04. Januar 2013, 16:03 Uhr

Stadtarchiv Hungen künftig mit regelmäßigen Öffnungszeiten

Hungen (us). Der Umzug des Stadtarchivs in die neuen Räume auf Hof Grass ist so gut wie abgeschlossen. Künftig ist das Archiv für die interessierte Öffentlichkeit mittwochs von 15 bis 19 geöffnet.
04. Januar 2013, 16:03 Uhr
In diesen Rollschränken ruht das »Gedächtnis der Stadt«. Auf Hof Grass ist das Archiv mit seinen 30 00 Einzelakten seit vergangenem Herbst adäquat untergebracht. Archivbetreuer Erhard Eller hat lange darauf warten müssen. (Foto: us)

Manchmal muss man lange warten, bis Wünsche in Erfüllung gehen. Wer wüsste das besser als Erhard Eller. Seit 40 Jahren kümmert er sich um das Hungener Stadtarchiv, all die Jahre musste er sich mit Abstellräumen, Dachböden und Kellern arrangieren. Nun endlich ist der 68-Jährige am Ziel: Seit letztem Jahr sind die teils jahrhundertealten Dokumente, Bücher und Landkarten adäquat untergebracht: Auf Hof Grass in großzügigen und – ganz wichtig – wohltemperierten Räumen oberhalb des Restaurants. Hier ist auch Platz für Besucher: Von kommender Woche an ist das Archiv mittwochs von 15 bis 19 Uhr geöffnet.

Als Amtsleiter bei der Stadt Hungen ist Eller vor gut drei Jahren in den Ruhestand gegangen. Aber das Archiv ist ihm ans Herz gewachsen, er betreut es als Pensionär weiter. An seinem Aufbau hatte er maßgeblichen Anteil, denn nach der Gebietsreform mussten die Bestände der elf Stadtteile gesichtet und geordnet werden. Das Archiv der Kernstadt war damals schon erschlossen. Diese Arbeit hatte seit Ende der 1950-er Jahre die damalige Hessische Archivberatungsstelle im Vorfeld der 600-Jahr-Feier Hungens (1961) erledigt.

Wasserschaden und Schimmel

Doch die Unterbringung der Archivalien war, wie Eller erzählt, lange Jahre unbefriedigend. Vor allem in der Kernstadt. Weil die Verwaltung ständig mehr Platz brauchte, wanderten die Bestände durchs Rathaus. Vom ersten Stock unters Dach und dann weiter in den Keller. Dort trat irgendwann ein Wasserschaden auf, die Papiere begannen zu schimmeln. Wohin also damit? Verschiedene Möglichkeiten – das Rathaus in Utphe oder die alte Schule in Steinheim – wurden aus statischen Gründen verworfen, Papier wiegt eben schwer. Der Umbau von Hof Grass durch die OVAG war da ein echter Glücksfall. 1,4 Millionen Euro hat der Neubau gleich rechts vom Eingang, der im Erdgeschoss die Gastronomie beherbergt, gekostet. Dank Konjunkturprogramm konnte sich die Stadt für 300 000 Euro im Obergeschoss einkaufen.

Hier ist Eller Herr über drei Magazinräume, die sich peu à peu gefüllt haben. Mitarbeiter des Bauhofs und Helfer der Feuerwehr haben die Umzugskartons mit den Archivalien nach Hof Grass gebracht, wo sie mit einem Gabelstapler durchs große Fenster in den ersten Stock gehievt wurden. Monatelang war Eller mit Einräumen beschäftigt.

In dem mit 90 Quadratmetern größten Magazinraum haben alle Altarchivalien in praktischen Rollregalen Platz gefunden. 30 000 Einzelakten (so genannte Faszikel) sind hier in 5000 Konvoluten (Aktenpakete) geordnet. Orientierung bieten die Findbücher, die für sämtliche Stadtteile vorliegen.

Ältestes Dokument ist übrigens ein Gerichtsbuch von 1410. Zu den Schätzen gehören auch eine 1571 gedruckte Solms’sche Gerichtsordnung oder handgezeichnete Flurkarten. Die jüngsten Bestände stammen aus den 1970-er oder 80-er Jahren. »Die Bauakten der Stadthalle zum Beispiel sind schon im Archiv«, erzählt Eller.

Einige Regale sind noch leer, die Archivalien aus zwei Stadtteilen fehlen auf Hof Grass. Die Bestände aus Trais-Horloff sollen in Kürze eingegliedert werden, die aus Villingen bleiben zunächst vor Ort, mit Rücksicht auf den dort sehr rührigen Heimatkundlichen Arbeitskreis.

In den beiden kleineren Magazinräumen sind Dinge untergebracht, die noch nicht verzeichnet sind, außerdem das Zeitungsarchiv, Fotos, einige alte Filme. Ein Bildarchiv möchte Eller gerne noch aufbauen. Eine kleine Präsenzbibliothek mit allgemeinen geschichtlichen Darstellungen und Nachschlagewerken hat er in Kooperation mit der Stadtbücherei bereits zusammengestellt. Zudem will der 68-Jährige die neuen Räume für Ausstellungen, Vorträge oder Filmabende nutzen.

Dass das »Gedächtnis der Stadt« endlich eine adäquate Heimstatt gefunden hat, freut ihn sehr. »Geschichte bildet sich vor allem anhand von schriftlichen Dokumenten ab«, sagt er. Sie seien es wert, sicher aufbewahrt zu werden.

Von Januar an ist das Hungener Stadtarchiv immer mittwochs von 15 bis 19 Uhr geöffnet, zum ersten Mal am 9. Januar. Darüber hinaus können die Archivbestände auch nach Vereinbarung eingesehen werden. Über die Bestände gibt es Findbücher, in denen sämtliche vorhandenen Amtsbücher, Akten, Karten und Pläne usw. aufgelistet sind. Die Findbücher stehen elektronisch zur Verfügung: www.kreisarchiv-
giessen.findbuch.net . Hier kann man sich gezielt über die vorhandenen Bestände informieren und somit eine Einsichtnahme vorbereiten. Das Archiv ist über die Stadtverwaltung Hungen zu erreichen unter Telefon 06402/85-0 oder via E-Mail stadtarchiv@hungen.de.

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