06. Juli 2008, 23:20 Uhr

Am Einweihungstag stieg fast jeder zweite Göbelnroder zu

Grünberg (bf/tb). 39 Jahre nach Eröffnung des Zugverkehrs auf der Strecke Gießen - Grünberg am 29. Dezember 1869 erhielt die kleine Gemeinde Göbelnrod mit damals 247 Einwohnern einen eigenen Bahnhof. Dieser wurde am 1. Juli 1908 für den Personen- und Gepäckverkehr eröffnet und am folgenden Sonntag, dem 5. Juli 1908 - fast auf dem Tag vor 100 Jahren - feierlich der Öffentlichkeit übergeben.
06. Juli 2008, 23:20 Uhr

Grünberg (bf/tb). 39 Jahre nach Eröffnung des Zugverkehrs auf der Strecke Gießen - Grünberg am 29. Dezember 1869 erhielt die kleine Gemeinde Göbelnrod mit damals 247 Einwohnern einen eigenen Bahnhof. Dieser wurde am 1. Juli 1908 für den Personen- und Gepäckverkehr eröffnet und am folgenden Sonntag, dem 5. Juli 1908 - fast auf dem Tag vor 100 Jahren - feierlich der Öffentlichkeit übergeben.

 

Vorausgegangen war ein Jahr zuvor ein Beschluss des Gemeinderats zum Bau und auch zur Bereitstellung der erforderlichen Finanzmittel in Höhe von 7000 Mark. Für die damalige Zeit eine riesige Summe und enorme Belastung, musste die Gemeinde für die Errichtung des Haltepunktes einschließlich des Gebäudes doch ganz alleine aufkommen.

»lang gehegter Wunsch und ein Bedürfnis«

Der »Grünberger Anzeiger« (die heutige »Heimat-Zeitung«) schrieb damals, die Errichtung des Haltepunktes sei für die Einwohner von Göbelnrod ein lang gehegter Wunsch und ein Bedürfnis gewesen. Als nur ein Beleg diente eine beeindruckende Zahl: Am Einweihungstag »verkehrten 110 Personen als Reisende am Haltepunkt Göbelnrod.«

Nicht nur ein bequemeres Reisen war mit dem Anschluss an das Schienennetz verbunden, es fanden auch viele Bürger von Göbelnrod in den vergangenen 100 Jahren Arbeit und Einkommen bei der Eisenbahn. Stationsvorsteher, Schrankenwärter, Schalterbeamte - die sogenannten Fahrkartenverkäufer - waren am und im Bahnhof beschäftigt. Andere pendelten nach Gießen oder anderswo und hatten dort ihr Auskommen als »Eisenbahner«.

Mit dem Einsetzen der vielfältigen Struktur- und Verwaltungsreformen bei der Bahn war in den 1970er Jahren auch die Haltestelle Göbelnrod betroffen. Das Personal wurde abgezogen und auch die Schließung und Aufhebung des Haltepunktes, verbunden mit dem Abbruch des Bahnhofs, standen in der Diskussion. Der damalige Ortsbeirat (man war zwischenzeitlich Stadtteil von Grünberg geworden), maßgeblich unterstützt durch Bürgermeister Herzog, konnte den Erhalt des Gebäudes sichern, indem man sich seitens der Kommune zur Instandhaltung und Pflege verpflichtete. Dies wurde sogleich auch in die Tat umgesetzt und der mittlerweile etwas in die Jahre gekommene Bahnhof erhielt wieder ein schmuckes und freundliches Aussehen.

Diese Maßnahmen wurden auch in den nachfolgenden Jahren wiederholt, und so strahlt heute das kleine und bescheidene Fachwerk-Bahnhofsgebäude in hellem Glanz. Der ursprüngliche Wartesaal dient derzeit einem unmittelbaren Anrainer als kleine Werkstatt, der ehemalige Schalterraum wurde zum Wartebereich für die Bahnreisenden.

Heute: Haltepunkt steht zur Disposition

Nachsatz: Die Strecke Gießen - Grünberg wurde nach der Eröffnung 1869 alsbald erweitert, über Alsfeld bis nach Fulda - die heutige »Vogelsbergbahn«. Im Zuge des weiteren Ausbaus erhielt auch Lehnheim, damals noch dem Altkreis Alsfeld zugehörig, einen Bahnhof. Dieser wurde unterdessen abgerissen, und bekanntlich stehen kleine Haltepunkte wie Lehnheim und Göbelnrod, 2006 ohnedies mit dem Verlust von Haltezeiten »beschert«, zugunsten schnellerer Verbindungen zwischen Fulda und Gießen grundsätzlich zur Disposition, wie ein RMV-Sprecher im Januar bestätigte.

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