20. Februar 2015, 19:03 Uhr

Hungener Bahnhof ist jetzt Firmensitz von PNL

Hungen (us). Nach umfassender Modernisierung ist das Hungener Bahnhofesgebäude seiner neue Bestimmung übergeben worden. Es ist jetzt Firmensitz der Planungsgruppe Natur und Landschaft.
20. Februar 2015, 19:03 Uhr
PNL-Geschäftsführer Frank Bernshausen, der letzte Bahnhofsvorsteher Manfred Klein, Ortsvorsteher Joachim Heinzerling und Bürgermeister Rainer Wengorsch vor dem modernisierten Bahnhofsgebäude. (Foto: Ursula Sommerlad)

Bevor Frank Bernshausen den Führerschein machte, war der Hungener Bahnhof für ihn das Tor zur großen, weiten Welt. Als Jugendlicher, der auf den Zug wartet, hätte er sich niemals träumen lassen, dass er mehr als 30 Jahre später wieder in diesem Gebäude sitzen würde – diesmal allerdings als Chef eines mittelständischen Unternehmens. Heute ist Bernshausen einer der Geschäftsführer des Planungsbüros Natur und Landschaft (PNL) und der einstige Bahnhof der Hauptsitz des Unternehmens. PNL hat das Gebäude langfristig von der Stadt Hungen gemietet. Zuvor war es umfassend renoviert worden.

Hohe Kosten, wenig Zuschüsse

Bürgermeister Rainer Wengorsch erinnerte gestern bei der offiziellen Einweihung an die langwierigen Bauarbeiten. 2007 hatte die Stadt das denkmalgeschützte Empfangsgebäude erworben, das sich in einem schlechten Zustand befand. An den Umbau in Büros hatte damals niemand gedacht. Stattdessen sollten das städtische Bürgerbüro, Reise-Dienstleister und Gastronomie einziehen. Als sich herausstellte, dass sich dieser Plan nicht realisieren ließ, hatte der Umbau schon begonnen. Er musste umgeplant und auch neu genehmigt werden, die Arbeiten ruhten monatelang. Vor diesem Hintergrund zeigte sich Wengorsch erleichtert, dass ein langfristiger Mietvertrag für das Gebäude abgeschlossen werden konnte. Insofern gestalte sich der Umbau für die Stadt auch unter wirtschaftlichen Aspekten positiv.

Die Modernisierung sei in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz in Angriff genommen worden. Der Bahnhof sei kein Repräsentationsbau, habe aber mit dem Gesims und den Rundfenstern als einzigem Schmuck eine ganz besondere Ausstrahlung. Im Inneren sei auf den Erhalt der hölzernen Treppe besonderer Wert gelegt worden.

Die Kosten für den Umbau bezifferte der Bürgermeister auf 2,1 Millionen Euro. Die Stadt musste den ganz überwiegenden Teil dieser Summe aus eigener Kraft stemmen, die Zuschüsse von Bund und Land beliefen sich laut Wengorsch auf insgesamt 162 000 Euro – nicht gerade üppig. Er sei sich nicht sicher, ob die städtischen Gremien dem Umbau zugestimmt hätten, wenn sie das im Vorhinein gewusst hätten, bemerkteder Bürgermeister. Aber der Umbau selbst sei gelungen, das renovierte Gebäude werte das ganze Quartier erheblich auf und eröffne Möglichkeiten zu dessen Weiterentwicklung.

Das Umfeld des Bahnhofs habe durch Busbahnhof und die Park&Ride-Anlage bereits gewonnen und werde durch die bevorstehende Erneuerung von Raiffeisenstraße und der Straße Zum Bahnhof weiter verbessert. Wengorsch kündigte an, dass Bahn und Rhein-Main-Verkehrsverbund die Lahn-Kinzig-Bahn modernisieren wollen. Geplant seien eine Anhebung des Bahnsteigs 2, die behindertengerechte Gestaltung durch Einbau eines Aufzugs und eine Untertunnelung. Damit wären die im Norden gelegenen Wohnviertel und vor allem die Gesamtschule vom Bahnhof aus schneller zu erreichen.

Der Bürgermeister ließ die Geschichte des 1869 eröffneten Bahnhofs Revue passieren und unterstrich dessen einstige Bedeutung als Verkehrsknotenpunkt mit Zügen, die nach Gießen und Nidda, nach Laubach, Mücke und Friedberg verkehrten, mit einer schier unglaublichen Zahl: Am 3. Oktober 1890 seien hier sage und schreibe 1744 Fahrkarten verkauft worden – Tagesrekord!

Jetzt ist das Gebäude fest in der Hand von Naturwissenschaftlern und Ingenieuren. Wie Geschäftsführer Frank Bernshausen erläuterte, hat die 1994 gegründete Planungsgruppe Natur und Landschaft mittlerweile mehr als 30 Mitarbeiter. Das Unternehmen sei ein bundesweit agierendes Beratungsunternehmen im Bereich Ökologie, Infrastruktur-Planung und kommunale Planung. »Falls Sie mal eine Autobahn bauen wollen, wir machen bei der Planung den umweltlichen Teil«, sagte Bernshausen zu den zahlreichen geladenen Gästen, die sich dort versammelt hatten, wo früher die Bahnhofsgaststätte untergebracht war. Heute befindet sich hier ein Konferenzraum.

Letzter Bahnhofsvorsteher zu Gast

Ein Besucher wurde ganz besonders begrüßt: Manfred Klein. Er war von 1971 bis 1979 Bahnhofsvorsteher in Hungen. Der letzte seiner Art, denn danach wurde die Dienststelle aufgelöst. Klein arbeitete dann zwar in Gießen, doch Hungen blieb sein Zuhause. Mehr als 36 Jahre bewohnte er die Dienstwohnung im Obergeschoss des Bahnhofsgebäudes. Erst 2008 sind er und seine Frau ausgezogen. Knapp drei Jahre später begann der große Umbau.

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