30. Oktober 2009, 20:02 Uhr

Der Forderung von Nachhaltigkeit verpflichtet

Biebertal/Darmstadt - »Wenn jemand den Georg-Ludwig-Hartig-Preis verdient, dann Prof. Hans-Joachim Weimann, denn niemand sonst ist so vertraut mit Leben und Werk des Namensgebers«, sagte Laudator Dr. Riedesel Freiherr von Eisenbach, Vorsitzender des Stiftungsrats der Georg-Ludwig-Hartig-Stiftung.
30. Oktober 2009, 20:02 Uhr

Biebertal/Darmstadt - »Wenn jemand den Georg-Ludwig-Hartig-Preis verdient, dann Prof. Hans-Joachim Weimann, denn niemand sonst ist so vertraut mit Leben und Werk des Namensgebers«, sagte Laudator Dr. Riedesel Freiherr von Eisenbach, Vorsitzender des Stiftungsrats der Georg-Ludwig-Hartig-Stiftung. Die feierliche Überreichung erfolgte am Donnerstag auf Jagdschloss Kranichstein bei Darmstadt im Rahmen des Faustmann-Symposions, einer Tagung von Forstökonomen aus ganz Europa, die sich zum dritten Mal an diesem für die Forstwissenschaft so bedeutenden Ort trafen. Den Empfang ausgerichtet hat die Landesregierung, vertreten durch Staatssekretär Mark Weinmeister.

Die Verdienste von Weimann sind vielfältig, beim Hartig-Preis wird insbesondere gewürdigt: der Einsatz um das Weiterverbreiten des Nachhaltigkeitsgedankens, den Hartig als erster beschrieben hatte. Nachhaltigkeit bedeutet: Walderhaltung und -vermehrung als Sicherung der natürlichen Lebensgrundlage. Dieser Gedanke muss, laut Stiftungssatzung, in die ganze Welt getragen werden - was angesichts fortdauernder Abholzung der Regenwälder, aber auch von verbotenen Abholzungen in unseren Wäldern nach wie vor bitter notwendig erscheint.

Nachhaltigkeit gilt für das konkrete forstliche Handeln, das Weimann als Direktor der Hessischen Forsteinrichtungsanstalt umsetzen konnte, aber auch für die publizistische Verbreitung, was er in reichem Maße in Fachzeitschriften getan hat. Dazu kommt sein historisches Interesse, das ihn zu einem Forsthistoriker erster Güte werden ließ. Unter anderem hat er zu Leben und Werk des in Gladenbach geborenen Georg Ludwig Hartig geforscht.

Riedesel wies auf weitere Verdienste von Weimann hin, vor allem auf seine Pionierarbeit der »Computerisierung« des Amtes. Vom Lochkartensystem bis zur Entwicklung eigener Software, die immer noch im Einsatz ist, und dem Schreiben von Handbüchern hat Weimann alles gemacht. Neben diesen Aufgaben hat er 1969 seine Doktorarbeit und 1983 seine Habilitation verfasst, von 1990 bis 2000 an der Gießener Universität als außerplanmäßiger Professor gelehrt, in der »Umweltsicherung« am Fachbereich Agrarwissenschaften. Zudem war er in Kommissionen und Gremien tätig, etwa als Vorsitzender des Forstgeschichtlichen Ausschusses im Hessischen Forstverein und eben in der Hartig-Stiftung, die ihn nun ehrte.

Zur Preisverleihung waren die Familie angereist und eine kleine Delegation aus Biebertal und Gießen. Denn der Grüngeschichte in und um Gießen widmet sich Weimann seit seiner Pensionierung (Forstgarten, Botanischer Garten), wobei sein besonderes Engagement dem Gailschen Park in Rodheim gilt, einem Parkkleinod, das der Unternehmer Gail einst nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten erschaffen ließ.

Weimann wäre nicht Weimann, wenn er in seiner Dankesrede nicht auf die historischen Bezüge des Veranstaltungsortes zu Gießen verwiesen hätte. Nicht nur Hartig hat an der Gießener Universität studiert (1781/82), sondern auch Martin Faustmann (1841-45), ein Schüler des berühmten Carl Justus Heyer, der bekanntlich die Aufforstung des Gießener Stadtwalds (1824-1828) gegen viele Widerstände betrieben hatte.

Faustmann publizierte 1849 in der Allgemeinen Jagd- und Forstzeitung zum ersten Mal seinen Artikel über die »Berechnung des Werthes, welchen Waldboden, sowie noch nicht haubare Holzbestände für die Waldwirtschaft besitzen«, was als Faustmann-Formel bezeichnet wird. Faustmanns Leistung ist in der Forstökonomie weltweit anerkannt, daher die Bezeichnung »Faustmann-Symposion«. Und das Jagdschloss Kranichstein ist ein Ort, an dem Faustmann für den Großherzog von Hessen-Darmstadt gewirkt hat, mithin »ein bedeutender Ort der hessischen Forstgeschichte«, so Weimann. Dagmar Klein

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