03. Februar 2010, 18:32 Uhr

Winterfreuden im Kreis Gießen: Schulfrei für über 2000 Kinder

Gießen/Grünberg (tb/so). Welch’ ein Pennälerleben: Am Montag vielerorts »Beweglicher Ferientag«, am Mittwoch allenthalben Stillstand auf den Straßen – zumindest für alles, was unter »Schulbus« firmiert. Wegen Schnee und Eis nahmen gestern Früh mehrere Verkehrsunternehmen den Betrieb zunächst nicht auf. Die Folge: Sechs Schulen im Landkreis Gießen blieben komplett geschlossen, an anderen hatten zumindest die »Fahrschüler« frei, für weit über 2000 Kinder und Jugendliche zeigte sich der Winter so von seiner schönen Seite. Vor allem Pendler sahen das natürlich anders.
03. Februar 2010, 18:32 Uhr
Schnee und Eis behinderten gestern vielerorts den Busverkehr, an sechs Schulen im Kreis Gießen fiel der Unterricht komplett aus – die Schneefräse (hier bei Königsberg im Einsatz) kam da zu spät.

Gießen/Grünberg (tb/so). Welch’ ein Pennälerleben: Am Montag vielerorts »Beweglicher Ferientag«, am Mittwoch allenthalben Stillstand auf den Straßen – zumindest für alles, was unter »Schulbus« firmiert. Wegen Schnee und Eis nahmen gestern Früh mehrere Verkehrsunternehmen den Betrieb zunächst nicht auf. Die Folge: Sechs Schulen im Landkreis Gießen blieben komplett geschlossen, an anderen hatten zumindest die »Fahrschüler« frei, für weit über 2000 Kinder und Jugendliche zeigte sich der Winter so von seiner schönen Seite. Vor allem Pendler sahen das natürlich anders.

Wie bereits gestern berichtet, hatte das Laubach-Kolleg schon früh die Reißleine gezogen, hatte ob der Wetterprognosen am Dienstag den Unterricht am Mittwoch abgesagt. An der wenige hundert Meter entfernten Friedrich-Magnus-Gesamtschule wie auch an der Grundschule sahen die Schulleitungen davon ab. An Letzterer, so Rektorin Judith Markus, durften sich vor allem die »Fahrschüler« freuen: Die Busse aus Röthges und Gonterskirchen fuhren ebensowenig wie jene aus Lauter (hier allerdings nur die zweite »Fuhre«, was in Einzelfällen zu einem Riss quer durch die Familien führte). Nicht anders an der »Schule am Diebsturm« in Grünberg: Mangels Schülerbustransport blieb hier gar jede zweite Bank leer.

TKS: VGO nach 16 Uhr nicht mehr zu erreichen

In Rodheim-Bieber war am frühen Dienstagabend entschieden worden, aufgrund der Wetterlage den Unterricht ausfallen zu lassen. Eltern erfuhren davon rechtzeitig per Telefon-Rundruf. Zum Einzugsgebiet gehören auch Vetzberg und Königsberg. Im benachbarten und etwas höher gelegenen Fellingshausen fand Unterricht statt; ob auch alle Frankenbacher und Krumbacher die Schulbank drückten, war gestern nicht in Erfahrung zu bringen. Definitiv unterrichtsfrei hatten alle jene, die im benachbarten Lahn-Dill-Kreis, etwa in Erda, eine Schule besuchen.

Weniger die Unbilden der Natur denn Schwächen in der betrieblichen Organisation sorgten an der Theo-Koch-Schule Grünberg für Ärger: »Am Dienstag, nach 16 Uhr, schlugen alle Versuche fehl, mit der Verkehrsgesellschaft Oberhessen (VGO) Kontakt aufzunehmen, um frühzeitig über einen eventuellen Unterrichtsausfall informieren zu können«, beklagte sich TKS-Direktor Stündl. Der Leiter der mit 1650 Schülern kreisweit größten »Penne« erreichte unter allen Nummern stets nur die »Blechelse«. Auch unter den Anschlüssen, die ihm von der VGO – Betreiberin der regionalen Hauptlinien – ausdrücklich für die Zeit nach 17 Uhr genannt worden seien. Die Entscheidung ward also vertagt.

