08. Februar 2008, 17:18 Uhr

Jawort im Schloss Buseck ist auch im Saarland möglich

Buseck (rüg). Das Trauzimmer des Busecker Schlosses ist bei Heiratswilligen in der mittelhessischen Region sehr beliebt. Aber auch im Saarland gibt es ein Schloss Buseck, das von Brautpaaren gerne für Trauungen genutzt wird.
08. Februar 2008, 17:18 Uhr
Idylle im saarländischen Eppelborn: Auch hier ist das restaurierte Schloss Buseck bei Hochzeitswilligen sehr beliebt. (Foto: Gemeinde Eppelborn)

»…in guten wie in schlechten Zeiten, bis dass der Tod Euch scheidet«. Trauungen haben immer einen Ewigkeitscharakter, auch wenn der in vielen Ehen im Laufe der Zeit nicht mehr erkennbar ist. Trauungen auf einem Schiff, sogar unter Wasser oder in Las Vegas sind für manche Heiratswilligen das i-Tüpfelchen für das Jawort. Einen nicht minder originellen Touch hat die Hochzeit beim Dorfschmied im schottischen Gretna Green, wo auch ausländische Minderjährige bis 1969 ohne die Einwilligung ihrer Erziehungsberechtigten heiraten konnten. Wer es eine Nummer kleiner, aber sicher nicht minder romantisch haben möchte, der kann im Busecker Schloss den Bund fürs Leben schließen. Nicht wenige Paare aus Mittelhessen nutzen diese Möglichkeit, anschließend im schönen Ambiente des Schlossparkes die Glückwünsche der ersten Gratulanten entgegenzunehmen oder ein schönes Erinnerungsfoto knipsen zu lassen. Doch Vorsicht: Ortsunkundige müssen aufpassen, sonst landet das Paar möglicherweise in Schloss Buseck im saarländischen Bubach-Calmesweiler, während die Angehörigen in Schloss Buseck im Landkreis Gießen vergeblich auf das junge Glück warten. Denn in diesem zur Gemeinde Eppelborn gehörenden Ortseil steht ebenfalls ein Schloss Buseck.

Ähnlich wie das hiesige Busecker Schloss liegt auch das Barockensemble in Eppenweiler in einem romantischen Park. Erbauen ließen es im Jahr 1735 der Freiherr Ernst Johann Philipp Hartmann von Buseck (der mit Maria Freiin von Butlar verheiratet war) und aus der katholischen Linie der Familie von Buseck stammte, wie Ilse Reinholz-Hein vom Heimatkundlichen Arbeitskreis berichtete.

Wie auf der Internetseite der Gemeinde Eppelborn nachzulesen ist, wurde das Schloss in sonniger Lage am Südrand des Adenkreuzes westlich der Straße von Bubach-Calmesweiler nach Macherbach nicht als Wohnung für die Herren von Buseck gebaut, die nach 1700 nur noch zeitweise in Calmesweiler residierten, sondern sollte deren Aufstieg zur Macht dokumentieren und für die Verwalter, die das Hofgut führten und bewirtschafteten, eine repräsentative Unterkunft sein.

Anders in Großen-Buseck: Das Schloss hier hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich, in der in früheren Jahren auch ein Abriss in Erwägung gezogen wurde. Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung des (Großen-)Busecker Schlosses findet sich in einer Urkunde von 1458. Es ist aber anzunehmen, dass der erste Bau bereits früher bestanden hat. Schreibt man den Wappenstein der Familie von Trohe dem ersten Burgenbau zu, so lässt er sich in das erste Drittel des 14. Jahrhunderts datieren. Das erste Gebäude war vermutlich ein Wohnturm auf einer Motte, umgeben von einem Wassergraben.

Reste der ersten Bebauung hat man bei den Ausschachtungen für den Aufzug der Gemeindeverwaltung gefunden. Wie lange dieser Wohnturm Bestand hatte, ist nicht bekannt. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts lässt die Überlieferung auf einen Neubau schließen. Es heißt, dass Hartmann Schutzbar gen. Milchling die zusammengefallene Burg Buseck erneuerte.

