11. November 2009, 21:04 Uhr

Hanno Müller mit Hessischem Verdienstorden ausgezeichnet

Fernwald (agl/pm). »Sie haben Geschichte nicht nur in Erinnerung gerufen, sondern auch fassbar gemacht.« Der hessische Innenminister Volker Bouffier würdigte am Mittwochabend im Sitzungssaal der Fernwaldhalle in Steinbach die herausragenden Leistungen Hanno Müllers in der Dokumentation der Heimatgeschichte sowie bei der Aufarbeitung und Aufklärung der jüdischen Geschichte.
11. November 2009, 21:04 Uhr
Innenminister Volker Bouffier (rechts) zeichnete Hanno Müller aus. (Foto: agl)

Während einer Feierstunde vor zahlreichen Gästen verlieh Bouffier dem Steinbacher den Hessischen Verdienstorden am Bande.

Bouffier und Bürgermeister Matthias Klose erinnerten daran, dass vor einem Jahr vor der Steinbacher Kirche eine Gedenktafel für in Steinbach geborene Opfer des Nationalsozialismus enthüllt wurde, und daran, dass Müller Initiator dafür gewesen ist. Diese Tafel bedeute Respekt und Hochachtung vor den Ermordeten, so Bouffier. Bezüglich Müllers ehrenamtlicher dokumentarischer Arbeit sagte er: »Sie sind eigentlich ausgelastet gewesen an der Schule.« Bis zu seiner krankheitsbedingten Pensionierung im Jahre 2002 war Müller als Realschullehrer an der Gebrüder-Grimm-Schule in Kleinlinden tätig. Zudem habe sich der Steinbacher seit Jahrzehnten ehrenamtlich engagiert.

Müllers dokumentarisches Wirken mache selten Schlagzeilen, er stehe selten auf der Bühne, arbeite vielmehr im Stillen für ein Werk, dass in weiten Teilen der Gesellschaft nicht gerade bekannt sei. »Da muss jemand ein ganzes Stück besessen sein, um das durchzuhalten«, sagte Bouffier und attestierte Müller ein »hohes wissenschaftliches Niveau« und »größte Akkuratesse«. Er habe etwas unternommen, das mehr sei, als man mit Geld ausdrücken könne. Bouffier verband die Auszeichnung mit Dank - auch an Müllers Familie -, Anerkennung und Respekt für Hanno Müller, wünschte ihm alles Gute für die Zukunft und nannte ihn ein Vorbild.

Klose ging insbesondere darauf ein, dass sich Müller intensiv mit der jüdischen Geschichte beschäftigt. In Bezug auf die Opfer des NS-Regimes sorge Müller dafür, dass sie »nicht zum zweiten Mal ermordet und vertrieben werden - aus der Erinnerung und Geschichte unseres Heimatortes«. Müller ist ein rastlos tätiger Familienforscher, der in über 20-jähriger Arbeit mit großer Sorgfalt sowohl die Kirchenbücher vieler Gemeinden, als auch die Personenstandsverzeichnisse in kommunalen Archiven ausgewertet hat. Darüber hinaus hat er für viele Gemeinden Familienbücher erstellt, alleine für die Stadt Butzbach in sechs Bänden. Besonders ausführlich setzt sich der pensionierte Lehrer mit der Lebens- und Wirtschaftssituation der Juden in Oberhessen auseinander. Dafür stöberte er unermüdlich in Archiven und andernorts, erfasste unter anderem Steuerlisten, Grundbücher, Viehhandelsprotokolle und Bürgerlisten aus dem 19. Jahrhundert. Diese Daten wertete Müller zunächst in einem Aufsatz für die Zeitschrift des Oberhessischen Geschichtsvereins Gießen aus. In einem 2008 erschienenen Buch »Juden in Steinbach« geht Müller den Spuren jüdischen Lebens nach und erinnert an die Vielfalt und den Reichtum jüdischer Lebensgestaltung in Oberhessen sowie die tiefgehenden Verflechtungen mit den christlichen Gemeinden.

Die Butzbacher Stadtgeschichtsforschung und die städtischen geschichtsforschenden und -verarbeitenden Einrichtungen verdanken Müller ein Nachschlagewerk für die Eintragungen der Butzbacher Kirchenbücher. Im Auftrag des Stadtarchivs Hungen arbeitet Müller derzeit an einer Publikation über die jüdischen Familien in Hungen, Inheiden, Utphe, Villingen, Obbornhofen, Bellersheim und Wohnbach.

Friedrich Damrath aus Lich, der bei den Judenfamilienbüchern mit Müller zusammengearbeitet hat, machte den unvorstellbar großen Arbeitsaufwand deutlich, den der nun Geehrte leistet. Damrath hatte eine Auszeichnung Müllers beantragt. Müller selbst zeigte sich sehr erfreut über die Verleihung des Verdienstordens. Dies sei für ihn auch »ein Ansporn für die Erforschung der früher in Oberhessen lebenden jüdischen Familien und für die Veröffentlichung«. Müller dankte seiner Frau Ingrid, dass sie ihm »die Zeit für meine Arbeit« gegeben habe.

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