15. November 2009, 18:06 Uhr

Ansturm auf Hofgut Schmitte

Biebertal (sha). Die Räumlichkeiten des sogenannten Schlosses auf dem Hofgut Schmitte in Rodheim-Bieber waren am Samstag dem Ansturm der vielen Käufer, die aus der ganzen Bundesrepublik nach Biebertal gekommen waren, kaum noch gewachsen.
15. November 2009, 18:06 Uhr
Dichtes Gedränge herrschte vor dem Auktionssaal im Hofgut Schmitte. (Foto: sha)

Biebertal (sha). Die Räumlichkeiten des sogenannten Schlosses auf dem Hofgut Schmitte in Rodheim-Bieber waren am Samstag dem Ansturm der vielen Käufer, die aus der ganzen Bundesrepublik nach Biebertal gekommen waren, kaum noch gewachsen. Als die Versteigerung um 10 Uhr im Biedermeiersalon begann, da waren neben dem eigentlichen Auktionssaal auch die angrenzenden Flure, der Empiresalon und sogar das Treppenhaus voller Menschen. Sie alle wollten Teile des Nachlasses von Dorothea Freifrau van der Hoop († 2007) erwerben.

Auktionator Peter Rothenbücher musste die Auktion bereits nach wenigen Minuten unterbrechen, nachdem es zu beinahe tumultartigen Zuständen gekommen war, da viele der Bieter im Treppenhaus und noch zahlreiche weitere draußen auf dem Schlosshof fürchteten, nicht an der Versteigerung teilnehmen zu können. Rothenbücher gelang es jedoch mit Verweis auf die vielen an unterschiedlichen Stellen im Schloss positionierten Lautsprecher, die aufgebrachten Gemüter zu beruhigen. Da die über 700 Objekte in exakt nummerierter Reihenfolge anhand eines Kataloges versteigert wurden, bat der Auktionator die zahlreichen Interessenten, Rücksicht aufeinander zu nehmen und zunächst diejenigen Bieter vorzulassen, die beabsichtigten, für jene Teile des Nachlasses zu bieten, die auf den ersten Seiten des Katalogs angeboten wurden. Darüber hinaus wies Rothenbücher seinen Sohn, der als Juniorchef des Kunstversteigerungshauses P. Rothenbücher KG fungiert, an, die Fenster des Biedermeiersalons zu öffnen, um so auch die auf dem Hof versammelten Bieter in die Auktion miteinbeziehen zu können.

Militaria-Sammler gaben Rekord-Gebote ab

Das Spektrum der zu ersteigernden Objekte reichte von der Tapisserie bis zur Tabakspfeife, vom Barockschrank bis zur Biedermeiereckvitrine und ließ auf diese Weise die lange Historie von Schloss und Hofgut Schmitte erahnen, welches bereits 1412 erstmals urkundliche Erwähnung fand. Die Familie der Freiherren van der Hoop erbte das Anwesen 1849 von Johann Conrad Freiherr Firnhaber von Eberstein und blieb bis zum Tod von Dr. Dorothea Freifrau van der Hoop im Jahr 2007 in Familienbesitz. Nach dem Willen der letzten Freifrau van der Hoop, der Witwe von Generalmajor Adrian Freiherr van der Hoop († 1967), soll mit dem Erlös aus dieser Auktion eine gemeinnützige Stiftung errichtet werden. Stiftungszweck ist die Unterbringung von geistig behinderten oder schwer erziehbaren Jugendlichen, denen auf Schloss und Hofgut Schmitte eine sorgenfreie Zukunft mit Perspektive bereitet werden soll.

Den höchsten Einzelpreis erzielte bei der Auktion am Samstag eine Rokokotapisserie (Wandteppich) aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, die für 19.000 Euro ersteigert wurde. Mit einem Gebot von 10 000 Euro erwarb ein weiterer Bieter einen Aufsatzschreibsekretär aus Nuss- und Nusswurzelholz, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Mainz gefertigt wurde. Neben zahlreichen anderen Möbelstücken aus verschiedenen Epochen wurden aber auch Geschirr, Bücher, Uhren, Schmuck und Gemälde aus dem Besitz der Freiherren van der Hoop versteigert.

Bemerkenswert hohe Einzelerlöse erbrachte der Verkauf von historischen militärischen Rangabzeichen, die von interessierten Sammlern für ein Vielfaches des im Katalog angegebenen Limitpreises (Mindestgebot) erworben wurden. So kamen acht Paar Schulterspiegel, neun Ärmelspiegel, sechs Kragenspiegel, ein Tarnüberzug für einen Generalskragen sowie diverse Uniformknöpfe und Kokarden (Abzeichen an der Uniformmütze), die mit einem Limitpreis von 80 Euro im Katalog verzeichnet waren, für 950 Euro unter den Hammer.

Auch einige handkolorierte Kartenspiele aus dem frühen 19. Jahrhundert erzielten während der Auktion beinahe den 30-fachen Wert ihres im Katalog eingetragenen Mindestgebots. 69 handbemalte Kupferstichkarten mit einem Limitpreis von 50 Euro wechselten am Samstag für 1400 Euro den Besitzer.

Weitere Objekte werden noch bis kommenden Mittwoch vor Ort zum Limitpreis verkauft

Auktionator Peter Rothenbücher bezeichnete die Auktion des vergangenen Wochenendes im Gespräch mit dieser Zeitung als »die beste der ganzen Firmengeschichte« seines Kunstversteigerungshauses, das bereits seit 30 Jahren besteht. Schon während der Vorbesichtigung, als interessierte Käufer vom 6. bis zum 12. November die einzelnen Objekte hatten in Augenschein nehmen können, hätten über 1000 potenzielle Bieter Schloss und Hofgut Schmitte besucht. Der noch nicht versteigerte Teil des Nachlasses wurde und wird am Sonntag (11 bis 17 Uhr) sowie von Montag bis Mittwoch (10 bis 17 Uhr) auf dem Gelände des Anwesens verkauft. Zu diesem Zeitpunkt findet allerdings keine Aktion mehr statt, vielmehr können Interessierte die einzelnen Objekte zum Limitpreis direkt kaufen.

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