Nach einem Schriftstück aus dem Jahre 1784 erfolgte um 1582 ein weiterer Neubau, vermutlich durch Georg Schutzbar gen. Milchling. Zu diesem Zeitpunkt darf man sich den heutigen Westflügel als Schloss vorstellen. Die Zeichnung aus dem Jahre 1621 bestärkt die Annahme, dass es auf dem heutigen Schlossgelände auch einen Turm gegeben hat, der im Laufe der Zeit mit der Schlosskapelle in das Schloss integriert wurde.

Das Schloss in seiner heutigen Größe geht auf Gottlieb Wilhelm Ludwig Carl von Nordeck zur Rabenau zurück. Er erhielt das Anwesen um 1750, das sich zu seiner Zeit in einem üblen und solchen Stande befand, dass es fast gar nicht zu bewohnen stehet von seiner Mutter Johanna Magdalena von Nordeck zur Rabenau. Gottlieb von Nordeck zur Rabenau und seine Frau Caroline geb. von Minnigerode bauten den alten Adelssitz zu einem repräsentativen Schloss um. Dabei wurde der Südflügel mit einer Durchfahrt angebaut, der den alten Turm miteinschloss. Neu errichtet wurde auch die Steinbrücke über den Wassergraben. Die alte Zugbrücke, dort wo sich heute die Freitreppe befindet, blieb bestehen. 1754 waren die großzügigen Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen abgeschlossen. Nach dem Tod seiner Frau Caroline 1760 geriet Gottlieb von Nordeck zur Rabenau in finanzielle Schwierigkeiten, im Verlauf derer er das Schloss an den Frankfurter Bankier Leerse abtreten musste Der konnte mit Zustimmung des Landgrafen das Schloss 1785 versteigern. Die Gemeinde Großen-Buseck bat damals den Landgrafen mitsteigern zu dürfen: Da unsere Gemeinde wegen eben diesem Guth von jeher sehr vielem Verdruss ausgesetzt gewesen, so erfreuten wir uns der Gelegenheit durch eine Ersteigerung desselben mit einmal davon befreyet werden zu können. Und, falls man den Zuschlag bekäme, wolle man das Schloss abreißen.

Vom Wohnsitz zum Lazarett und Altersheim

Das höchste Gebot gab die Gemeinde Großen-Buseck ab. Doch auf Einspruch des Landgrafen wurde das Schloss an den nächstbietenden, Freifrau Elisabetha Dorothea von Zwierlein veräußert. Sie kaufte das Schloss für ihren Enkel Johann Jacob. Nach dessen frühem Tod ging das Anwesen in den Besitz seiner Tochter Ernestine Leopoldine über, die 1829 Friedrich Joseph Kilian von Nordeck zur Rabenau heiratete. Damit war das Schloss wieder im Besitz der Familie von Nordeck zur Rabenau.

Gleich zu Beginn des Ersten Weltkrieges stellte die Familie von Nordeck zur Rabenau das Schloss als Lazarett zur Verfügung. Unter Leitung von Dr. Gengnagel und Schwester Berta Büchsler wurden 1043 Verwundete gepflegt. Mädchen aus der Gemeinde waren als Hilfsschwestern tätig.

Unter den Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg waren viele alte und gebrechliche Menschen. Für sie richtete das DRK eines der ersten drei Altersheime im Kreis Gießen im Schloss ein. Anfangs wurde es von Ernestine von Nordeck zur Rabenau geleitet, ab Mai 1947 stand das Heim unter Leitung der Rotkreuzschwester Maria Bachmann. Die Räume des Altersheims befanden sich im zweiten Stock. Essen musste aus der Schlossküche im Erdgeschoss geholt werden. Auch für Brennholz mussten die alten Menschen selbst sorgen. Bis zu 48 Seniorinnen und Senioren waren zeitweise im Schloss untergebracht, bis das Altersheim Ende 1954 aufgelöst wurde. Später fanden DDR-Flüchtlinge und Studenten hier eine Zuflucht.

