08. Juni 2009, 00:42 Uhr

Bechthold neuer Bürgermeister in Fernwald

Fernwald (rüg). Um 20.09 Uhr war die Sensation perfekt: Mit dem Eingang des Briefwahlergebnisses stand Stefan Bechthold (SPD) als neuer Bürgermeister in Fernwald fest.
08. Juni 2009, 00:42 Uhr
Glückwünsche für den Wahlsieger: Noch-Amtsinhaber Matthias Klose (rechts) gratuliert seinem Nachfolger Stefan Bechthold (links). Mitte: Wahlleiter Karl-Rudolf Schön. (Fotos: tr)

Er erhielt 51,91 Prozent der Stimmen, Amtsinhaber Matthias Klose (CDU) erreichte nur 40,68 Prozent, Elke Koch-Michel als unabhängige Bewerberin bekam 7,41 Prozent. Bechthold lag in allen drei Ortsteilen klar vorn und verzeichnete auch in Kloses Heimatort Annerod mit 52,6 Prozent gegenüber 40,2 Prozent einen komfortablen Vorsprung vor Klose, der in Albach sein bestes Ortsteilergebnis (41,51) erreichte (Bechthold 48,88, Koch-Michel 9,61). Beim Briefwahlergebnis lagen die beiden Kontrahenten jeweils bei 47,9 Prozent.

Schon mit dem Einlaufen des ersten Wahlergebnisses um 19.27 Uhr aus der Fernwaldhalle zeichnete sich die große Überraschung ab: Bechthold holte 55,23 Prozent, Klose 36,76 und Koch-Michel 8,01. Die unabhängige Bewerberin war nicht zum Auszählen und zur Bekanntgabe der Ergebnisse im Rathaus erschienen. Nur acht Minuten später verdichteten sich die Vermutungen, dass es in Fernwald einen Wechsel im Amt des Verwaltungschefs zum 1. Januar 2010 geben könnte, denn auch aus dem Wahllokal Bürgerhaus Annerod hieß es »Bechthold vorn« (48,50). Der Amtsinhaber kam hier auf 41,03, Koch-Michel auf 10,47 Prozent.

Im Wahllokal TSG-Halle stimmten 53,31 Prozent der Wähler für den SPD-Bewerber, Klose kam auf 38,58 Prozent, die unabhängige Kandidatin auf 8,11. Spätestens jetzt war klar, dass Klose allenfalls noch mit viel Glück in eine Stichwahl kommen konnte, doch auch in der Alten Schule in Annerod lag Bechthold mit 56,14 Prozent deutlich vor Klose (39,53) und der abgeschlagenen Koch-Michel (4,33). Das Briefwahlergebnis bestätigte dann den Trend.

Erste Gratulantinnen Bechtholds waren seine Frau Tatjana mit den beiden Töchtern Marie (9) und Lena (14). Unter den Beobachtern vor Ort war der sicher meist gesagte Satz des Abends: »Ich hätte mit einer Stichwahl und dann mit einem offenen Ausgang gerechnet.«

Amtsinhaber Klose gratulierte seinem Nachfolger, versprach eine geordnete Amtsübergabe und wünschte Bechthold viel Glück für seine Arbeit ab 1. Januar 2010. »Ich hatte mich auf eine knappe Entscheidung eingestellt«, sagte der Wahlsieger. Umso schöner sei es, dass es im ersten Wahlgang geklappt habe. Der insgesamt zehnmonatige Wahlkampf sei sehr intensiv gewesen, es sei gut, dass nicht noch zwei weitere Wochen drangehängt werden müssten.

Nach Amtsantritt werde er sich zunächst einmal einen Gesamtüberblick in der Verwaltung verschaffen müssen. Wichtigstes Thema in seiner ersten Amtszeit werde eine offensive Wirtschaftspolitik sein. Darüber hinaus werde er - wie im Wahlkampf versprochen - eine regelmäßige Bürgersprechstunde einführen. In der Vergangenheit hätten wohl viele Bürger vermisst, in Entscheidungsfindungen eingebunden zu werden. Dies habe auch zur Gründung der Bürgerinitiative gegen den A5-Lärm geführt.

Klose bescheinigte Bechthold und der SPD, ihr Wählerpotenzial deutlich besser mobilisiert zu haben. Es sei ein engagierter und zum Teil heftiger Wahlkampf gewesen. Mit der Wahlbeteiligung von 62,3 Prozent könne man zufrieden sein. Es sei für ihn eine »bittere Niederlage«, über die Ursache sei es schwer, zu orakeln: »Ich denke, ich habe meine Arbeit gut gemacht, aber es hat nicht gereicht.« Sicherlich wünsche man sich angenehmere Dinge so kurz vor der Wahl als die in Steinbach in den vergangenen Wochen vieldiskutierte Umleitung durch die Ortsdurchfahrt und die damit verbundene Belastung durch den Lkw-Verkehr. Den vielbeschworenen Amtsbonus gebe es immer noch, er sei aber nicht mehr so wahlentscheidend. Das politische Geschäft sei sehr viel schnelllebiger geworden, und Wähler würden sich häufig erst kurzfristig entscheiden, meinet Klose. Auch das Potenzial der Nichtwähler sei nicht bei jeder Wahl dasselbe. In Fernwald gebe es nicht die Reizthemen, »an denen man sich zerfleischt«. Die Parteischiene stehe nicht im Vordergrund: »Hier muss man Mehrheiten finden, und das habe ich auch getan, sonst hätte ich keinen einzigen Beschluss durchbekommen. Seinen Unterstützern von der CDU bescheinigte er, engagiert gekämpft zu haben. »Ich hatte mit einem knapperen Ergebnis gerechnet. Aber davon lebt Demokratie. Vor sechs Jahren war ich der Überraschungssieger gewesen«, so Klose. Bechthold lobte die politische Kultur in Fernwald. Aber mancher Bürger wünsche sich in der Kommunalpolitik doch emotionalere Diskussionen.

Klose unterstrich, ab Januar nicht als »gut bezahlter Spaziergänger« durch die schöne Landschaft zu laufen. Es gebe Überlegungen für seinen weiteren beruflichen Weg. Er werde sein Amt bei aller Enttäuschung über den Ausgang der Wahl bis zum Schluss ordentlich führen und ordentlich übergeben.

Über den Zeitpunkt, wann er mit seiner Familie den Wohnort Lützellinden mit Fernwald wechselt, konnte Bechthold noch keine Angaben machen. »Fakt ist: Wir ziehen mit einem Hund und drei Kaninchen um!«

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