29. Juli 2016, 19:43 Uhr

Vergifteter Hund: Frauchen fassungslos

Allendorf/Lumda (khn). Martina Katillus legt kurz den Telefonhörer zur Seite. Es sind stille Tränen, die auf ihrer Seite der Leitung fließen. »Ich verstehe nicht, wie ein Mensch so etwas machen kann«, sagt sie. Die 46-Jährige musste zusammen mit ihren beiden Töchtern und ihrem Partner Abschied nehmen von ihrem zehnjährigen Hund Balou. Er hat Gift gefressen, das vermutlich ein Hundehasser in Nordeck ausgelegt hat.
29. Juli 2016, 19:43 Uhr
Ein Foto aus besseren Zeiten: Der Golden-Retriever-Mischling Balou (r.) posiert zusammen mit Kira für die Kamera von Martina Katillus. (Foto: bkf)

Hundebesitzer in Allendorf/Lumda sind in heller Aufregung. Erst bestätigte das Ordnungsamt der Stadt, dass Unbekannte Giftköder am Erlensee ausgelegt hatten. Dann meldeten Bürger in der Kernstadt ebenfalls solche Fälle; es liegt eine Anzeige bei der Polizei vor. Die Stadt hat in der Mühlwiese gefundene Proben zur Untersuchung an ein Institut verschickt. Daraus geht zwar hervor, dass sie kein Gift enthielten, dafür aber spitze Holzspieße. Die Stadt bittet Halter, ihre Tiere nicht unbeaufsichtigt laufen zu lassen (weitere Tipps siehe Kasten ). Hinweise nehmen das Ordnungsamt (0 64 07/91 12-33) und die Polizei (0 64 01/9 14 30) entgegen. Denn es handelt sich nicht um ein Kavaliersdelikt, wenn ein Tier durch einen Köder verletzt wird oder stirbt. Dem Tierquäler droht eine Geld- oder Freiheitsstrafe.

Martina Katillus ist fassungslos, dass ihr Hund der erste im aktuellen Fall ist, der nicht mehr gerettet werden konnte. Am Mittwoch ging die Nordeckerin gegen 9 Uhr eine Stunde lang mit Balou Gassi. Wie immer startete sie am Nordecker Spielplatz, dann weiter zum Erlensee, von dort zu den Pferden – und wieder zurück. Irgendwo auf dem Weg muss Balou etwas gefressen haben, das ihm später zum Verhängnis wurde.

Am nächsten Morgen ging Martina Katillus um 6.45 Uhr zur Arbeit. Drei Stunden später erhielt sie von ihrem Lebensgefährten eine Nachricht: Balou erbreche und habe Durchfall. Weil der Golden-Retriever-Mischling immer gerne auf etwas herumkaut und viel frisst, machte sich das Paar keine Gedanken. Erst als Martina Katillus nach Hause kam, wurde ihr klar: Hier stimmt etwas nicht. Sie brachte Balou zur Tierärztin. Doch zu diesem Zeitpunkt war es zu spät. Die Veterinärmedizinerin vermutet, dass der Hund einem Gift zum Opfer gefallen war.

Balou ist mittlerweile beerdigt. Doch begraben will die Familie den Vorfall damit nicht. »Wir sind den Weg noch einmal abgelaufen, aber gefunden haben wir nichts«, sagt Martina Katillus. Sie, ihre beiden Töchter und ihr Lebensgefährte müssen sich nun damit abfinden, dass ihr Hund gestorben ist. Nur fällt es ihnen so kurz danach sehr schwer. »Das kann wahrscheinlich keiner verstehen, der nicht Hundehalter ist«, sagt sie. Zwei Hunde hat Martina Katillus bereits verloren. Sie mussten eingeschläfert werden, weil sie zu alt waren und sich nur noch gequält hätten. Aber das mit Balou, sagt die 46-Jährige, sei etwas ganz anderes.

Ärger habe sie noch nie wegen ihrer Hunde gehabt, sagt die Nordeckerin. Umso mehr ärgert es sie, dass jemand Gift auslegt, anstatt mit ihr als Halterin das Gespräch zu suchen. »Wenn mir jemand sagt, er will nicht, dass ich mit meinem Hund dort Gassi gehe, dann ist das doch in Ordnung.« Sie suche sich dann eben einen anderen Weg.

Martina Katillus macht eine Pause. Dann sagt sie leise: »Wie kann jemand so etwas machen? Denkt er nicht an das Leid, das er anderen zufügt?« Eine ihrer Töchtern sei zusammengebrochen, als sie den toten Balou im Auto gesehen habe. Ihr Lebensgefährte mache sich weiterhin Vorwürfe, ob er nicht hätte früher reagieren sollen. Auch ihre 15-jährige Hündin Kira sei »total neben der Spur«. Sie verbringe viel Zeit damit, ihren Rudelgenossen zu suchen. Die Nordeckerin schluckt, bevor sie sagt: »Wir alle haben den Hund wirklich sehr geliebt.«

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