19. Dezember 2014, 17:53 Uhr

Ev. Stadtkirche Hungen: Bauarbeiten beendet

Hungen (us). Rechtzeitig zu Weihnachten ist die Dachsanierung an der evangelischen Kirche beendet. Zeit- und Kostenrahmen wurden eingehalten.
19. Dezember 2014, 17:53 Uhr
Das Gerüst ist weg: Pfarrer Kleinert (links), Architekt Schulteß (Mitte) und die Kirchenvorstandsmitglieder Bernd Sommer, Anke Erbeck und Gertraud Brühl sind froh, dass die Bauarbeiten an der Stadtkirche pünktlich zu Weihnachten abgeschlossen werden konnten. (Foto: Ursula Sommerlad)

Die Orgel ist seit dem Ewigkeitssonntag wieder bespielbar, das Gerüst wurde kurz vorm Adventskonzert abgebaut, und wenn in wenigen Tagen in der evangelischen Stadkirche Weihnachten gefeiert wird, dann werden die Hungener ihr Gotteshaus so wiederfinden, wie sie es gewohnt sind. Davon konnte im vergangenen Dreivierteljahr nicht die Rede sein. Seit März war die Kirche eingerüstet, auf der Empore standen Stützbalken, und die Orgel war zum Schutz vor Staub und Schmutz gut eingepackt. Grund für all diese Maßnahmen war die Sanierung des Kirchendachs. Die maroden Eichenbalken des Dachstuhls mussten ausgetauscht werden. Eile tat not, denn die Statik war gefährdet.

Nun sind die Arbeiten so gut wie beendet, Pfarrer Marcus Kleinert und der Kirchenvorstand können erstmal erleichtert aufatmen. Zeit- und Kostenrahmen wurden eingehalten, berichteten Kleinert und die Bauausschussmitglieder Gertraud Brühl und Bernd Sommer am Donnerstag bei einem Pressegespräch. Keine Selbstverständlichkeit, denn das Dach des Kirchenschiffes wurde entgegen der ursprünglichen Planung komplett neu eingedeckt. Dass die umfangreichen Arbeiten letztlich so glatt über die Bühne gegangen sind, verdankt die Kirchengemeinde vor allem einem Mann: Architekt Ulrich Schulteß habe die Dachsanierung »kompetent und mit der notwendigen Portion Gelassenheit« begleitet, lobte der Pfarrer.

Auch Schulteß wusste am Anfang nicht so genau, was ihn erwartete. Es gab eine Voruntersuchung der Kirchenverwaltung, die Schäden im Bereich des Dachfußes festgestellt hatte; dort, wo die Dachbalken auf die Sparren treffen. Zudem war teilweise das Mauerwerk ausgebrochen. Den Kostenplan habe er nach dem erstellt, »was ich wusste und was ich vermutete«, sagt Schulteß. In so einer Situation sei eine ständige Kostenkontrolle »das A und O«.

Günstige Ausschreibungsergebnisse

Der Architekt berichtete, dass die Arbeiten gut begonnen hatten: mit günstigen Ausschreibungsergebnissen. Auf der Südseite ging es dann los. Man habe die Stuckdecke von der Empore aus abgestützt und von oben einen Balken nach dem anderen ausgetauscht. Auch die schadhaften Mauerlatten wurden erneuert. Die Stuckdecke sei teilweise nur noch von den Stützen gehalten worden, erinnert sich Schulteß. Später habe sie der Resataurator wieder an die Dachkonstruktion angehängt und auch den beschädigten Wandputz so ausgebessert, »dass er wieder alt aussieht«. Nicht nur überm Kirchenschiff, sondern auch am so genannten Schneckenturm, wiesen die Balken Schäden auf, große Löcher, die irgendwann in den 1960-er Jahren mal mit Beton geflickt worden waren. Auch hier wurde alles durchrepariert. Nun stimmt die Statik wieder, und der Denkmalschutz kam ebenfalls zu seinem Recht.

Die schwierigste Entscheidung hatte der Kirchenvorstand mitten im Sommer zu treffen. Da stellte sich heraus, dass das ganze Dach fehlerhaft gedeckt war, die Schieferschindeln waren flacher verlegt, als es nach »altdeutscher Deckung« notwendig wäre. Was also tun? Nur die schadhaften Teile der Schieferdeckung austauschen und irgendwie an den Rest anflicken? Oder alles komplett erneuern? Die Gremien der Kirchenverwaltung in Darmstadt hatten Ferien, und so entschied die Hungener Gemeinde auf eigene Faust, das Kirchendach in Gänze neu eindecken zu lassen. Eventuelle Mehrkosten würde man notfalls auf die eigene Kappe nehmen. Rückblickend weiß der Kirchenvorstand: Das Wagnis hat sich ausgezahlt. Mehrkosten, die an der Südseite entstanden, konnten auf der deutlich besser erhaltenen Nordseite des Daches wieder eingespielt werden. Mit knapp 448 000 Euro liegen die Hungener im Plan und sind zuversichtlich, dass sie den von der Kirchenverwaltung in Aussicht gestellten 80-prozentigen Zuschuss zu den Baukosten bekommen werden. Ihr eigener Anteil beträgt etwa 90 000 Euro. Gut ein Drittel davon ist bislang bei der Spendenaktion »gut beDACht« eingespielt worden. Dem Fundraising-Ausschuss des Kirchenvorstands geht also die Arbeit nicht aus. »Wir machen weiter«, versicherte Anke Erbeck.

Auch der Bauausschuss kann die Hände nicht in den Schoß legen. Überm Chor und dem Glockenturm wölbt sich noch das alte Dach. Es muss in absehbarer Zeit ebenfalls erneuert werden. Auf die Dienste von Architekt Schulteß werden die Hungener dann zu ihrem großen Bedauern aber verzichten müssen. Der 67-Jährige aus Friedberg visiert ein anderes Projekt an: den Ruhestand.

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