Mittwoch früh, ab 5.30 Uhr, hängten sich Stündl und dessen Stellvertreter Wolf erneut ans Telefon. Anders als die Verkehrsgesellschaft Oberhessen (im Besitz der Kreise Gießen, Wetterau, Vogelsberg) seien private Unternehmen, aber auch die »Hessische Landesbahn« (seit 2009 Betreiber des Grünberger Linienbündels) früher zu erreichen gewesen. Um 6.40 Uhr war klar: Die Hauptlinien werden nicht bedient. Umgehend informierte Stündl die hessischen Hörfunksender. Viele wurden so erreicht. Doch nicht alle: Der Leiter der Gesamtschule am Rande des Vogelsberges schätzt die Zahl der Anrufe auf »einige hundert«, die im Sekretariat an drei Apparaten eingingen. »Am Schluss haben wir auf die Begrüßung verzichtet, nur noch gesagt: ›Schule fällt aus‹.«

Insgesamt fiel gestern im Kreis Gießen an sechs Schulen der Unterricht komplett aus. Heinz Kipp, Leiter des Staatlichen Schulamtes Gießen, nannte auf Nachfrage neben dem Laubach-Kolleg und der TKS die Grundschulen Rodheim-Bieber und Allendorf / Lumda, die Förderschulen in Rodheim-Bieber und Großen-Buseck.

Kipp: Schulen müssen Betreuung organisieren

Kipp verwies auf die unsicheren Prognosen des Wetterdientes vom Dienstag, wonach erst in Höhenlagen ab 300 Meter damit zu rechnen gewesen sei, dass es die Streu- und Räumdienste nicht schaffen. Von daher sagte das Schulamt am Dienstag für den gesamten Vogelsbergkreis bereits den Unterricht ab, überließ es im Kreis Gießen aber jeder einzelnen »Lehranstalt«. Der Behördenleiter stellte abschließend klar, dass die Schulen grundsätzlich für eine Betreuung zu sorgen hätten – eben für jene Kinder, die zu spät vom »schneefrei« erfahren und vor der verschlossenen Klassentür stehen. An der TKS hielt sich die Zahl in Grenzen, nur für ein gutes Dutzend, so wieder Stündl, musste die Mensa aufgeschlossen werden.

»Es sah schon übel aus«, räumte Gerhard Muth-Born von der VGO ein. Verspätungen gab es gestern früh bei den Bussen allerorten zu vermelden. Vor allem aus den höheren Lagen im Raum Grünberg und Rabenau (dort waren einige Straßen gar komplett gesperrt), aber auch aus Lich, Linden und Pohlheim; allein aus Pohlheim gingen im VGO-Service-Zentrum 50 Beschwerden ein. Bis zum Mittag hatte sich die Lage aber auch dort normalisiert.

Der Regionalverkehr Kurhessen, der etliche Überlandstrecken bedient, hatte angesichts der Glätte entschieden, die Busse erst gegen 8 Uhr auf die Straßen zu lassen. Muth-Born sprach von einer »nachvollziehbaren Entscheidung«. Schließlich gehe Sicherheit vor. Und: Letztlich entscheide ein Fahrer, der die Strecken und das Fahrzeug kenne, ob er eine bestimmte Straße befahre oder eben nicht.

VGO: Heute wieder planmäßig, es sei denn ...

Wie die VGO gestern Nachmittag dann mitteilte, sei davon auszugehen, dass der Busverkehr im Kreis Gießen am Donnerstag wieder weitgehend planmäßig verkehrt. Freilich gelte es abzuwarten, was die Nacht bringt. Sollte der angetaute Schnee wieder anfrieren, so VGO-Geschäftsführer Armin Klein, könne es aber wieder zu unvorhergesehenen Beeinträchtigungen kommen.

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