Als letzte der Familie lebte Ernestine, eine Schwester Ludwigs von Nordeck zur Rabenau, bis Anfang 1964 im Schloss. Sie war auch die einzige, die ihren ständigen Wohnsitz im Schloss hatte. Nach ihrem Tod verkaufte Evamaria von Nordeck zur Rabenau 1971 den gesamten Besitz für 2,6 Millionen Mark an die Hessische Landgesellschaft. Das alte Schloss bot damals einen beklagenswerten Anblick. Praktisch stand nur noch der Rohbau, die Inneneinrichtung fehlte vollkommen. Mit dem eindrucksvollen Bild, das heute das Anwesen bietet, war es nicht annähernd vergleichbar.

Seit 1981 ist die Gemeindeverwaltung in dem herrschaftlichen Gebäude untergerbracht. Bislang hatten im Schloss drei Busecker Bürgermeister ihren Amtssitz: von 1981 bis 1987 Helmut Hofmann, Walter Kühn von 1987 bis 1997 und seit 1998 Erhard Reinl. Besonders beliebt im weiten Umkreis ist das herrschaftliche Gebäude unter Brautpaaren, die sich im außergewöhnlichen Ambiente das Jawort geben. Zu Spitzenzeiten waren es zwischen 150 bis 200 Trauungen im Jahr. Jetzt liegt die Zahl zwischen 100 und 150, berichtete Bürgermeister Reinl.

Rund 100 sind auch im namensverwandten Schloss Buseck in Eppelborn pro Jahr zu verzeichnen. Etliche Trauungen finden aber auch im normalen gemeindlichen Trauzimmer statt, da nicht alle Paare den Sonderservice im Schloss bezahlen möchten, teilte der geschäftsführende Standesbeamte Elmar Erbel mit. Denn für Bubach-Calmesweiler kann man sozusagen all inclusive buchen. Im Pauschalpreis von 132 Euro sind enthalten: Die Gebühren für die Anmeldung der Eheschließung, eine Heiratsurkunde, eine beglaubigte Abschrift des Familienbuches, die musikalische Untermalung der Trauung, Champagner-Empfang im Schloss nach der Trauung (im Preis enthalten ist eine Flasche Champagner und auf Wunsch eine Flasche Orangensaft), die Informationsbroschüre Heiraten im Schloss Buseck, ein Foto des Brautpaares vor der Trauung, ein Gutschein über einen Hochzeitsbaum, ein Gutschein für einen kostenlosen Besuch im Hellbergbad und der Kostenanteil für Miete des Schlosses und Erstattung der Auslagen der Gemeinde Eppelborn.

Denn die ist nicht mehr Besitzer des Schlosses, sondern hat es verkauft, allerdings die obere Etage für besondere Trauungen angemietet. Außerdem ist in dem Gebäude das Kulturamt untergebracht. Die ursprünglich einmal vorhandenen stattlichen Wirtschaftsgebäude zerfielen im 19. Jahrhundert immer mehr und wurden 1884 abgerissen. Vor der Übernahme durch die Gemeinde mussten auch in Bubach-Calmesweiler umfangreiche Renovierungen statfinden, ehe das Gebäude wieder zum Blickfang wurde.

Trauungen werden hier seit dem Jahr 2000 angeboten. 2003 wurde das Schloss mit dem Saarländischen Denkmalspflegepreis ausgezeichnet und gilt mit seiner neu gestalteten Parkanlage als Attraktion im Illtal.

Das hat der Großen-Busecker Schlosspark noch vor sich, denn auch hier sind umfangreiche Planungen im Gange, die Anlage einerseits wieder in einen englischen Landschaftsgarten zu verwandeln und andererseits auch durch kulturelle und Aktiv-Angebote für Besucher attraktiv zu machen. Dazu wurde im Mai vergangenen Jahres der Verein Freundeskreis Busecker Schlosspark gegründet, dessen Vorsitzender Gerhard Jungermann ist

Weitere Infos: zur Gemeinde Buseck unter www.buseck.de, zum Heimatkundlichen Arbeitskreis Buseck unter www.uni-giessen.de/ ~gh1075/heimat/home.htm, zur Gemeinde Eppelborn: www.eppelborn.de

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