23. November 2009, 17:06 Uhr

550 Jahre altes Gebäude wird fit gemacht für die Zukunft

Hungen (us). Für Denkmalschützer ist ein Bauherr wie Wolfgang Wagner ein wahr gewordener Traum: Der Eigentümer des vermutlich ältesten Fachwerkhauses von Hungen in der Bitzenstraße 36 denkt bei der bevorstehenden Sanierung nicht vordringlich an das Geld und auch nicht an die viele Arbeit, die er in den kommenden Jahren in das Gebäude investieren muss. Für ihn ist der kulturelle Wert entscheidend. Das Haus ist 550 Jahre alt, und Wagner möchte seinen Teil dazu beitragen, dass es weitere Jahrhunderte Bestand haben kann.
23. November 2009, 17:06 Uhr
Das wohl älteste Fachwerkhaus Hungens soll saniert werden. Bauherr Wolfgang Wagner (3. von rechts) setzt dabei auf Unterstützung durch Denkmalpflege und Stadtsanierung. Ein bauhistorisches Gutachten bildet die Grundlage für die weiteren Planungen. Wagner stellte es im Beisein von (von links) Hans Weihrauch (Stadtsanierung), Bürgermeister Weber, Barbara Steuernagel (Untere Denkmalschutzbehörde), Wolfgang Isack (Stadtsanierung) und Architekt Axel Adelmann vor. (Foto: us)

Hungen (us). Für Denkmalschützer ist ein Bauherr wie Wolfgang Wagner ein wahr gewordener Traum: Der Eigentümer des vermutlich ältesten Fachwerkhauses von Hungen in der Bitzenstraße 36 denkt bei der bevorstehenden Sanierung nicht vordringlich an das Geld und auch nicht an die viele Arbeit, die er in den kommenden Jahren in das Gebäude investieren muss. Für ihn ist der kulturelle Wert entscheidend. Das Haus ist 550 Jahre alt, und Wagner möchte seinen Teil dazu beitragen, dass es weitere Jahrhunderte Bestand haben kann.

Allein könnte er sein Ziel jedoch nicht erreichen. Deshalb ist er froh, dass das Projekt über die Altstadtsanierung gefördert werden kann. Zudem haben die Untere Denkmalschutzbehörde beim Landkreis und das Landesamt für Denkmalpflege ihre Bereitschaft signalisiert, das Projekt zu unterstützen. Sie haben bereits Zuschüsse zu einem bauhistorischen Gutachten gewährt, das Aufschlüsse über die Baugeschichte gibt und auch die Entstehungszeit bis aufs Jahr genau datiert: 1465 ist das Fachwerkhaus an dieser markanten Ecke errichtet worden.

Über die ersten Besitzer weiß Wagner nichts. Soviel aber steht fest: Sehr viel Platz werden sie in dem stattlichen Bau wohl nicht für sich beansprucht haben. Eine Stube und eine Küche standen zum Wohnen zur Verfügung. Ansonsten war das Haus offen und wurde - so vermutet Gutachter Dr. Hans-Hermann Reck - für Handwerk und als Lager genutzt. Mit seinem stark vorkragenden Obergeschoss, dem steilen Giebel und dem enormen Eckbalken, der einen Querschnitt von bald einem halben Meter hat, sei das Haus ein typischer Vertreter der spätmittelalterlichen Ständerbauweise, erläuterte Wagner. Nicht erhalten, aber noch zu lokalisieren ist das so genannte »Freigesperre« vor dem Giebel, das im Zuge der Sanierung nach Möglichkeit rekonstruiert werden soll. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Haus mehrfach verändert. 1618 entstand eine Scheune, die - eine Seltenheit - bis heute erhalten geblieben ist. 1658 wurde die gesamte Südwand erneuert und im vorderen Teil um 25 Zentimeter gekürzt, so dass der Grundriss seither nicht mehr ganz rechteckig ist. Eine tiefgreifende Veränderung erfuhr das Gebäude 1737: Es wurde geteilt, neue Wände und ein neuer Eingang entstanden. Von 1808 datieren die Ställe aus Eichen-Steckbohlen, die Haus und Scheune verbinden. Und 1887 griffen die damaligen Eigentümer noch einmal tief in die Bausubstanz ein, indem sie das Fachwerk erneuerten. »Ein gründerzeitlicher Baukörper wurde in den alten Bestand integriert«, erläuterte Wagner. Er selbst hat die hintere Haushälfte bereits 1984 gekauft und ausgebaut. Im vergangenen Jahr erwarb er auch die andere Hälfte, die nun peu à peu saniert werden soll. Dabei will sich der Bauherr nicht hetzen lassen. Er schätzt, dass bis zur Fertigstellung etwa drei Jahre ins Land gehen können. Aber dann - davon ist er überzeugt - »ist das hier ein ganz tolles Haus«. Im übrigen sei die Sanierung auch dringend nötig. Denn in Sachen Statik habe man in den letzten hundert Jahren in diesem Haus »auf Pump« gelebt. Einige Veränderungen im Fachwerk müssten rückgängig gemacht werden, um das Gebäude zu stabilisieren. Ansonsten hat Wagner nicht vor, das Haus in seinen Urzustand zurückzuversetzen. Die Baugeschichte soll weiterhin nachzuvollziehen sein. Auch die Zweiteilung bleibt bestehen. Der bereits sanierte hintere Teil wird schon im kommenden Frühjahr wieder bewohnbar sein. Wenn auch die vordere Partie fertig ist, werden zwei Wohnungen mit jeweils rund 90 Quadratmetern zur Verfügung stehen.

Bürgermeister Klaus Peter Weber, Barbara Steuernagel von der Unteren Denkmalschutzbehörde sowie Wolfgang Isack und Hans Weihrauch als Vertreter der Stadtsanierung) zeigten sich bei der Vorstellung des Gutachtens glücklich, einen so engagierten Bauherren gefunden zu haben. Mit dem vorliegenden bauhistorischen Gutachten könne Architekt Axel Adelmann nun ins Detail gehen und die Sanierung planen.

Bauherr Wagner ist überzeugt, dass sich die Arbeit lohnt. Man dürfe eben nur nicht die rein ökonomische Brille aufsetzen. Das Haus gehöre zum kulturellen Erbe der Stadt und des ganzen Landes. »Beim Kölner Dom fragt doch auch keiner, ob sein Erhalt wirtschaftlich ist.«

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