehen wird.« Die 29-Jährige gehört zu den anderen 20 Prozent, sagt sie. »Ich habe schon als Kind gerne eingerichtet. Mir war immer klar, dass ich etwas mit Immobilien machen möchte.« Und so kam es dann auch: Die Gießenerin ist gelernte Immobilienmaklerin, durch diese Arbeit hat sie auch das Home Staging kennengelernt. Eine Ausbildung gibt es nicht, Niermeier hat daher ein dreitägiges Seminar bei der Deutschen Gesellschaft für Home Staging und Redesign absolviert.

Dabei lernte sie unter anderem, dass weniger mehr sei. »Es macht keinen Sinn, in so einer kleinen Wohnung eine Kinderspielecke einzurichten.« Wichtig sei auch, jedem Raum eine Funktion zuzuordnen. Gleichzeitig müsse das Farbkonzept stimmen. »Rot und Grün passen gut zusammen, das sind Komplementärfarben. Fügt man Blau hinzu, passt es nicht mehr.« Generell müsse die Einrichtung neutral gehalten werden, schließlich sollen mehrere Geschmäcker angesprochen werden.

Das alles haben kürzlich auch viele Fernsehzuschauer erfahren. Das Aufhübschen der Cleeberger Wohnung war Thema im Vox-Format »mieten, kaufen, wohnen«. Darin war zu sehen, dass die Eigentümerin die Wohnung verkaufen wollte, um mit ihrem australischen Freund ein neues Leben zu beginnen. »Am Tag der Ausstrahlung war der Notar da. Eine junge Frau aus Lich hat die Wohnung gekauft«, freut sich Niermeier. Und hier zeige sich der Erfolg des Home Stagings auch am deutlichsten: Ein anderer Makler hätte zuvor ein halbes Jahr lang versucht, die Wohnung loszuwerden – ohne Erfolg. Niermeier hingegen habe die Wohnung bereits nach der ersten Besichtigung verkauft – und das für 20 000 Euro mehr, als der vorherige Makler verlangt hatte.

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